Der Monat Mai begann zwar kühl und nass, dennoch war die Natur in diesem Jahr weiter als in den Jahren zuvor.

Schönebeck/Staßfurt l Der Maifeiertag begann kühl und nass. In der Nacht zum 2. Mai fielen in unserer Region deutlich erhöhte Niederschläge. Allerdings muss man zu dieser Bemerkung sagen, dass noch vor 30 Jahren der Maianfang viel kälter war. Damals war es bei den Maidemonstrationen oftmals noch grimmig kalt, und es waren kaum Blätter an den Bäumen. In diesem Jahr konnte man bereits Blüten an den Kastanienbäumen ausmachen.

Doch temperaturmäßig deuteten sich bereits die Eisheiligen an, die gleich zweimal vom 2. bis 6. und vom 12. bis 16. Mai zu uns kamen. Wer bereits seine Tomaten, Zucchini und Kürbisse gepflanzt hatte, musste bangen, denn leichte Fröste waren mancherorts messbar. Am 18. Mai regnete es durchgehend. Dann aber wurde es vom 20. bis 26. Mai mit sommerlichen Temperaturen recht warm. Bei diesen Temperaturen waren auch die Erdbeeren früher reif als sonst.

Wieder erreichte uns am 22. Mai gelber Wüstenstaub, der dann gründlich durch den Dauerregen vom 27. bis 29. Mai, mancherorts wurden über 50 Millimeter gemessen, fortgespült wurde. Durch die hohen Niederschläge wurde die Trockenheit der ersten Monate des Jahres wieder ausgeglichen. Danach trat ungewöhnlich stark die Pappelblüte mit weißen Flocken auf. Früher, als die Lackierungstechnik noch nicht so gut ausgestattet war, mussten diese Betriebe Ende Mai bis Juni in Urlaub gehen.

Die Niederschlagswerte sind für den Mai überall deutlich erhöht. Sie liegen zwischen 180 bis 240 Prozent über dem Normalwert. Karl Seidel aus Förderstedt bemerkte, das oftmals das Monatsende sehr hohe Niederschläge brachte. Das war im Jahre 2010, 2013 und in diesem Jahr so. Die niedrigsten Niederschläge wurden 1988 von Paul Grebarsche in Höhe von 7 Millimetern in Eickendorf gemessen, und 9 Millimeter im Jahre 1947 von Klaus Adler in den Aufzeichnungen des Ortes Hakeborn gefunden. Die Durchschnittstemperaturen deuten auf einen leicht kühlen Mai hin. So hatte Mark Schröder für den Mai 13,3 Grad Celsius gemessen, was eine Erhöhung von 0,3 Grad Kelvin entspricht. In Calbe hatte ich 13,04 Grad Celsius gemessen, was nur eine sehr leichte Erhöhung zum Normalwert von 13,0 Grad Celsius entspricht. Ähnlich liegen die Niederschlagswerte auf dem Brocken, die mit 171 Millimetern gar nicht viel höher sind. Trotz der hohen Mainiederschläge stiegen die Pegel unserer Flüsse nicht sehr über ihre Normalpegel an. Eine Flut wie im vorigen Jahr war somit nicht in Sicht.

Elmsfeuer über Calbe

Es war die Zeit, als man die Stadt Calbe an öffentlichen Stellen mit vielen Transparenten und parteilichen Losungen wie "Vorwärts zum Sieg des Sozialismus", "Von der Sowjetunion lernen, heißt siegen lernen" und "Nieder mit den Bonner Ultras!" zugepflastert hatte. Wir wohnten damals an der Bushaltestelle in der Leninstraße gegenüber der Post, heute wieder Schloßstraße, mit direktem Blick zur Stadtkirche. Es war schon fast Winter, jedenfalls Spätherbst. An der Bushaltestelle sammelten sich die Nachtschichtler, die zum Eisenwerk wollten. Damals glühte der Himmel oftmals rot vom Roheisenabstich. An diesem Abend nicht. Es zog ein Gewitter auf, was für die Jahreszeit ungewöhnlich war. Es lag etwas in der Luft. Plötzlich fing es heftig an zu schneien, die ganze Straße war in ein Nebelmeer gehüllt, und alles wurde weiß, auch die Kirchtürme der Stadtkirche. Doch dann, was war das?

An den Kugelspitzen der Türme bildeten sich blauviolette, gespenstische Leuchterscheinungen aus. Die Busse fuhren nur zögernd ab. Den Menschen war das Wetter in Mark und Bein gefahren. Heute wissen wir, dass es sich um ein Elmsfeuer, eine kontinuierliche Koronaentladung in der Atmosphäre handelte, die an Schiffsmasten, Gipfelkreuzen und eben an Kirchtürmen auftreten kann. Einen Nebeneffekt gab es dennoch, denn der hiesige Pfarrer wunderte sich damals, dass seine Gottesdienste wieder besser besucht wurden.

 

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