Die Originalfiguren des Schönebecker Marktbrunnes sind aufgearbeitet. Jetzt werden anhand der Darstellungen Kopien erstellt, mit denen die sanierte Wasserkunst künftig geziert sein wird.

Pretzien l Der Schmied zeigt seine kräftigen Arme, im Blick des Fischers ist die Weite des Stroms zu erkennen und die Elbe lächelt wieder. Die Figuren des Schönebecker Marktbrunnes haben ihr Antlitz zurück. Was Wind, Wetter und Luftverschmutzung Elbe, Schmied, Bergmann und Schiffer genommen haben, gibt Magnus Kleine-Tebbe den allegorischen Darstellungen zurück. Zum Teil bis zu fünf Zentimeter der Oberschicht waren verwittert. Jetzt sind Gesichter und Haltung der Figuren wieder zu erkennen, sie sind beseelt. "Der Bildhauer hat mit einer speziellen Plastelinmasse die stark beschädigten Figuren ergänzt", erklärt Frithjof Meussling. Der Chef des gleichnamigen Steinmetz- und Restaurationsbetrieb in Pretzien erweckt zusammen mit dem Braunschweiger Künstler den Marktbrunnen zu neuem Leben. "Anhand dieser vervollständigten Originale werden Kopien im Originalmaßstab gefertigt, die dann an den sanierten Brunnen kommen", erklärt Frithjof Meussling. Das Verfahren habe Magnus Kleine-Tebbe selbst entwickelt.

In Schönebeck wird dadurch Zeit und viel Geld gespart. "Normalerweise werden erst die beschädigten Originale kopiert, die Kopien ergänzt und davon dann weitere Abzüge erstellt", sagt Martin Hennig, Vorsitzender des Elbufer Fördervereins, der die Restaurierung finanziell und ideell trägt. Rund 120 000 Euro werden durch die Methode jetzt gespart, alles kostet trotzdem noch 200 000 Euro. Das Geld hat der Verein dank vieler Unterstützer und Initiativen zusammen. Martin Hennig freut sich deshalb, dass die Arbeiten im wahrsten Wortsinn Konturen annehmen. Nach Demontage und Aufarbeitung beginne jetzt eine große Phase des Brunnenprojektes, sagt der Elbufer-Förderverein-Chef. In einem Steinbruch unweit des hessischen Kirchheims werden derzeit die Quader für die Figuren ausgesucht. "Sie werden aus fränkischem Muschelkalk gefertigt. Es ist Standard bei einer Restaurierung, dass Originalmaterialien verwendet werden. Damit werden wir auch dem Denkmalschutz gerecht", sagt Martin Hennig. Und Frithjof Meussling ergänzt, dass die Umweltbedingungen heute besser seien, und man so dem gesamten Wasserspiel auch eine längere Lebensdauer prophezeien könne. Doch der Stein habe aufgrund seines Entstehens als Ablagerungsmaterial auch seine Tücken, sagt der Restaurator. Hohlräume und weiche Schichten fallen als Schlagworte. Deshalb müssen die Steine für die Figuren gut ausgewählt sein.

Das Landesamt für Denkmalschutz in Halle wird die nachgestalteten Figuren noch begutachten. Dann ist der Weg frei für die Kopien. An ihnen arbeiten Kleine-Tebbe, Meussling und sein Team gemeinsam. Dafür ist Fingerfertigkeit und Kreativität von Nöten. Gleichzeitig reinigt der Pretziener Restaurierungsbetrieb die rund 80 Brunnenteile, zum Beispiel Beckenfassung und bekränzte Podeste. Alle Anhaftungen wie Zement, Farbe, Mörtelschichten und Algen müssen entfernt, Schadstellen mit Steinmasse ergänzt werden. Diese Restaurationsarbeiten sind im Wesentlichen abgeschlossen. Das Augenmerk liegt nun auf den Figuren. Von den Originalen wird die Plastelinschicht wieder entfernt. Die Figuren sollen, so der Wille des Denkmalschutzes, später frei zugänglich zu sehen sein. Ziel aller ist, dass der Brunnen Ende des Jahres wieder vor dem Rathaus steht. Frithjof Meussling: "Die Schönebecker werden den Brunnen neu erleben. Keine graue Masse mehr. Endlich kommt die bildhauerische Qualität, die Symbolkraft der Figuren wieder zum Tragen."

   

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