In Großmühlingen wird ein neuer Schlossherr gesucht. Seit einiger Zeit schon steht das Wahr- zeichen des Ortsteils zum Verkauf. Gefunden hat sich bisher aber niemand.

Großmühlingen l Die Spatzen pfeifen es schon länger von Bördelands Dächern: Das Renaissanceschloss in Großmühlingen steht zum Verkauf. Selbst in den sozialen Netzwerken wurde die Nachricht rasch verbreitet. Als Anbieter tritt eine Immobilienfirma aus Hamburg auf. Seit drei Wochen steht das Angebot nun im Internet und Niels Endrejat ist zuversichtlich, das Objekt an den Mann bringen zu können.

Verkäufer hat Vorstellungen wegen des Kaufpreises

"Jede Immobilie ist verkaufbar", sagte er gegenüber der Volksstimme, räumte aber ein, "es ist immer eine Frage des Preises." Für das Schloss steht "Preis auf Anfrage" in der Beschreibung und das durchaus mit Absicht, wie der Immobilienmakler erklärt. "Der Verkäufer hat natürlich eine Vorstellung, aber der Markt muss das auch hergeben." Interessenten habe es übrigens bereits gegeben, verkauft ist das Schloss aber noch nicht.

Das Exposé wartet indes mit beeindruckenden Beschreibungen auf. Wann gibt es schließlich schon einmal ein Gebäude von 1195 zu kaufen? Auch die Grundstücksfläche von drei Hektar lässt aufhorchen. Detailliert wird der Aufbau des Schlosses und jeder der drei Flügel beschrieben. So gilt der Westflügel mit seinen beiden großen Sälen als der repräsentative. Die jahrhundertealte Holztreppe wird den Mühlingern gewiss ebenso in lebendiger Erinnerung sein wie der Rittersaal mit seinem Stuck und die ehema- lige Schlosskapelle. Sogar von alten Verliesen in diesem Flügel wird geschrieben. In sichtbar schlechterem Zu-stand ist der Nordflügel, der ebenfalls über mehrere Säle verfügt.

Der dritte Flügel wurde als Wohnraum genutzt. Vier Wohnungen sind hier eingerichtet und in den 1990er-Jahren modernisiert worden. Das Gewölbe, so die Be- schreibung, bietet sich für urige Veranstaltungen an. Klingt nach einem schmackhaften Angebot, aber das Risiko ist recht groß, und so fand sich bisher niemand.

Die Gemeinde Bördeland kann das Schloss bei der derzeitigen Haushaltslage übrigens nicht übernehmen. So wäre nicht nur der Kauf ein riesiger Kraftakt, der Unterhalt als freiwillige Aufgabe wäre schlicht nicht bezahlbar. Dennoch hofft Bürgermeister Bernd Nimmich mit den Großmühlingern, dass sich ein Käufer für das wundervolle Gebäude findet. Vielleicht eröffnen sich dann Möglichkeiten, Schloss und vor allem den Park wieder öffentlich zugänglich zu machen.

Hoffnung, dass Schloss wieder Mittelpunkt wird

Tatsächlich ist das mehr oder weniger verfallende Schloss eine Wunde in der Großmühlinger Seele. Für Generationen ist es Ausdruck und Symbol ihrer Heimat. Kindergarten- und Schulkinder spielten im Schlosspark Verstecken, so manch Großmühlinger Jugendlicher erlebte in Sichtweite des Schlosses seinen ersten Kuss und im Grunde ist es für jeden irgendwie im Blickpunkt. Entsprechend gespannt schaut man im Ort auf das Geschehen. Die Mühlinger hoffen einerseits auf einen neuen Eigentümer, der andererseits das Schloss wieder zum Mittelpunkt des Dorfes macht und aus dem Dornröschenschlaf weckt.

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