Theater von jungen Leuten für junge (und junggebliebene) Leute erwartet die Gäste der Kulturtage in Hohenerxleben. Mit der Premiere des selbst verfassten Stücks "Das Lachen der Clownin" wagen sich drei Frauen auf die Bretter, die die Welt bedeuten.

Hohenerxleben l Wünsche sollten gut überlegt sein, sie könnten wahr werden. Schneller als gedacht hat dieses Prinzip bei der Clownin funktioniert. Tieftraurig, weil sie die Menschen nicht mehr zum Lachen bringen kann, wünscht sie sich den Tod. Und dann war er da. "War doch nicht so gemeint", entgegnet sie ihm auf sein Rufen. Doch Gevatter Tod kennt keinen Spaß. Oder vielleicht doch?

Probenarbeit auf Schloss Hohenerxleben. "Das Lachen der Clownin" heißt ein Theaterstück, das am Freitag, 6. Juni, Premiere haben wird. Das Ensemble Theatrum des Schlosses ist für seine außergewöhnlichen mimischen Darstellungen bekannt und immer wieder bundesweit auf Tour. Doch die drei jungen Frauen, die sich in diesen Tagen für ihren Auftritt auf den Bühnenbrettern vorbereiten, werden zweifelsohne etwas Besonderes bieten. Das Besondere liegt schon einmal in der Jugendlichkeit der Hauptdarstellerin. Gerade einmal 17 Jahre jung ist Katharina Kruse. Mitspielerin Hannah Vongries bringt es auf 19 Lenze. Christiane Friebe, die Regie führt, Cello spielt und in die Rolle der Muse schlüpft, zählt mit ihren 27 Jahren zum Kreis der schon erfahrenen Theatermacher. Sie gehört zum angestammten Kreis des Ensembles Theatrum Hohenerxleben, wenngleich auch Katharina und Hannah bereits mehrfach auf der Bühne standen und zwar zu Zeiten, als es das hauseigene Theater Piccolo noch gab. "Piccolo ist groß geworden", sagt Christiane Friebe. So groß, dass sich zwei aus der Truppe nun selbstständig aufmachen, um Theater zu spielen. Und es soll gut werden. Richtig gut. "So gut, dass wir auch auf Gastspielreise gehen können", hofft Christiane Friebe. Und darum wird in diesen Tagen geprobt, wann immer Schule, Ausbildung und Studium Zeit dafür lassen.

Die Stückidee stammt von Hannah Vongries. Sie war vor knapp zwei Jahren angetan von einem Kinderzirkusstück, das sich auch mit dem Thema Tod beschäftigte, so kindgerecht wie möglich. "Christiane hat eine ganz neue Geschichte daraus gemacht", erklärt Hannah. Und sie fügt hinzu: "Vom Thema her finde ich es sehr interessant."

Anliegen des Trios ist es, vor allem auch junge Leute für das Theater zu begeistern.

Großes Anliegen des Trios ist es nicht nur, sich selbst auf den Bühnenbrettern auszuprobieren, auszudrücken, sondern auch Jugendliche und junge Erwachsene für das Theater als solches zu begeistern.

Anfang März bekam Katharina Kruse das Skript in die Hand. "Ich dachte anfangs, dass ich den Tod spiele. Die Clownin ist auf jeden Fall die größere Herausforderung", schätzt sie ein. Warum? "Weil ich in meiner Rolle wiederfinden muss, was mich ausmacht, wer der Mensch ist hinter dem Clown." Es gehe nicht nur darum, schön albern zu sein, sondern sein Leben aus einem anderen Blickwinkel heraus wahrzunehmen. Angesichts dieser Aufgabe vermutet die Regisseurin, dass dieses Stück die drei jungen Frauen privat lebenslänglich prägen kann. "Den Humor finden, ist eine tiefgründige Sache", argumentiert sie. Und ergänzt hinsichtlich des Stücks: "Der Clown hat noch nicht zum Clown in sich gefunden."

Hier kann also psychologisch einiges in bessere Bahnen gelenkt werden, zumal Katharina zugibt: "Ich hatte immer Angst vor Clowns." Und rückblickend zum ersten Durchlesen des Skriptes stellt sie klar: "Es war mir bewusst, dass es eine Herausforderung wird, auch weil ich Emotionen aus mir selbst abrufen muss." Und das geht am besten wie? "Indem ich Erlebnisse aus meinem eigenen Leben wach rufe. Manchmal klappt das ganz gut." Das ist also die schauspielerische Aufgabe der Clownin: Sie ist mal todtraurig, mal begeistert, mal desorientiert. Ein Hin und Her der Stimmungsschwankungen. "Das geht einem an die Nieren", gesteht die 17-Jährige. Auf die Frage, worüber sie gerne lacht, reagiert sie erstaunt. "Ich? Oh... Wenn wir uns gegenseitig ärgern - eigentlich lache ich gern und viel."

Hannah Vongries stand vor mehreren Jahren in der Piccolo-Truppe auf der Bühne, etwa als der Puck in Shakespeares "Sommernachtstraum". Drei Jahre hat sie inzwischen kein Theater mehr gespielt. "Das hat mir gefehlt", betont die Studentin der Biotechnologie. "Ich war immer traurig, wenn ich im Theater war. Es ist schön, jetzt weder selbst spielen zu können", sagt sie. Doch das Hineinfinden in die Rolle als Tod ist auch für sie eine Herausforderung. Der Tod sei hart und kompromisslos. Aber so eine Geisteshaltung biete ja auch Vorteile: "Es ist manchmal angebracht, nein zu sagen - das kann ich nicht so gut."

Der Pianist Ronny Kaufhold ist der Vierte im Bunde

Auf die Theatergäste wartet also ein intensiver Dialog, geführt von der Clownin und dem Tod. Christiane Friebe nimmt als Muse, die Mut machen möchte zum Leben, nur eine Nebenrolle ein. Gemeinsam mit dem Pianisten Ronny Kaufhold (30) untermalt die 27-Jährige das Stück auf ihrem Cello musikalisch, etwa mit der "Humoreske" von Antonin Dvorak. "Das muss ich total üben", gesteht sie.

Und was ist nun der besondere Reiz, warum Theater? "Das Schöne daran", fragt Hannah zurück und weiß die Antwort: "Das ist sehr intensiv. In jemanden hineinschlüpfen... Leute begeistern - ein Hochgefühl." Katharina meint: "Sich ausprobieren... Im echten Leben würde man sich vieles doch gar nicht trauen. Theater ist wie Achterbahnfahren."

Für das Bühnenbild will Schlossmalerin Nikoline Kruse sorgen. Auch sie sieht das Besondere in der Sache in der Jugendlichkeit des Trios. "Es ist toll mit so einem jungen Ensemble. Da kommen ganz neue Ideen. Ich finde es mutig - ein schwieriges Thema. Es geht um Verantwortung, Verantwortung für sein Leben", stellt die Künstlerin die Essenz im "Lachen der Clownin" heraus.

Froh ist Christiane Friebe über die räumliche Nähe der Profis vom Ensemble Theatrum. "Es ist gut zu wissen, dass da jemand ist, der weiß, wie es geht", sagt sie. Darum hat sie die erfahrenen Theaterleute zur Generalprobe eingeladen. Ein paar Tipps können dem Lachen der Clownin nur gut tun.

Die Premiere wird am Freitag, 6. Juni, im Rahmen des Frühlingsfestes zu Pfingsten auf Schloss Hohenerxleben über die Bühne im Weißen Saal gehen, Beginn ist 19.30 Uhr. Ein zweite Aufführung gibt es am Sonnabend, 19. Juli, ab 19 Uhr.

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