Eine außergewöhnliche Komposition wird am Pfingstsonntag in Hohenerxleben zu Gehör gebracht. Gemeinsam mit der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie führt der Komponist und Musiker Vahid Shahidifar erstmals sein Concerto für Santur und Orchester auf.

Hohenerxleben l Nichts Neues unter der Sonne? Alles schon einmal dagewesen? Zu Pfingstsonntag wird in Hohenerxleben der Beweis des Gegenteils angetreten. Mit der Uraufführung einer Komposition für Santur und Orchester wartet die Mitteldeutsche Kammerphilharmonie auf. Schöpfer dieses Werkes ist der in Hohenerxleben beheimatete Schauspieler, Musiker und Komponist Vahid Shahidifar. Der Name lässt es vermuten: Der Vater von zwei Kindern stammt ursprünglich aus dem Iran, lebt seit vielen Jahren in Deutschland. Wie es dazu kam, dass er ein immerhin halbstündiges Orchesterwerk zu Papier brachte, erzählt er gegenüber der Volksstimme.

"Angefangen hat es damit, dass bei uns vor drei Jahren der Romanikpreis vergeben worden ist. Zur musikalischen Umrahmung spielten wir mein Erstlingswerk, das Opus 1 für Santur und Streichquartett. Das kam wunderbar an, es gab sogar Jubelrufe aus dem Publikum. ImAnschluss kam der Landtagsabgeordnete und Vorsitzende des Kulturausschusses von Sachsen-Anhalt, Gunnar Schellenberger, zu mir und fragte, ob es diese Musik auf CD gibt."

Gab es aber nicht. Für Schellenberger ein Mangel. Er setzte sich mit der Kunststiftung Sachsen-Anhalt in Verbindung. Von dort erhielt Shahidifar das Angebot eines Stipendiums. Für das Projekt CD-Aufnahme hätte es womöglich gereicht. Doch der Hohenerxleber ließ sich stattdessen von der Stiftung dazu anregen, ein noch größeres Werk, ein richtiges Orchesterwerk zu schreiben. Er ging das Wagnis an. Sein Concerto entstand in den Sommermonaten Juli/August/September 2013. Shahidifar zog sich in den Nächten in die Sauna des Hohenerxleber Schlosses zurück. Die war zu diesem Zeiten natürlich ausgestellt.

Seine Muse war Schlossherrin Ingrid von Krosigk, die dem 50-Jährigen schon vor vielen Jahren auf den Kopf zugesagt hatte, dass er über Talent zum Musikschreiben verfügt. Ihr spielte Shahidifar seine nach und nach entstehenden Passagen vor und widmete schließlich das Werk seiner Fürsprecherin.

Nun liegt es fertig vor, in drei Sätzen, verfasst in Es-Dur. Da die Santur, ein seit mehr als 1000 Jahren bekanntes Instrument aus Persien, über eine andere Tonfolge verfügt als hiesige Instrumente wie etwa das Klavier, musste es in die Klangwelt eines europäischen Orchesters hineingestimmt, also kompositorisch angepasst werden.

Elemente morgenländischer Musiktradition hat Vahid Shahidifar mit typisch abendländischen Tonfolgen verknüpft. So ist etwas tatsächlich Neues entstanden. Interessant klingt, wie der Komponist das Werden des Werkes umschreibt: "Meine deutsche Stimme ist in den Jahren viel stärker geworden. Ich musste die persische Stimme erstmal aufgeben, um Neues zulassen zu können. Ein schmerzhafter Prozess. Diese Komposition ist nun die Frucht dieser Auseinandersetzung." Auch das Schloss, auch Hohenerxleben habe sich in sein Concerto hineininfiltriert. "Natürlich, man nimmt auf, was in der Luft liegt."

Das wahrscheinlich weltweit erste Concerto für Santur und Orchester erklingt am Pfingstsonntag in der Festscheune des Bodeortes anlässlich der Hohenerxlebener Kulturtage. Das Werk ist Teil einer Musikaufführung in der Reihe "Klänge im Raum", zu der auch zwei spanische Tänze von Joaquin Rodrigo und das Georg-Gershwin-Stück "Ein Amerikaner in Paris" gehören. Weitere Infos und Anmeldung unter Telefon (03925)989020 oder 66.