Zens l Sie stammen nicht aus Zens und gehören doch in das Dorf: Der Landwirt Hans Henning Hagemann und seine Frau, die Tierärztin Simone Hagemann, haben sich über viele Jahre etwas aufgebaut und wollen Teil der Gemeinschaft in Bördelands kleinstem Ortsteil sein.

Das Landleben als solches kennen die beiden von klein auf. "Ich bin in einem 300-Seelen-Dorf im Göttinger Raum groß geworden", berichtet er und vergleicht beide Landstriche. "Aber es ist schon anders hier als zu Hause", relativiert sie, ohne zu werten, denn beide Gegenden und auch beide Menschenschläge haben sicherlich Besonderheiten, die sie auszeichnen.

Der 36-jährige staatlich geprüfte Betriebswirt kam vor zwölf Jahren nach Zens und stieg in den 1991 von seinem Vater mitgegründeten Betrieb ein. Seit 2009 ist er allein für ihn verantwortlich. Zirka 2500 Mastschweine sind in den großen Ställen untergebracht, dazu bewirtschaftet der Betrieb 410 Hektar Land. "Den Weg hierher habe ich nie bereut", ist er sich ganz sicher, und so zog es auch seine spätere Frau Simone irgendwann in die Börde.

2011 eröffnete die promovierte Tiermedizinerin schließlich ihre eigene Praxis in Zens. Die Gründe für die Ortswahl sind schnell aufgezählt: "Die Landwirtschaft ist ja ortsgebunden", erklärt sie. Zudem stand das ihrem Schwiegervater gehörende Haus im Ortskern zur Verfügung und bot nach der durch das Leader-Programm geförderten Renovierung optimale Bedingungen. "Natürlich wussten wir nicht, ob es klappt", gesteht sie, kann aus heutiger Sicht aber nicht ohne Stolz feststellen, dass es der richtige Schritt gewesen ist. So kommen die Leute gern in ihre Kleintierpraxis, die unter anderem mit dem Angebot der Chiropraktik ein Alleinstellungsmerkmal in der Region aufweist.

Ihre Verbundenheit zu Tieren begleitet die Tierärztin seit ihrer Jugend. "Mein erstes Pferd bekam ich mit neun. Dadurch hatte ich natürlich regelmäßigen Kontakt mit dem Tierarzt." Später schloss sich ein Schülerpraktikum in der Praxis an, aus dem schließlich mehr wurde. "Seit ich 14 war, hab ich jede Freizeit dort verbracht." Und so wurde das, was für viele Mädchen ein Kindertraum bleibt, gleichermaßen zu ihrem Beruf und ihrer Berufung. Auch wenn sie es in der Praxis eher mit kleineren Tieren zu tun hat, ist ihre Leidenschaft für Pferde geblieben. Wenn es zeitlich passt, reitet sie gern in die freie Bördelandschaft und lässt dort die Seele baumeln.

Hans Henning hingegen findet seine Freizeitaktivität auf der Pirsch. "Ich habe Jagdpachten in Zens und Großmühlingen und betreibe das schon recht passioniert", sagt er und gerät ins Schwärmen. Bis zur Geburt von Töchterchen Anna Anfang des Jahres hatte er gar noch einen weiteren Pirschbereich in der Nähe von Lödderitz. "Dort im Wald zu stehen, unberührte Natur zu erleben und die vielen seltenen Tiere zu sehen, das macht schon Spaß."

Die Naturverbundenheit zeichnet offensichtlich beide aus, das Stadtleben blieb in den zwei Biografien nur eine Episode. Sie studierte in Budapest und Leipzig, promovierte in Gießen, er besuchte in Hildesheim zwei Jahre die Fachschule. Mit Blick auf das Leben dort, stellt er fest: "Das war einfach langweilig. Mir ist die Decke auf den Kopf gefallen." Während er das sagt, geht sein Blick auf den Hof. Nein, so richtig frei hat er eigentlich nie, schätzt aber auch die Vorteile der selbständigen Arbeit. "Man kann sich seine Zeit einteilen." Nur mit dem Urlaub in den Sommerferien sieht es schlecht aus. "Da ist Erntezeit, aber da freue ich mich ja auch drauf", spricht er mit viel Leidenschaft von den Früchten der Arbeit vieler Monate.

Im Zenser Dorfleben sind beide übrigens längst angekommen, sind passive Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr und engagieren sich bei den Heimatfreunden "Zicken-Zens". Simone Hagemann wurde im vergangenen Jahr zudem in den Gemeindekirchenrat gewählt, nachdem Pastor Thomas Lütgert sie angesprochen und von der Kandidatur überzeugt hatte. Vor kurzem wurde in St. Stephan auch ihre kleine Tochter getauft - eine weitere gewichtige Verbindung mit ihrer Wahlheimat Zens.