Während auf den Deponien in Staßfurt und Latdorf (Bernburg) das austretende Deponiegas abgefackelt werden soll, wird das Gas aus der Deponie Frohser Berge in Schönebeck in Strom ungewandelt und verkauft. Die Anlage in der Elbestadt kann noch rund zehn bis zwölf Jahre laufen.

Schönebeck-Frohse. Da staunten auch die alteingessenen Schönebecker nicht schlecht. Als dieser Tage eine Abordnung um den Landtagsabgeordneten Gunnar Schellenberger die Deponie in Schönebeck-Frohse besuchte, überraschte der Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebes Salzlandkreis mit innovativen Fakten. Während vielerorts Deponien lediglich geschlossen wurden, wird in Schönebeck noch Geld verdient. "Dafür müssen aber die technischen Voraussetzungen stimmen", so Helmut Ulbrich, Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebs Salzlandkreis, gestern im Gespräch mit der Volksstimme.

Für die Deponie in Staßfurt erwarten die Abfallexperten den offiziellen Bescheid zur endgültigen Schließung. In Latdorf (Altkreis Bernburg) wird bereits mit der Rekultivierung des Deponieberges begonnen. "In beiden Fällen lohnt sich aber eine Verwertung der austretenden Gase nicht", erklärt Reinhold Kockx vom Standort Schönebeck des Abfallwirtschaftsbetriebes.

Als die Deponie in Schönebeck-Frohse Mitte des Jahres 2005 geschlossen wurde und Experten bestätigten, dass die austretenden Deponiegase eine erhebliche Menge darstellen, entschlossen sich die Schönebecker zu einem gewagten Schritt: Das Gas sollte in Strom umgewandelt werden. In den Deponiekörper wurden daraufhin 36 Gasbrunnen gebohrt und drei Sammelstationen eingerichtet. Das Gas wird angesaugt und verdichtet. "Das Gut-Gas wird anschließend in einem Verfahren verstromt, das Schlecht-Gas fackeln wir ab", so Reinhold Kockx.

Damit sich im Deponiekörper weiter Gas entwickeln und der Vergärungspozess weiter am Laufen gehalten werden kann, wird die Wasserzufuhr und damit das Einbringen von Sauerstoff zugelassen. Lediglich die Seiten des Deponiekörpers müssen dicht sein.

Dass mit dem Gas Geld verdient werden kann, ließ die Christdemokraten bei ihrem Arbeitsbesuch aufhorchen. Nach Auskunft des Abfallwirtschaftsbetriebes wird der Strom verkauft und in das öffentliche Netz eingespeist. Rund 1000 bis 1500 Haushalte können jährlich durch das "Minikraftwerk" auf der Deponie versorgt werden. Ein Unternehmen hat die Anlagen zur Verfügung gestellt und ist am Gewinn beteiligt. "Das rechnet sich trotzdem", so Chef Helmut Ulbrich.

Die Rekultvierung der Schönebecker Deponie soll in diesem Jahr abgeschlossen sein. Dann können die Nachsorgearbeiten beginnen.

 

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