Nur knapp drei Wochen hat der Feuerteufel die Calbenser in Ruhe gelassen. Nach einem erneuten Autobrand in der Nacht zu Christi Himmelfahrt sind wieder Keller von Wohnhäusern in der Lessingstraße 34 und in der Kleinen Mühlenbreite 12 in Flammen aufgegangen.

Calbe l Die Ruhe war trügerisch. So richtig hat Calbes Ortswehrleiter Uwe Wirth - wie viele seiner Kameraden auch - nicht an ein Ende der langen Brandserie in der Saalestadt geglaubt. Und der 60-Jährige sollte Recht behalten. Leider.

Nachdem in der Nacht zu Christi Himmelfahrt an einem dunklen VW Golf mit polnischem Kennzeichen in der Martin-Andersen-Nexö-Straße gezündelt wurde, brannte es am selben Abend nur wenige Meter weiter im ehemaligen Kindergarten in der Lessingstraße. Derzeit bewohnen acht Mietparteien das zweigeschossige Haus.

Luise Dragendorf und Steffen Böttcher sind eine von ihnen. Das junge Paar steht am Morgen danach kopfschüttelnd vor dem Eingang. "Der pechschwarze Rauch ist durch den Leitungsschacht vom Keller direkt in unser Badezimmer gedrungen", sagt die Calbenserin. Sie ist froh, dass 26 Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Calbe so schnell vor Ort gewesen sind. Eine Schar an Neugierigen sammlet sich um den Brandort, als die Blauröcke ihre vier Kaninchen und einen Hund aus der Wohnung holten. Dort bedeckt nun ein schwarzer Film den Boden, Fußspuren sind darauf zu sehen. Wasser- und Stromleitungen im Keller wurden in Mitleidenschaft gezogen. Bewohner stapfen durch knöchelhohes Wasser, um nach ihren Habseligkeiten in den Kellerräumen zu schauen. Im gesamten Haus hat sich ein scharfer Brandgeruch festgesetzt. "Zum Glück hat ein Nachbar am späten Abend noch den aufsteigenden Rauch aus dem Kellerfenster bemerkt", sagt Luise Dragendorf. "Wer weiß, was sonst passiert wäre." Wie es nun weitergeht, weiß das Paar noch nicht genau. "Wir haben erstmal unsere Versicherung verständigt und die Tiere ausquartiert", sagt Luise Dragendorf.

Doch der oder die unbekannten Feuerteufel ließen den brandgeplagten Kameraden nur wenige Stunden zum Verschnaufen. Schon kurz nach 9 Uhr schrillten erneut die Pieper. 23 Kameraden rückten mit fünf Einsatzwagen zum Wohnblock in der Kleinen Mühlenbreite 12 aus. Auch dort mussten sie unter Atemschutz in die verrauchten Kellerräume. "Wir haben schnell den Rauchabzug auf dem Dach geöffnet und Lüfter aufgestellt", sagt Uwe Wirth. Damit sei ein Großteil des Rauchs regelrecht nach oben weggeblasen worden.

Bei diesem Brand war es eine junge Familie aus dem Erdgeschoss, die den Rauch schnell bemerkte und Alarm schlug. "Der Gestank wird sicher noch ewig bleiben", sagt Bewohnerin Angelique Fiedler. "Nicht auszudenken, wenn die Flammen auf die Wohnungen darüber oder die Nachbareingänge übergegriffen hätten", so die junge Mutter, deren Keller samt Elektroauto ihres Sohnes und weiteren persönlichen Dingen von Rauch und Löschwasser zerstört wurde.

Zwar ist an Bernd Pohl, Vorstand der Wohnungsgenossenschaft "Einheit Calbe" (WEC), an diesem Vormittag im Urlaub. Doch als er von seinen Kollegen vom Brand im Fünfgeschosser in der Kleinen Mühlenbreite 12 erfährt, macht er sich persönlich ein Bild von der Lage. Der Keller steht knöcheltief unter Wasser. Bernd Pohl kann zu diesem Zeitpunkt die Schadenshöhe noch nicht abschätzen. "In diesem Block brennt der Keller bereits zum dritten Mal", sagt Pohl. Wie in weiteren WEC-Wohnungen gehören Rauchmelder auch in der Kleinen Mühlenbreite 12 bereits zum Standard.

Bürgermeister Dieter Tischmeyer ist empört über die Dreistigkeit des oder der Täter. "Immer wieder werden Menschenleben leichtfertig aufs Spiel gesetzt. Die Menschen haben Angst. Angst davor, dass sie das nächste Opfer sein könnten." Das Stadtoberhaupt appelliert weiter an die Calbenser, auf jede Veränderung zu achten, jede Auffälligkeit in Ihrem Umfeld wachsam zu registrieren und sich an die Polizei zu wenden. Die Hoffnung Tischmeyers teilen wohl viele Calbenser: "Vielleicht gelingt es uns gemeinsam, den Brandstiftern das Handwerk zu legen."

Uwe Wirth kann in seiner langjährigen Tätigkeit als Wehrleiter auf eine ähnlich ausufernde Brandserie Mitte der 1990er Jahre zurückblicken. Damals wurden allerdings gehäuft Felder oder Wiesen angezündet. "Dass nun bei den gelegten Bränden Menschen in akute Lebensgefahr gebracht werden, hat eine neue und traurige Dimension."

   

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