Zur geplanten Rekonstruktion der Kreisgrabenanlage Pömmelte gehört ein Aussichtsturm. Der Salzlandkreis als Projektträger bat Büros von Architekten und Landschaftsarchitekten um Vorschläge. Ein Preisgericht hat jetzt die ersten drei Entwürfe gekürt.

Schönebeck l Weniger ist manchmal mehr. Ein dezenter, ja geradezu minimalistischer Entwurf hat beim Wettbewerb um den Bau eines Aussichtsturmes für die Kreisgrabenanlage Pömmelte den ersten Preis belegt. Der Entwurf stammt von der Magdeburger Firma Lohrer.Hochrein Landschaftsarchitekten und Stadtplaner GmbH und sieht die Errichtung einer Aussichtsplattform aus Eichenbalken und Glas vor.

Noch einmal zur Erklärung: Unweit des Ortes Pömmelte soll eine vor knapp acht Jahren von Archäologen entdeckte, knapp 5000 Jahre alte Kreisgrabenanlage nachgebildet werden (Volksstimme berichtete mehrfach). Projektträger ist der Salzlandkreis. Die Finanzierung steht, das Land Sachsen-Anhalt reicht EU-Mittel aus den Töpfen Leader und Gemeinschaftsaufgabe (GA) weiter, die Ostdeutsche Sparkassenstiftung beteiligt sich mit einem wie es heißt "maßgeblichen sechsstelligen Betrag", als Sponsor tritt auch die Salzlandsparkasse auf. Insgesamt wird die Rekonstruktion der Anlage, inklusive der Planungsleistungen und eines Parkplatzes, rund zwei Millionen Euro kosten.

Die einst für kultische und astronomische Zwecke genutzte Kreisgrabenanlage soll mit Robinienstämmen nachgebildet werden. Die haben, laut der vom Salzlandkreis eingeholten Expertenmeinung, eine recht lange Lebensdauer zumindest für den Teil, der in der Erde steckt, sie verfaulen also nicht so schnell wie andere Hölzer.

Wie genau die Stämme anzuordnen sind, geben die Forschungsergebnisse der Archäologen vor. Teil des Gesamtentwurfes ist die Postierung eines maximal neun Meter hohen Aussichtsturmes, einschließlich einer Beschilderung. Für eben diesen Turm hatte der Salzlandkreis einen Architektenwettbewerb initiiert und dazu Unternehmen in Sachsen-Anhalt und Berlin angeschrieben. Über sieben Entwürfen saß dann eine von Projektsteuerer Harry Jost (diese Aufgabe hatte er auch zur Arche Nebra übernommen) geleitete Jury zusammen und kürte drei erste Plätze.

Am Donnerstag fand die Vorstellung der Arbeiten in der Schönebecker Salzlandsparkasse in der Geschwister-Scholl-Straße statt. Hier können die Entwürfe übrigens auch von der interessierten Öffentlichkeit in Augenschein genommen werden und zwar vier Wochen lang.

"Ein solcher Wettbewerb gehört nicht zum Tagesgeschäft einer Kreisverwaltung. Manchmal machen wir es, wenn es der Geldgeber so will", stellte Landrat Ulrich Gerstner (SPD) während der Ausstellungseröffnung in Schönebeck klar. Für ihn habe die zentrale und auch skeptische Frage im Mittelpunkt gestanden: Wie kann es gelingen, dass die rekonstruierte Anlage von möglichst vielen Menschen besucht wird? Inzwischen ist sich Gerstner sicher: "Was wir hier schaffen, wird ein touristisches Highlight werden."

Zum Termin angereist war auch der Geschäftsführer der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, Friedrich-Wilhelm von Rauch. Er meinte: "Die Latte liegt hoch. Schließlich soll hier ein Leuchtturm-Projekt entstehen. Mit Ausstrahlkraft." Er fügte vielsagend hinzu: "Andere Regionen und Länder schauen auf Sachsen-Anhalt, wie wir mit unseren archäologischen Schätzen umgehen."

Brücke zwischen Altertum und heutigem Stilempfinden

Gemeinsam mit der Schönebecker Landschaftsarchitektin Bianka Höpfner, die zum Preisgericht gehörte, stellte Harry Jost die sieben Entwürfe vor. Futuristisch wirkende Türme sind darunter, die in der ermüdenden Feldeinsamkeit zwischen Pömmelte und Schönebeck zweifellos schon von Weitem einen Hingucker abgeben würden, gefertigt aus Stahl oder Beton, angelegt als kreisförmiges Element, die Anlage überspannend; oder als Rampe, langsam und barrierefrei ansteigend und sichelförmig um die Anlage herum führend.

Landrat Gerstner war bei der Sichtung der Planungen fasziniert von der Kreativität der Architekten und Landschaftsarchitekten. Doch den ersten Preis belegte die zurückhaltendste aller Projektierungen: ein Turm aus Holz und Glas, angelegt wie ein Würfel. Außen massiv, innen dagegen licht und hell und durch die breiten Fugen schweift der Blick auf die Ladnschaft", heißt es in den Wettbewerbsunterlagen. Für dieses Konzept habe sich Landesarchäologe Professor Harald Meller stark gemacht, hieß es. Meller ließ sich bei der Ausstellungseröffnung durch seinen Mann für die Öffentlichkeitsarbeit, Alfred Reichenberger, vertreten, gab der Runde aber ein Grußwort mit. In dem argumentiert er: "Insgesamt schlägt die Kombination eine überzeugende Brücke zwischen Altertum und modernem Stilempfinden." Und: "Der Turm setzt den gewollten starken landschaftsarchitektonischen Akzent, ohne sich gegenüber der rekonstruierten Kreisgrabenanlage zu sehr in den Vordergrund zu drängen." Meller weist auch darauf hin, dass das von der öffentlichen Hand geförderte Projekt nicht den Kostenrahmen sprengen dürfe, das sei hier gegeben.

Die bereits als "Stonehenge von Sachsen-Anhalt" und "Kathedrale der Frühzeit" bezeichnete Anlage soll als Rekonstruktion Ende 2015 fertiggestellt sein. Ob nun aber wirklich der 1. Preis des Wettbewerbes realisiert wird, ist offen. Entscheiden muss der Kreistag. Salzlandkreis-Wirtschaftsförderer Tilo Wechselberger will den Kreistagsmitgliedern in einer Beschlussvorlage den mit 5000 Euro dotierten Entwurf des Magdeburger Büros als Favoriten ans Herz legen.