36 Jahre mussten die Einwohner von Frohse warten. Jetzt können sie ihre St.-Laurentii-Kirche wieder nutzen. Das Chorschiff des Gotteshauses wurde in einem aufwändigen Prozess 13 Jahre lang renoviert. Mit der gestrigen feierlichen Wiedereinweihung hat Gott jetzt seinen festen Wohnsitz in Frohse wieder.

Frohse l Die Idylle an der St.-Laurentii-Kirche ist perfekt. Der Storch, der sein Nest auf dem eigens für ihn errichteten Kirchturm hat, begrüßt die Gäste der Gemeinde mit lauten Geklapper. Vielleicht wundert er sich über das weiße Zelt, das auf dem Kirchvorplatz steht. Und über die vielen Menschen.

Im Chorschiff der Kirche herrscht Gedränge. Hier ist Platz für rund 100 Gläubige. Zum Gottesdienst der Wiedereinweihung der Kirche wollen aber rund 250 Menschen. "Damit haben wir im Vorfeld schon gerechnet", sagt Pfarrer im Ruhestand Johannes Schulz. Deshalb das weiße Zelt. Dorthin wird der Gottesdienst auf Bildschirmen übertragen.

Auf dem ersten Blick fallen die bunten Kirchenfenster im neu gestalteten Altarraum auf. Sie wurden von dem verstorbenen Künstler Christof Grüger bereits 1956 gestaltet. Der Altar ohne jeden Schmuck fällt erst beim zweiten Hinschauen auf. Lediglich ein weißes Tuch liegt dort. Das soll sich ändern, denn die St.-Laurentii-Kirche, die 1978 entwidmet wurde, wird nun wieder ihrer ursprünglichen Bestimmung zugeführt.

Zumindest ein Teil von ihr, denn die kleine Gemeinde in Frohse hat nur 75 Mitglieder. Insgesamt 13 Jahre hat es von der Idee bis zu diesem Pfingst-Gottesdienst gedauert. "Das ist der Höhepunkt, auf den ich seit Jahren hingearbeitet habe", sagt Johannes Schulz sichtlich bewegt.

Durch die Messe führt Johannes Beyer mit einer Prise Humor, auch angesichts des warmen Wetters. "Die Heizung hätten wir uns sparen können, wenn immer so viele Menschen wie heute kämen", sagt er schmunzelnd zu den Gästen. Die Symbiose aus Gotteshaus und Baustofflager sieht er ganz pragmatisch. "Es gibt da ein Sprichwort aus dem Lateinischen, das heißt `Ora et Labora` also ,Bete und Arbeite`, das passt hier ja ganz gut", sagt er zur Begrüßung.

Dann ist der große Moment gekommen. Der Altar wird neu geschmückt. Ein Kreuz, Kerzen, Blumen, Kelch und Schale für Brot und Wein sowie eine Taufschale samt Krug zieren den schlichten Steintisch. Die Kirche ist wieder geweiht. Die ersten Gratulanten sind die Kinder der Kindertagesstätte St. Laurentii in Frohse. Sie singen zwei Lieder.

In der anschließenden Predigt geht Superintendent Matthias Porzelle auf die Geschichte des Gotteshauses ein. So sagt er, dass Menschen in der Kirche auch weiter Gottes Geist und seine großen Taten erfahren können. "Und wie unkonventionell das aussehen kann, erlebt dieser Ort seit 1983, als hier erst der Bauhof der kirchlichen Bauabteilung eingerichtet und der dann durch die Firma Franke weitergeführt wurde", so Porzelle.

Nach dem Gottesdienst feiern die Gäste gemeinsam ihr neues, altes Gotteshaus. "Die Frohsianer identifizieren sich ja auch mit diesem Gebäude", erklärt Matthias Porzelle. Er wünscht St. Laurentii, dass nicht nur die Kirche, sondern auch die Gemeinde weiter wächst und junge Menschen sich am Gemeindeleben beteiligen. Das fröhliche Fest mit Essen und Trinken für alle Gäste ist da ein guter Anfang.

Eine muss nicht mehr überzeugt werden. Irmchen Henneberg ist ein besonders treues Gemeindemitglied. Die 93-Jährige erinnert sich bestens an das Gotteshaus vor seiner Entwidmung. "Ich wurde dort getauft, konfirmiert und habe dort geheiratet. Damals war ich sehr enttäuscht", erzählt sie. Umso größer ist ihre Freude über den neuen Altarraum. "Das ist alles so schön geworden. Ich finde, das haben sich die Frohsianer verdient", sagt sie lächelnd.

Passend dazu dichtet Harald Schröder, Vorsitzender des Gemeindekirchenrates: "Frohse kennt man viel zu wenig, doch im Wappen sitzt ein König!"

   

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