Eckhard Henschel aus Tornitz besitzt eine Bockwindmühle, die bald nach dem Kauf zusammenbrach. Jetzt will er einen Neubau errichten lassen. Doch zuvor wurde der Mühlenhügel nach vorgeschichtlichen Spuren untersucht.

Tornitz l "Unsere Vorfahren waren ja ziemlich praktisch veranlagt", deutet Eckhard Henschel mit dem Kopf in Richtung des verwaisten Mühlenhügels. Denn in Zeiten ohne Bagger und maschineller Erdbewegung nutzten die Müller gerne natürliche Erhebungen. Das sparte den Antransport von Kies und Erde. Nicht selten profitierten die Mühlenbauer des 18. und 19. Jahrhunderts vom Menschenwerk aus grauer Vorzeit. Soll heißen: Man baute auf vorgeschichtlichen Grabhügeln. Ein solches Beispiel ist Pömmelte, wo Trittels Mühle am südlichen Ortsrand auf einem solchen Grabhügel errichtet wurde (am Neujahrsmorgen 1981 stürzte sie ein).

"Kann es nicht auch so bei Frankes Mühle gewesen sein?", fragte sich Eckhard Henschel, der daraufhin Kontakt zum Archäologischen Landesamt aufnahm. Als Fachberater stand ihm Grabungstechniker Fred Timm zur Seite.

Grabhügel oder nicht, das war also die Frage. Wenn ja, dann vielleicht sogar mit Grab- beigaben...?

Nachdem Henschel grünes Licht erteilt worden war, kam am Dienstag der Bagger. Der hob behutsam Schicht für Schicht des Mühlenhügels ab. Doch recht schnell war klar: Alles gewachsener Boden und keine "Störungen", wie Archäologen menschliche Eingriffe nennen. "Man sieht sehr deutlich, dass der Hügel auf dem Mutterboden des Ackers aufgeschüttet wurde", deutet Fred Timm auf die unterschiedlich gefärbten Bodenschichten. Nach seinen Schätzungen wurden damals knapp 100 Kubikmeter für den 30 Meter breiten Hügel heran gekarrt.

An Frankes Mühlenzeit erinnert nur jede Menge malerischer "Schrott", der höchstens 150 Jahre alt ist (siehe Fotos).

1858 wurde die Windkraft erbaut. "Als Kinder war das Mühlengelände unser Spielplatz", erinnert sich Henschel. Der damalige Müller und letzte Besitzer Erich Franke sei sehr kinderlieb gewesen und hätte sie gewähren lassen. Was er allerdings nicht mitbekam, war die "Mutprobe". Die heranwachsende Dorfjugend wagte sich dabei auf das Rutenkreuz in rund 15 Metern Höhe. Diese "Reifeprüfung" legte auch Eckhard Henschel ab. "Ich weiß noch, wie es in der Mühle roch und sehe den Blick aus der winzigen Luke vorm geistigen Auge", schwärmt Henschel.

Bis Mitte der 1960er Jahre soll Frankes Mühle noch geschrotet haben. Was mit Wind begann, setzte sich 1935 mit einem Diesel- , fünf Jahre später mit dem Elektromotor fort.

Nun will sie der Tornitzer wieder "auf seine Art" aufbauen lassen: aus einer Kombination von Holz, Metall und Solarzellen. "Die sollen einen Elektromotor antreiben, der die Flügel in Bewegung setzt, wenn kein Wind weht", verrät Henschel. Die Baugenehmigung sei ihm erteilt worden. Probleme mit der Denkmalspflege gebe es nicht, weil nach dem Zusammenbruch des Mühltorsos ja nichts Schützenswertes mehr da sei.

   

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