Sieben Dörfer, sieben junge Familien, ein Thema. Die Volksstimme stellt sieben Wochen lang immer am Donnerstag Familien vor, die gern in Bördeland leben, die sich für ihre Orte engagieren. Heute: Anita und Dieter Strandt aus Eggersdorf.

Eggersdorf l Einen wirklichen Glücksgriff taten Anita und Dieter Strandt, als sie sich im Jahr 2005 für ein Haus im Ortsteil Eggersdorf entschieden. Mit großer Herzlichkeit wurden die beiden, die aus der Gegend um Lutherstadt Wittenberg stammen, in ihrer Nachbarschaft aufgenommen, fühlen sich nach wie vor richtig wohl und haben das perfekte Zuhause für sich und ihre beiden Kinder Marinus (6) und Clarissa (4) gefunden. Seit einem Jahr gehört auch Jagdhund Falco dazu. Seine spanischen Wurzeln, man merkt sie bereits beim ersten Kontakt. Ganz genau erkennt er den Volksstimme-Reporter als Fremden und macht sich entsprechend bemerkbar. Es braucht schon etwas Zureden, ehe er sich auf seinen Platz verkrümelt, die Ohren aufmerksam gespitzt.

Mit ihrem Zuzug nach Eggersdorf verbindet sich für Familie Strandt eine dieser Geschichten, wie sie nur auf ein Dorf geschrieben werden. "Der Vorbesitzer hat extra für uns zu einer kleinen Nachbarschaftsfeier eingeladen", erinnert sich der 36-Jährige, "er hat uns vorgestellt, und man konnte sich in lockerer Runde kennen lernen." Wie sich schnell herausstellte, passte es.

"Für mich war es egal, in welche Richtung ich nun pendele."

Die Gegend im Herzen von Sachsen-Anhalt suchten die beiden vor allem wegen der günstigen Lage aus, einigten sich schnell darauf, statt im trubeligen Magdeburg lieber auf dem Land zu wohnen. "Für mich war es egal, in welche Richtung ich nun pendele", erklärt Anita Strandt. Sie hat Gesang mit Pädagogik studiert und arbeitet seit einigen Jahren freiberuflich als Musik- und Gesangslehrerin in Gnadau, Großmühlingen, Schönebeck und Magdeburg.

Schnell gerät die 36-Jährige ins Schwärmen, wenn sie von der Musik erzählt. Man merkt, wie bei ihr Beruf und Leidenschaft in bester Weise verschmelzen. Untrennbar damit ist sicherlich ihr Engagement in der evangelischen Kirchengemeinde verbunden. "Ich hatte von klein auf eine kirchliche Prägung", unterstreicht sie und bezieht das auch auf ihre musikalische Entwicklung. Dass beide rasch auch in Eggersdorf eine kirchliche Heimat fanden, verwundert da nicht und wenn sie sagt, "ich finde Heimatverbundenheit wichtig", schließt das ausdrücklich auch die Kirche mit ein.

Wie das immer so ist, kam ihre musikalische Ausbildung irgendwann zur Sprache und der damalige Pfarrer Matthias Porzelle engagierte sie vom Fleck weg als Organistin. Der recht sangesfreudigen Gemeinde in Eggersdorf tat das gut, und mit der Zeit übernahm sie auch Anfragen aus den Nachbarorten Schönebeck und Welsleben.

Danach gefragt, gibt sich die Eggersdorferin bescheiden: "Ich bringe meine musikalischen Möglichkeiten ein, und das Begleiten von Sängern brauche ich ja ohnehin für den Unterricht", sagt sie mit einem offenen Lächeln. Wer sich jedoch an die von ihr gestalteten Programme in St. Martin erinnert, weiß, dass diese Möglichkeiten Erstaunliches zu Tage fördern und kleine Höhepunkte in das Dorfleben zu setzen vermögen. Unvergessen, auch für sie, war das Programm zur Eröffnung des letztjährigen Dorffestes. "Das war auf jeden Fall eine sehr, sehr schöne Sache", schätzt sie das Konzert ein, in dem sie erstmals Gesang, Klavier und Moderation ganz alleine bestritt. Bei den Eggersdorfern und ihren Gästen kam dieses mit viel Herzblut arrangierte Programm gut an, und auch in diesem Jahr wird Strandt wieder für die Eröffnung des Festwochenendes zuständig sein, dann aber nicht allein, sondern unterstützt von aktuellen Gesangsschülern.

Darüber hinaus gehört Anita Strandt zum Gründerkreis des seit einigen Jahren jeden Montag stattfindenden Andachtskreises in Eggersdorf. "Ich versuche, so oft es geht dabei zu sein", sagt sie und der Satz verrät, dass es beim Familie Strandt mitunter schwierig ist, alles Engagement unter einen Hut zu bekommen. Auf jeden Fall ist den Eltern die kirchliche Gemeinschaft ihrer Kinder wichtig, und so besuchen die beiden den Kindertreff in Biere.

"Ich bin schon ziemlich fußballbegeistert."

Marinus, der im Sommer eingeschult wird, tritt unterdessen in die Fußstapfen seines Vaters. "Ich bin schon ziemlich fußballbegeistert", gesteht Dieter Strandt und freut sich, dass der Sohnemann seinen Spaß am runden Leder gefunden hat. Der Impuls, in die Bambini-Gruppe des Turn- und Sportvereins Blau-Weiß 49 einzutreten, kam übrigens wiederum aus der Nachbarschaft. Wie so oft auf dem Dorf, lief das nach dem Schema "Gefragt - probiert - dabei geblieben". "Der Sportplatz ist ja nicht weit weg, das ist schön", betont der Eggersdorfer die Vorzüge und ergänzt, "mittlerweile hat er sogar schon Kumpel mit in die Mannschaft geholt."

Doch nicht nur Marinus mag es sportlich, auch Falco braucht seine Bewegung. Als sein Name fällt, ist er sofort wieder mitten im Gespräch dabei, macht es sich dann aber doch vor der Terrassentür bequem. Am liebsten hat er es, wenn sein Herrchen die Leine holt und es hinaus in die Feldmark geht. Noch so ein Vorteil, wenn man auf dem Land wohnt, denn die Auslaufmöglichkeiten, wenn auch für den temperamentvollen Anderthalbjährigen nur angeleint, sind riesig. Anita Strandt kann mit Falco übrigens ein weiteres Hobby ausleben: den Hunde-sport. Über die Hundetrainerin, die sie bei der Erziehung des Jagdhundes unterstützt, kam sie zum Hundesportverein Biere. "Es macht mir Spaß mit ihm zu arbeiten", erklärt sie, und wie zur Bestätigung hebt Falco den Kopf.