Der Höchststand der Saale scheint in Calbe überwunden zu sein. Eine große Katastrophe ist ausgeblieben. Daran haben auch viele ehrenamtliche Helfer ihren Anteil. Einer von ihnen ist Mirko Täubert aus Schwarz, der sich selbst an seinem 32. Geburtstag für eine zwölfstündige Deichwache einteilen ließ.

Schwarz. Das Feuerwehrgebäude in Schwarz ist seit knapp zwei Wochen ein Dreh- und Angelpunkt, wenn es darum geht, rund um die Uhr die freiwilligen Helfer für ihren Dienst als Deichwachen einzutakten. Das Gebäude wurde laut Dienstvorschrift der Stadtverwaltung (Durchführung der Deichwache und Wasserwehr) in ein Deichwachbüro umfunktioniert. Es gilt, den rund fünf Deichkilometer langen Abschnitt Nummer sechs vom Saaledeich der Eisenbahnlinie Magdeburg-Halle bis Tippels-kirchen genau im Auge zu behalten. Gemeldet werden müssen Sickerstellen oder ein Aufweichen des Deiches, Anschwemmungen, ein Ausbleiben von Ablösungen oder sonstige Gefährdungen.

Auf einem großen Tisch reihen sich unzählige Fertigportionen von asiatischer Schnellküche und Getränke aneinander. Daneben steht ein Telefon für den Notfall bereit. An der Wand hängen die aktuellen Zahlen vom Unterpegel Calbe, die immer wieder aktualisiert werden. Ein Elektroheizer sorgt dafür, dass bei niedrigen Außentemperaturen im Wachbüro eine behagliche Atmosphäre herrscht und sich die Deichwachen nach ihren mehrstündigen Kontrollgängen wieder aufwärmen können. Die Stimmung ist gut, sieht es doch nach den Prognosen so aus, als ob die Saale endlich wieder sinken wird.

Rund zwölf Stunden im Dunkeln auf Deichen

Zwar gibt es wegen des hohen Saalepegels und einzelnen Sickerstellen in den Deichen noch keinen Grund zur Entwarnung, aber dennoch kam am Dienstagabend eine gewisse Sektlaune auf. Mirko Täubert ist an diesem Tag 32 Jahre alt geworden. Der Schwarzer ließ sich für einen Zwölf-Stunden-Einsatz als Deichwache aufstellen. "Von 18 Uhr bis 6 Uhr morgens bin ich mit dabei", sagt der Kamerad der Freiwilligen Feuerwehr Schwarz, der sich auch an den kommenden Tagen freiwillig als Helfer aufstellen ließ. "Dieses Engagement der vielen freiwilligen Helfer im Kampf gegen das Hochwasser ist nicht hoch genug einzuschätzen", lobt Bürgermeister Dieter Tischmeyer und übereicht Prozentiges. "Angestoßen wird aber erst später", sagt Mirko Täubert pflichtbewusst. Er finde es in keinster Weise bedauerlich, dass er am Abend seines Geburtstages im Dunkeln mit Taschenlampe und Gummistiefeln bei regnerischem Wetter an den Deichen im Einsatz ist. Eine etwas andere Art der Feier, die aber sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Deichwachen lange im Voraus verplant

Wer durch das Schwarzer Wachbuch blättert, sieht, dass die eingesetzten Helfer für mehrere Tage im Voraus eingetragen wurden. "Ich wollte mich heute zur Deichwache anmelden", sagt Stadtrat Oskar-Heinz Werner am Dienstagabend. "Der nächste vakante Dienst wäre am Sonnabend gewesen", so der 73-Jährige weiter. Der Calbenser schätzt wie viele die Arbeit des Deichwachbüros. Als Anerkennung übergab er eine Luftaufnahme vom Ortsteil, die nun im Feuerwehrgebäude ihren Platz finden soll.

Wie lange das Deichwachbüro noch seinen Dienst verrichten wird, ist noch nicht klar und hängt davon ab, wie schnell das Saalehochwasser zurückgeht. Gestern Abend wurde ein Pegel von 8,93 Meter in die Liste eingetragen.