Schönebeck l Es ist schon einige Jahre her, dass die Mitteldeutsche Kammerphilharmonie sich mit dem Abschlusskonzert der Klänge-im-Raum-Festspiele an ein Open Air wagte. Am Sonnabend gelang wieder ein origineller wie zauberhafter Abschluss des beliebten Musikfestivals unter freiem Himmel. Chefdirigent Gerard Oskamp und sein Ensemble zog es dazu vorfristig auf die idyllische Freilichtbühne am Bierer Berg, gefolgt von Schülerinnen der Magdeburger Ballettschule Alexander Semenchukov.

Graue Regenwolken am Himmel sorgten für die richtige Stimmung zur Ballettmusik "Les Sylphides" von Frederik Chopin. Semenchukovs Ballerinen tanzten nach der Choreografie von Nadegda Semenchukova angelehnt an Michail Fokines Originalchoreografie. Dem Stück liegt kein Libretto zugrunde, es gilt als letztes Ballett blanc. Auch die jungen Tänzerinnen schienen sich ganz dem Tanz verschworen zu haben. Sie bewegten sich anmutig, graziös, ja geradezu filigran und ließen das Publikum in einen Traum von Tanzästhetik in Weiß eintauchen.

Die jungen Mädchen bewiesen in berührender und gleichzeitig beeindruckender Weise ihr technisches und künstlerisches Talent. Ihre Ausdruckskraft glänzte mit einem hohen Maß an Präsenz. Lobenswert auch die kunstfertigen höchst anspruchsvollen Solo-Szenen, allen voran Leander Rebholz, Jana Jünemann und Wiebke-Kristin Lawrenz.

Das Orchesterspiel war gut auf die Tanzszenen abgestimmt und unterstrich deren reizvolle Wirkung. Oskamp begleitete einfühlsam, dynamisch und entlockte seinem Ensemble eine opulente Farbenpracht. Nach der Pause erlebte das Publikum eine Uraufführung, denn die Choreografie zu Modest Mussorgskys Musik "Bilder einer Ausstellung" hat Alexander Semenchukov eigens für diesen Nachmittag inszeniert. Der aus Nordrhein-Westfalen stammende Musiker, Arrangeur und Komponist Philipp Matthias Kaufmann hat dazu speziell für die Kammerphilharmonie eine neue Orchestrierung erarbeitet. So erhielt die musikalische Bilderfolge eine ungewohnte Gestalt. Jede einzelne Nummer lebte durch ihre eigene Bewegungsform. Dennoch bot man ein Ganzes.

Oskamp mit seinen Kammerphilharmonikern und Semenchukov mit seinem Ballett. Vom "Gnomus" zum "Großen Tor von Kiew" schlugen sie einen großen Bogen. Sehr wirkungsvoll: die kleinen unausgeschlüpften Küken. Umjubelt Maestro Semenchukov selbst, der mit ungeheurer suggestiver Kraft das kleine Amphitheater einnahm. Des Zuschauers Phantasie konnte reichlich blühen, auch durch die vom Orchester angefachten finsteren, lautstarken Passagen.

Viel Beifall gab es für diesen einmaligen Abschluss der "Klänge im Raum" 2014.