Nur wenige Tage nach der Eröffnung hat die Flut 2013 der ersten Saison des "Saalehof" in Gottesgnaden einen gehörigen Strich durch die Rechnung gemacht. Albrecht und Hagen Ecke haben dennoch nicht den Mut verloren und freuen sich mittlerweile über viele Radwanderer und Gäste.

Gottesgnaden l Ein altes Stall- und Wohngebäude, eine kleine Zuckerfabrik, eine verlassene Darre, Reste einer Reitbahn: Der "Saalehof" ist eine unverwechselbare Kompilation aus unterschiedlichen Zeiten und Gebäuden. Doch der Start - die erste Saison begann Ende Mai 2013 - fiel ins Wasser. Optimismus und Erwartungen an einen touristischen Impuls für die Saaleinsel wurden vom Hochwasser weggespült. Denn zu diesem Zeitpunkt war der Pegel der Saale schon extrem hoch. "Was dann kam, hatte wohl niemand erwartet", erinnert sich der gebürtige Calbenser Albrecht Ecke. Die Saale überspülte in bislang nicht gekanntem Ausmaß den Großteil von Gottesgnaden. Auch der "Saalehof" stand mehrere Tage rund anderhalb Meter tief im Wasser.

Als sich der Fluss langsam wieder in sein Bett zurückzog, waren es vor allem die zerstörten Fußböden im Erdgeschoss, die erneuert werden mussten. "Der bauliche Schaden hielt sich sonst in Grenzen", sagt Ecke. "Viel schmerzlicher war für uns das Ausbleiben der Radtouristen", resümiert der 59-Jährige. Zwar hatte es für den vergangenen Sommer schon zahlreiche Anmeldungen gegeben, doch durch die bundesweite Berichterstattung zum Hochwasser und dessen Folgen machten Gäste einen großen Bogen um den Elbe-Saale-Winkel.

Dabei klang der Plan so gut: Einst gehörte das Ensemble zu einer florierenden preußischen Domäne. Deren letzter Pächter, Wilhelm Köhne, wurde 1945 vertrieben, die dazugehörigen Ländereien aufgeteilt. Seitdem nagte an den Gebäuden der Zahn der Zeit. Der Zustand war ein Dorn im Auge von Albrecht Ecke. Der Wahl-Babelsberger arbeitet als Designer mit Büros in Berlin, Potsdam und dem chinesischen Ningbo zusammen. Seine Liebe und Leidenschaft gilt der idyllischen Saaleinsel und seinem ehrgeizigen Projekt des "Saalehofs". Mit Hilfe des Leader-Förderprogramms der Europäischen Union hat er vor vier Jahren damit begonnen, ihn für neue Nutzungen auszubauen. Seitdem gilt es als Vorzeigeprojekt der Lokalen Leader-Aktionsgruppe "Elbe-Saale."

Im Obergeschoss entstanden fünf Zweibett-Zimmer mit Bad oder Gemeinschaftsbad. "Die Betten habe ich selbst entworfen und anfertigen lassen", sagt Ecke, der die Räume individuell mit Möbeln unterschiedlicher Jahrzehnte bestückte. Eine große Terrasse bietet den Besuchern einen atemberaubenden Blick auf die Stadtsilhouette von Calbe. Eine Landkantine sorgt für Essen und Trinken, eine Galerie und zwei Aufenthaltsräume im Erdgeschoss laden zum Verweilen ein. Hauptzielgruppe sind Radwanderer, die entlang des Saaleradwanderweg eine Rast einlegen möchten.

Der Blick auf die neuen Zahlen von Mai und Juni stimmen Albrecht Ecke wieder optimistisch. "Die Saison ist gut angelaufen, wir sind stellenweise ausgebucht", meint auch sein Bruder Hagen, der während der Sommermonate den "Saalehof" betreibt. Zudem seien bereits viele Calbenser auf die andere Saaleseite gekommen, um Geburtstage oder Jubiläen zu feiern. Schon jetzt denkt Albrecht Ecke darüber nach, vielleicht einmal die alte Darre für Übernachtungsgäste auszubauen.

Über die umfangreichen Hochwasserschutzmaßnahmen für Gottesgnaden, die das Land mit der Sanierung und Neubau von Deichen und eines Kleinschöpfwerkes realisieren wird, zeigt sich Ecke erfreut. Allerdings, so der Designer, sollte bei einem Deichbau in der Nähe des "Saalehofs" auch auf den optischen Wert geachtet werden. "Das Flair muss unbedingt erhalten werden", so Ecke.

 

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