Erneut haben Salzlandkreis und Salzlandsparkasse ihren Neujahrsempfang gemeinsam ausgerichtet. Ort der Veranstaltung war am Freitagabend das Sport- und Freizeitzentrum in Eggersdorf (Bördeland). Prominenter Gastredner war der Literaturkritiker Hellmuth Karasek. Die Einnahmen des Abends (die geladenen Gäste hatten Eintritt gezahlt) sollen der Verkehrswacht Staßfurt zugute kommen.

Eggersdorf. Der diesjährige gemeinsame Neujahrsempfang von Salzlandkreis und Salzlandsparkasse ist für drei Salzländer zu einer echten Überraschung geraten. Sie erhielten den Ehrenamtspreis 2010 – und hatten bis zur Preisverleihung im vollbesetzten Saal keine Ahnung davon. Als Laudator Hans-Michael Strube, er ist stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Salzlandsparkasse, in seiner Rede gewisse zeitliche Eckdaten nannte, zuckte Sven Schumann, der Vorsitzende des Fördervereins des Kreismuseums in Schönebeck-Bad Salzelmen, sichtlich zusammen. Im Plenum unter den zahlreichen Gästen sitzend, gab er seiner neben ihm platzierten Mitstreiterin Nicole Lüdecke einen leichten Rippenstoß. "Der meint uns", raunte er ihr zu.

In der Tat: Der Ehrenamtspreis 2010 im Bereich Kultur ging an Sven Schumann. Dass er die Auszeichnung verdient hat, daran ließ Hans-Michael Strube keinen Zweifel. "Großes Engagement zeigen der Verein und sein Vorsitzender bei der Umsetzung eines neuen zukunftsorientierten Konzeptes für die von ihnen betreute Einrichtung", lobte der Banker. Das Haus werde sich schon bald völlig umgestaltet präsentieren, Unverkennbares, Eigenes vermitteln und sich mit diesem komplett neuen Gesicht von anderen Museen wesentlich unterscheiden, zeichnete Strube ein vielversprechendes Zukunftsbild. "Dieses Haus zu erhalten und weiter mit Leben zu erfüllen, sind hoffnungsvolle Perspektiven nicht nur für Schönebeck, sondern für unseren gesamten Salzlandkreis", betonte der Laudator. Mit dem neuen Konzept "Lebensadern Elbe-Saale", mit der Verbindung von Salzgeschichte und Schifffahrt, mit der Entwicklung zu einem interaktiven "Lernort" würden das Kreismuseum und sein Förderverein einen neuen innovativen Weg beschreiten.

Sven Schumann, auf die Bühne gebeten, war sichtlich bewegt. "Ich kann nur vielen, vielen Dank sagen. Und besuchen Sie unser Kreismuseum", forderte er die Anwesenden auf.

"Jetzt weiß ich, warum mir alle in den Ohren gelegen haben, ich müsse unbedingt an dem Neujahrsempfang teilnehmen", meinte er wenig später gegenüber der Volksstimme – um dann hinzuzufügen: "Ohne die Unterstützung meiner Frau wäre diese ehrenamtliche Arbeit überhaupt nicht möglich."

Nicht minder überrascht von der öffentlichen Ehrung für ihr gesellschaftliches Wirken zeigten sich Sybille Treptow aus Aschersleben und Gerhard Hartkopf aus Bernburg. Sie erhielten den Ehrenamtspreis in den Bereichen Soziales und Sport. Während sich Sybille Treptow seit vielen Jahren gemeinsam mit engagierten Gleichgesinnten der Begleitung sterbender Menschen widmet, zeigt Gerhard Hartkopf, dass sich im Sport mit Hartnäckigkeit einiges bewegen lässt. Der Rudersportler stellte als Vereinsvorsitzender sage und schreibe bis heute 365 Fördermittelanträge. Mehr als 300 sind positiv beschieden worden.

Karasek hat Jugend in Bernburg verlebt

Ein weiterer Höhepunkt des diesjährigen Neujahrsempfangs war das Referat von Professor Hellmuth Karasek. Der bundesweit bekannte Autor und Literaturkritiker hat seine Schul- und Jugendzeit übrigens in Bernburg verlebt. "Das bringt ihn uns noch näher" meinte Landrat Ulrich Gerstner (SPD).

Karasek unterhielt und erheiterte das Publikum mit geistreichen und zum Teil auch polarisierenden Überlegungen. Er hatte seinen Redebeitrag unter das Motto "Ist die Zukunft auch nicht mehr das, was sie einmal war?" gestellt. Er bezog sich auf die Zukunftsängste, die viele Menschen haben. Emotionen dieser Art habe es aber immer schon gegeben – etwa, besonders intensiv, in den 70er und 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts vor dem Hintergrund des Nato-Doppelbeschlusses und des Waldsterbens. "Die Welt steht aber noch. Und sie ist weniger gefährdet als damals", hob Karasek hervor. Er ging auf das von Thilo Sarrazin verfasste Buch "Deutschland schafft sich ab" ein, das zweifellos Zukunftsängste auslöse. In einem Punkt habe der Buchschreiber jedoch Unrecht: Etwas statistisch in die Zukunft zu rechnen, bewähre sich nicht. Sprich: Es kommt in der Regel immer anders als gedacht und befürchtet. Im Leben komme es darauf an, sich von Ängsten nicht unterkriegen zu lassen. Nicht vor Veränderung müsse der Mensch sich fürchten, sondern vor Stillstand, so Karasek. Sein Credo: "Zielstrebigkeit führt zum Ziel. Und zu einem guten Ergebnis."

Zu den Rednern des Abends gehörten zudem Landrat Ulrich Gerstner und der Vorstandsvorsitzende der Salzlandsparkasse, Manfred Köhler (Berichterstattung wird fortgesetzt).

   

Bilder