Schönebeck l Eine fröhliche Stimmung herrscht in einem Nebenraum der Begegnungsstätte der Volkssolidarität Am Stadtfeld. Hier treffen sich die Herren vom Schönebecker Shanty Chor mit gutgelauntem Hallo, um gleich, nebenan im großen Saal, einen Auftritt hinzulegen. "Wir sind gefragt, wir haben sogar unsere Fans und offenbar eine Nische gefunden", sagt Rudi Schedler, einer der Mitbegründer des Chores. Er sowie seine Sangesbrüder können inzwischen auf über zwei Jahre Shanty Chor Schönebeck zurückblicken. Die Bilanz fällt sehr positiv aus. Das Ensemble hatte in den 24 Monaten seit der Gründung insgesamt 62 Auftritte, genau 31 in jedem Jahr.

Der Chor, übrigens angegliedert an den Handwerkermännerchor, ist vor allem bei Mietertreffs der großen Wohnungsvermieter, bei Familienfeiern aber auch beim Kurparkkonzert aufgetreten. In der Regel schunkelt oder klatscht das Publikum schon nach dem zweiten Titel mit. Das Ensemble unter Leitung von Hans-Jürgen Klitta interpretiert gerne deutschsprachige Lieder. Nach dem eigenen Lieblingshit befragt, verweist Schedler auf das Lied "Schwer mit den Schätzen des Orients beladen..."

Aber einmal Hand aufs Herz: Schönebeck ist von der Waterkant per Luftlinie mindestens 300 Kilometer entfernt - und dann ein Chor, der Seemannslieder singt. Ist das nicht doch etwas weit hergeholt? Rudi Schedler zuckt nicht einmal mit dem Mundwinkel, als er aufzählt: "Keineswegs. Es gibt direkte Verbindungen zur Seefahrt auf den Weltmeeren. Da wäre die Elbe, auf der es immer schon Schifffahrt gab und noch gibt. In Schönebeck haben Schiffswerften gearbeitet. Unsere Jakobikirche ist die Kirche der Schiffer. Wir hatten hier lange Zeit in Frohse eine Schifferschule. Und nicht zu vergessen ging das Schönebecker Salz per Schiff in die große weite Welt." Beziehungen zur Schifffahrt gebe es also viele. "Genau sie waren ja auch der Hintergrund unserer Chorgründung", unterstreicht Schedler. Er weist auch darauf hin, dass es bereits im einstigen Sprengstoffwerk Schönebeck ein Ensemble gegeben hat, das Seemannslieder im Repertoire hatte, allerdings unter anderem Liedgut.

Chorprobe ist jeden Donnerstag von 18.30 bis 20.30 Uhr in den Räumen der Kreismusikschule in der Tischlerstraße und neue Sangebrüder sind herzlich willkommen, ebenso talentierte Musiker, die Gitarre, Klavier, Akkordeon oder ein anderes passendes Instrument spielen können. Nichts einzuwenden hat der Chor gegen Sponsoren. Denn bis jetzt haben die Sänger alles - etwa Kleidung und Technik - aus eigener Tasche bezahlt.

Und dann ist Zeit für den Auftritt. Nach dem zweiten Lied wird mitgeschunkelt.