Stefanie und André Strobel hatten einen erfreulichen Grund, den Barbyer "Eichelwald" durch einen Baum zu bereichern. Sie haben geheiratet.

Barby l "Vielleicht macht es ja Schule", stellt Stefanie Strobel den Spaten beiseite, der eben noch einem Baum in den Boden half. Vor wenigen Tagen hieß die Praxismanagerin noch Hager. Mitte vergangener Woche hatte die 29-Jährige ihren gleichaltrigen Schulfreund André Strobel geheiratet.

Oder er sie. Egal.

Die beiden, die ihre Wurzeln in Barby haben, wickelten nicht nur diverse Geschenkpäckchen aus - sie machten ihrer alten Heimat auch ein Hochzeitsgeschenk. Im "Eichelwald", zwischen Elbe und Schloss, pflanzten sie Freitagabend einen Baum. Es ist eine etwa zehnjährige Eiche, stattlich, vier Meter groß. "Wenn man sich so umguckt: Hier sind so einige Bäume verschwunden", begründet André Strobel die Aktion. Einige der rund 300 Jahren alten Eichen sind abgestorben, Nachpflanzungen standen in den vergangenen Jahrzehnten unter keinem guten Stern. Woran nicht zuletzt der Biber schuld war, der sich in der Kleinen Elbe wohl fühlt. Deswegen bekam die Strobel-Eiche eine Drahtmanschette. Mindestens zwei Jahre muss sie nun gut gewässert werden, bis ihre Wurzeln selbst die Kraft haben.

Stefanie und André haben zu diesem besonderen Wäldchen eine ähnlich innige Beziehung wie viele Barbyer. "Hier sind wir als Kinder mit unseren Fahrrädern über die Crossbahn gefahren", erinnert sich André, der Fernsehjournalist. Damit ist jener Altarm gemeint, der bei Trockenheit die Nachwuchs-Biker anlockt. Stefanie hat noch vor Augen, wie der Sportunterricht der nahen Grundschule in den "Eichelwald" verlegt wurde.

Wenn Strobels Beispiel Schule macht, könnte der "Eichelwald" verjüngt werden. In den vergangenen Jahrzehnten taten sich immer größere Lücken auf. Nachpflanzungen gab es, doch die Pflege war liederlich.

Die knorrigen Bäume bieten bis zu 300 Insekten-, Vogel- und Säugetierarten Lebensraum. Kein anderer Baum vereinigt so viele Lebewesen. Die importierte Platane, die durch ihre stachligen Früchte und den nackten Stamm auffällt, beherbergt beispielsweise nicht eine einzige Art.

Eichen gelten als "Könige des Waldes", in deren Nähe sich die Elfen gerne niederlassen. Wenn jemand Antwort auf eine Frage sucht, soll er die Eiche umarmen. In einem Traum wird man sie erhalten.

Wenn Stefanie und André dereinst silberne Hochzeit feiern, dürfte ihr Baum mit 35 Jahren so einige Antworten parat haben. Wenn nicht der Biber in die Quere kommt ...