BadSalzelmen l Zwei Feiern für ein Geburtstagskind. Ist das dekadent? "Nein", sagt Wolf-Michael Feldbach, Vorsitzender des Kirchbauvereins. Es ist angemessen, davon ist er überzeugt. Deshalb feiern die Kirchgemeindeglieder St. Johannis und die Mitglieder des Kirchbauvereins ein besonderes rundes Jubiläum an zwei Tagen. Und zwar dreht sich alles um die Königin im Salzer Sakralbau: Die Rühlmann-Orgel ist vor genau 100 Jahren gebaut worden. Den Anfang der zwei Festveranstaltungen machte das Konzert am Sonnabend. Kirchenmusiker Carsten Miseler (Orgel) trat zusammen mit dem Auswahlchor des Posaunenwerkes der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland auf.

"Rund 120 Gäste haben dieses Konzert besucht", sagt Wolf-Michael Feldbach. Er ist zufrieden - mit der Anzahl und den Spenden, die der Verein für die Kirchensanierung nutzt. Nicht nur zufrieden, sondern hellauf begeistert äußert er sich über das Konzert an sich. Es herrschte eine besondere Atmosphäre. Dort, wo sich sonst die ewig Liebenden das Ja-Wort geben, spiegelte sich dieses Mal das Kerzenlicht auf den glänzenden Blasinstrumenten. Die Instrumente wurden mit Feingefühl, Spontanität und höchster Professionalität von den 17 Musikern des Auswahlchores gespielt. In St. Johannis erklangen Canzone e Sonate genauso wie der Choral "Bist du bei mir".

Perfekt ergänzt wurden die zarten wie auch imposanten Töne der Posaunen durch das Orgelspiel von Kirchenmusiker Carsten Miseler. Er brachte das "Geburtstagskind" nicht nur zum Erklingen, sondern bewies, was die 100-Jährige alles kann. Das ist jedoch nicht selbstverständlich. "Denn 1983 befand sich die Rühlmann-Orgel in einem traurigen Zustand", sagt Günther Schlegel, früherer Pfarrer der St.-Johannis-Gemeinde, in seinem Grußwort. Gemeinsam mit dem Kirchbauverein sei die Orgel damals umfangreich saniert worden. Heute befindet sich die Königin in einem sehr guten Zustand.

Diese Aussage kann Carsten Miseler, Kantor der Gemeinde, nur bestätigen. "Unsere Rühlmann-Orgel steht wie ein alter Baum mit vielen Jahresringen klar und deutlich in unserer Kultur- und Orgellandschaft und ist nicht mehr aus dem kirchlichen Leben wegzudenken", betont Miseler die Bedeutung dieses Instrumentes. Dem schließen sich am Sonnabend Gisela Schröder, stellvertretende Oberbürgermeisterin, und Pfarrer Götz Beyer in ihren Grußworten an. Der ehemalige St.-Johannis-Kirchenmusiker Gunther Remtisch konnte nur in schriftlicher Form anwesend sein - begeistert das Publikum aber mit seinen liebevoll und zugleich witzig-charmanten Worten. Er appellierte an eine lange Funktionstüchtigkeit der Orgel.

Geht es nach den Mitgliedern des Kirchbauvereins, soll dieser Wunsch nicht unerfüllt bleiben. "Als wir 2001 das Kirchengewölbe saniert haben, haben wir alle Orgelpfeifen ausgebaut, damit keine zu Schaden kommt", berichtet Wolf-Michael Feldbach im Volksstimme-Gespräch. Mit Fug und Recht kann seiner Meinung nach gesagt werden, dass die "alte Dame" in St. Johannis schon immer den Gemeindegliedern am Herzen lag und auch in Zukunft ihre "Streicheleinheiten" bekommen wird.

Ein weiterer Termin und damit der zweite Akt des Jubiläums steht fest. Am Sonnabend, 28. Juni, wird das Johannisfest begangen: 9 Uhr Flohmarkt, 10.30 Uhr Orgelführung mit Carsten Miseler, 11.15 Uhr Kirchführung mit Günther Schlegel, 15 Uhr Festvortrag mit Landeskirchenmusikdirektorin Beate Besser aus Oldenburg, 16 Uhr Anschnitt der Geburtstagstorte, 19 Uhr Andacht auf dem Gertraudenfriedhof, 19.30 Musik mit dem Bläserchor des Kirchenkreises, anschließend Johannisfeuer.