Sachsendorf (tli) l Die Vorbereitungen des Sachsendorfer Mühlentages standen unter einem traurigen Ereignis: Mitte Mai verstarb der langjährige Mühlenvereinsvorsitzende Gustav Radespiel.

Deswegen zeigte die Windkraft bis Pfingsten eine "Trauerschere". So bezeichnet man jene Kommunikationsform, die dem Windmüller möglich war. Durch die Ruhestellung der Mühlenflügel konnte er verschiedene Aussagen machen. In der Regel bezogen sie sich auf den Betriebszustand der Mühle, auf Familienereignisse und sogar auf Aussagen über die Obrigkeit.

Flügelsignale waren immer eine regional codierte Form der Nachrichtenübermittlung. In den unterschiedlichen Ländern und Regionen wichen die einzelnen Signalvereinbarungen und Flügelzeichen stark voneinander ab.

Wie Fahne auf Halbmast

Wie heute noch Fahnen bei traurigen Anlässen auf Halbmast gezogen werden, so hatte die Windmühle bei einem Trauerfall eine eigene Flügelstellung, die Trauerschere. Dabei wurden die Windmühlenflügel wenig seitlich vom vertikalen Stand befestigt.

Die Flügel wiesen auf 2, 5, 8 und 11 Uhr. So war es auch in Sachsendorf. Mühlenvereins-Vize Reinhard Höfflin kennt sich mit dieser windmüllerischer Kommunikationsform aus. Das Pendant zur Trauer ist die Freuden-schere. Hierbei stehen die Flügel nur wenig versetzt auf 1, 4, 7 und 10 Uhr. Gab es einen besonders festlichen Anlass, wurden sie in die Freudenschere gestellt, etwa bei Bekanntgabe einer Hochzeit, Geburt oder anderer großer Feste.

Beim Mühlentag hatte sich der Verein etwas Besonderes einfallen lassen, als er Utensilien und Werkzeuge der Hausschlachtung ausstellte. Für jüngere Leute war das etwas vollkommen Neues. Molle, Holzlöffel und Fleischwolf ließen bei den Älteren Erinnerungen wach werden.

 

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