Miteinander, nicht gegeneinander. So lautet der unabhängig voneinander vorgetragene Appell von Landrat Ulrich Gerstner und Sparkassen-Chef Manfred Köhler an die Entscheidungsträger im Salzlandkreis. Beim gemeinsamen Neujahrsempfang zogen beide Herren eine Bilanz zum Jahr 2010. Gerstner sprach auch die verunglückte Neu- und Umgestaltung der hiesigen Klinik-Landschaft an.

Eggersdorf. Salzlandkreis und Salzlandsparkasse haben am vergangenen Freitag wiederum erneut gemeinsam einen Neujahrsempfang ausgerichtet. Zu den Höhepunkten im Sport- und Freizeitzentrum in Eggersdorf zählte ein Gastreferat des Autors und Literaturkritikers Hellmuth Karasek und die Vergabe des Ehrenamtspreises in den Bereichen Soziales, Sport und Kultur (Volksstimme berichtete). Selbstverständlich sprachen auch Landrat Ulrich Gerstner (SPD) und der Vorstandsvorsitzende der Salzlandsparkasse, Manfred Köhler, zu den Gästen, zu denen auch Bundestags- und Landtagsabgeordnete gehörten und außerdem Sachsen-Anhalts einziger Europaabgeordneter Horst Schnellhardt (CDU).

"2010 war ein vielfältiges, emotionales, tabuloses Jahr", blickte Landrat Gerstner beschreibend zurück. Auch kommunalpolitisch würde sich 2010 außergewöhnlich darstellen. Das zeige sich vor allem an der Neustrukturierung von Aufgaben im kommunalen Bereich. Bei der Holding der Salzlandklinik habe sich ein landkreiseigenes Konzept aufgrund eines ausgeprägten Lokalpatriotismus‘ nicht umsetzen lassen. Gerstner gab seiner Überzeugung Ausdruck, dass die Chancen für eine zukunftsgerichtete Gestaltung der Krankenhauslandschaft im Salzlandkreis mit dem Verkauf der Kliniken vielversprechend seien. Begründung: Standortegoismen würden jetzt nur noch eine untergeordnete Rolle spielen können.

Ein schwieriges Jahr 2011 sagte er für das neugegründete Jobcenter und dessen Klienten voraus. Der Bund werde rund 14 Millionen Euro weniger an Zuweisungen für Maßnahmen tätigen. "Das wird wohl demnächst eine Menge Ärger geben", meinte der Landrat.

Er sprach auch kurz den neuen Verkehrsverbund Marego an. Ein Fahrschein für eine Region – das schaffe Attraktivität für den öffentlichen Personennahverkehr.

Niederschläge sorgen für Härtelagen

Gerstner dankte dem Kreistag ausdrücklich für die "gezeigte Konstruktivität" in den vergangenen Monaten bei vielen Themen, die "Emotionen auslösten".

Als "völlig jenseits der Normalität" bezeichnete er die Niederschlagsmengen, die seit knapp einem Jahr dem Salzlandkreis zu schaffen machen und für zahlreiche Betroffene Härtelagen schaffen. Um Schaden zu minimieren, müssten alle mitziehen und die Hilfestellung ermöglichen, die machbar ist. Der Salzlandkreis werde in dieser Beziehung nicht zurückstehen. Für die vom ihm geleitete Verwaltung sagte er, dass sie sich weiterhin dem Einwohnerschwund anpassen müsse, sprich: eine Verschlankung sei unumgänglich.

Gerstner begrüßte die Initiative des Landes Sachsen-Anhalt, abgewanderte Fachkräfte zurückzuholen.

Den Schulterschluss aller mahnte grundsätzlich der Vorstandsvorsitzende der Salzlandsparkasse, Manfred Köhler, an. "Um etwas zu bewegen, müssen wir alle gemeinsam verantwortungsvoll das Ganze im Blick haben – und nicht nur Einzelinteressen vertreten oder sogar gegeneinander arbeiten", sagte er. Seinen Appell insbesondere an die politischen Entscheidungsträger im Landkreis unterstrich er mit den Worten: "Nur füreinander und miteinander – nicht gegeneinander – erreichen wir etwas Sinnvolles."

Sportlich nahm Köhler einen Schreibfehler in der Einladung zum Neujahrsempfang. Darin hieß es in der Vita von Professor Hellmuth Karasek, dass er 1958 seine "Promovation" zum Doktor der Philosophie erhalten habe. "Das Wort klingt gut, aber leider ist es nicht existent", räumte Köhler ein, um die Sache mit einem freundlichen Lächeln und dem Hinweis auszubügeln: "Ich bestätige ausdrücklich, dass Herr Professor Karasek ordnungsgemäß promoviert hat, den Doktortitel zurecht trägt."

Vom Gastreferat des bundesweit bekannten Publizisten zeigte sich der Sparkassen-Mann beeindruckt. "Es war ein Genuss, Ihnen zuzuhören. Sie erzählen Geschichten zum Wundern und Schmunzeln und verstehen gleichzeitig das Handwerk des Schreibens mindestens genauso gut", unterstrich Köhler. Er fügte hinzu: "So interessant, lebendig und gleichzeitig niveauvoll, mit Tiefgang und witzig habe ich nicht alle Redner bei unseren Neujahrsempfängen erlebt."

Als kleines Dankeschön überreichte Köhler dem Professor ein druckfrisches Jubiläumsbuch über Bernburg und eine historische Faksimile-Ausgabe der Moscowitischen und Persianischen Reisebeschreibung im Jahr 1656 des Ascherslebener Wissenschaftlers Adam Olearius. "Viel Vergnügen damit", gab Köhler Karasek mit auf den Weg.

Der hatte sich in seinem Redebeitrag auf das Thema Zukunftsängste der Menschen bezogen und sich diesem Gefühl von verschiedenen Seiten aus genähert.

Den Ehrenamtspreis erhielten Sybille Treptow aus Aschersleben, Sven Schumann aus Schönebeck und Gerhard Hartkopf aus Bernburg.

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