Die Erstklässler der Grundschule Sachsendorf verbanden das Angenehme mit dem Nützlichen: Bei ihrem Wandertag pflanzten sie eine Linde auf dem Breitenhagener Kirchhof. Das geschah im Rahmen der Aktion "Baumaktie", die zum 20. Mal umgesetzt wurde.

Sachsendorf/Breitenhagen l "Es ist schon erstaunlich", reibt sich Erhard Kretzmann das Kinn, "was alles weg, aber auch neu hinzugekommen ist." Damit spielt er auf die Auswirkungen des Deichbruchwassers an, das vor einem Jahr nicht nur Haus und Hof der Breitenhagener, sondern auch der Vegetation zusetzte. Beim Blick in seinen Garten stellt Kretzmann fest, dass sich einige Bäume und Sträucher verabschiedet haben, andere Pflanzen jedoch "importiert" wurden. "Ich hatte noch nie Maiglöckchen. Jetzt habe ich welche", deutet er in eine Ecke seines Grundstücks.

Dieses Phänomen ist ein guter Einstieg für den nachfolgenden Kurzvortrag. Inzwischen sind nämlich die Kinder der Sachsendorfer Grundschule eingetrudelt. Die Sonne scheint, die Knirpse sind aufgeregt, weil es ihr erster Wandertag ist. Sie sind mit dem Bus gekommen, werden von Breitenhagen bis zum Steilen Elbufer nach Tochheim wandern.

"Wir haben im Goldenen Schiffchen zusammen gesessen und uns Gedanken gemacht, wie man unser flaches Land ein bisschen grüner gestalten kann."

Doch zuvor wollen die Erstklässler noch ihre "Baumaktie" einlösen. Die wurde ihnen zwei Wochen zuvor von Mitgliedern des SPD-Ortsverein Elbe-Saale überreicht. In der Schule hatte ihnen Erhard Kretzmann gesagt, dass sie "etwas ganz Besonderes" seien. Denn sie forsten den nicht gerade üppig bewaldeten südlichen Elbe-Saale-Winkel auf. Und das bereits zum 20. Mal. 1993 pflanzten die Sachsendorfer Kinder auf ihrem Schulgelände zum ersten Mal einen Baum. Die, die das taten, haben heute selbst schon Nachwuchs. (Im vergangenen Jahr fiel die Einlösung der Aktie im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser.)

Die "Baumaktie" entwickelt sich also generationsübergreifend. Erhard Kretzmann erinnert daran, wie es damals war: "Wir haben im Goldenen Schiffchen zusammen gesessen und uns Gedanken gemacht, wie man unser flaches Land ein bisschen grüner gestalten kann." So wurde die Idee geboren: Kleine Kinder müssen kleine Bäume pflanzen. (Was uns zeigt, dass beim Bier nicht die schlechtesten Ideen entwickelt werden...) Damals hatte der SPD-Ortsverein acht Mitglieder, heute sind noch drei Breitenhagener dabei.

Die Grundschüler pflanzten seitdem außer auf ihrem Schulhof an verschiedenen Orten Kiefern, Linden oder Hain- und Blutbuchen. Diese Aufgabe wird immer von der jeweiligen ersten Klasse übernommen. Menschenkinder beginnen einen neuen Lebensabschnitt, junge Bäume auch. Die Dividende wird sein, dass der Baum mit zunehmenden Alter immer besser die Luft filtert, Wasser speichert, Schatten wirft und verschiedenen Tierarten Lebensraum bietet. Deshalb die Aktie, die, wenn man sie pflegt, immer nur Gewinn abwirft ...

Nun ist es eine etwa zehnjährige Linde, die auf dem alten Kirchhof gepflanzt wird. Sie dient als Ersatz für die Blutbuche, die vor drei Jahren in den Boden kam, aber einging. Mit dabei sind neben den Lehrerinnen Silvia Wondrak und Martina Kathe auch die SPD-Landtagsabgeordnete Petra Grimm-Benne. Im feinen Zwirn hilft sie mit, den Baum in das vorbereitete Loch zu bugsieren. Das ist, der Anwachshilfe wegen, etwas mit Wasser gefüllt. Als der schwere Baumballen der Gravitation gehorchend in die Matschgrube klatscht, bekommt auch die Landespolitikerin ein paar Spritzer ab.

Die Erstklässler haben an jenem sonnigen Vormittag zwei Dinge gelernt: Bäume pflanzen ist cool; auch Politiker sind nicht davor gefeit, sich bei ehrlicher Handarbeit zu bekleckern.