Wolfgang Schulle ist vom Amt des Vorsitzenden des Stadtverbandes der Liberalen Schönebeck zurückgetreten. Gegenüber der Volksstimme begründete er dies mit persönlichen Gründen. Stellvertreter Wolfram Schall wird den Verband nun kommissarisch leiten - bis ein neuer Vorsitzender gewählt ist.

Schönebeck l Die Mitteilung traf die blau-gelbe Mannschaft in der Elbestadt aus heiterem Himmel. In einer E-Mail teilte Schulle, bis dato Vorsitzender des Stadtverbandes der Liberalen in Schönebeck, sowohl dem Kreisvorstand als auch den Vorstandsmitgliedern der FDP Schönebeck seinen sofortigen Rücktritt mit. Das Schreiben, das mit: "Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde" beginnt, stieß bei den "lieben Freunden" dann doch auf einiges Unbehagen.

Wolfgang Schulle begründete seinen sofortigen Rücktritt als stellvertretender Kreisvorsitzender und als Vorsitzender des Stadtverbandes aus persönlichen und beruflichen Gründen. Gegenüber der Volksstimme wurde er gestern konkreter: "Der Rücktritt ist doch ganz unspektakulär und hat nichts mit der internen Arbeit bei der FDP zu tun", sagte Schulle. "Ich möchte mich in Zukunft intensiv um meine Arbeit, den Ferienpark Plötzky kümmern. Dafür benötige ich Zeit und Kraft."

Den Entschluss dazu habe Wolfgang Schulle bereits vor längerer Zeit gefasst und wollte verständlicherweise im Kommunalwahlkampf keine Störungen erzeugen. Nicht ohne Grund, denn die FDP gehört in der Stadt im Vergleich zu anderen liberalen Ebenen nicht zu einer aussterbenden Gattung. Während die Liberalen auf Bundesebene bei 3 Prozent dahindümpeln, im Land bei 4,5 Prozent und im Kreis bei 5,4 Prozent, stellt die FDP mit 8,3 Prozent im Stadtrat die viertstärkste Fraktion. Vielleicht nicht gerade eine Macht, aber auch kein Haufen Leichtmatrosen.

Der Rücktritt von Schulle kommt Kreisvorsitzenden Johann Hauser zur Unzeit. Er versucht seit Jahren, einen Kreisverband zu formieren, der schlagkräftig ist und vor allen ehrlich auftritt. "Dass es im Stadtverband aber seit einiger Zeit nicht so richtig gelaufen ist, habe ich schon mitbekommen", sagte Hauser gestern. Vor einem Jahr trat Stadtvorsitzender Reiner Gehlhaus von dem Posten als Vorsitzender des Stadtverbandes zurück. Der Hotelier wollte sich - wie nun ebenfalls Schulle - um die berufliche Zukunft kümmern.

Wie geht es nun weiter? "Ich habe Wolfram Schall als stellvertretenden Vorsitzenden des Stadtverbandes gebeten, im Rahmen des Vorstandes die weiteren Schritte zur Neubesetzung zu organisieren", schreibt Wolfgang Schulle. Schall wiederum kritisierte Schulle und seine Art, alles hinzuwerfen. "Es ist schon sehr erstaunlich, dass Sie sich hier so aus der Kommunalpolitik verabschieden. Das so darzustellen, ist nicht nur ohne Mut ausgestattet, sondern stellt auch das Vertrauen in die Mitglieder sowie den Vorstand in Frage", moniert Wolfram Schall, einer der beiden Stellvertreter. Der zweite Stellvertreter, Reiner Gehlhaus, war gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Damit es zu keinem Stillstand in der kommunalpolitischen Arbeit bei der FDP kommt, soll eine Vorstandssitzung am 11. Juni einberufen werden. Themen: Austritt von Wolfgang Schulle und Auswertung der Kommunalwahlen. Einer wird daran sicherlich nicht teilnehmen: Wolfgang Schulle. "Meine Mission ist beendet", erklärt er.