Küssen tut gut, aber warum eigentlich? Volksstimme-Volontär sprach mit Dr. Holger Schäffer, Facharzt für Innere Medizin im Ameos-Klinikum, und betrachtete den Kuss von seiner medizinischen Seite.

Volksstimme: Was passiert im menschlichen Körper bei einem Kuss?

Holger Schäffer: Beim Küssen werden etwa 30 Gesichtsmuskeln beansprucht, bei einem intensiven Kuss werden dabei bis zu 12 Kalorien verbrannt. Es erfolgt eine Ausschüttung von Neurotransmittern im Hirn, dadurch entstehen Glücksgefühle. Küssen bremst außerdem die Entstehung von Glukokortikoiden, den Stresshomonen. Durch diese beiden Mechanismen kann Stress gelindert werden. Blutdruck und Atemfrequenz steigen und der Puls beschleunigt sich. Das ist das bekannte Kribbeln im Körper.

Es hält sich wacker das Gerücht, dass Küssen sogar gesund ist, weil durch Austausch von Speichel Antikörper gebildet werden. "Abhärten durch Küssen" quasi. Stimmt das?

Beim Küssen wird Speichel ausgetauscht. Dabei sind etwa 20 Prozent der Bakterien im Mund bei beiden Partnern unterschiedlich. Sie lösen jeweils eine Antikörperbildung aus und stärken damit ganz allgemein das Immunsystem. Ob dies dazu führt, dass Erkrankungen verhindert werden, ist allerdings fraglich. Erwiesen ist aber auch, dass durch Küssen krankmachende Erreger übertragen werden können, zum Beispiel die Erreger des Pfeifferschen Drüsenfiebers, dass im Volksmund des- halb auch Kussfieber genannt wird.

Warum küssen wir? Gibt es Unterschiede, aus welchem Grund wir küssen?

Als Ursprung des Küssens vermutet man die Weitergabe von Nahrung von Mund zu Mund durch die Mütter an ihre Kinder, was man im Tierreich ja auch beobachten kann. Beim Menschen besteht eher eine kulturelle Motivation zum Küssen und ist von Land zu Land verschieden. Es gibt es viele Anlässe, der wichtigste ist natürlich der Kuss unter Liebenden.