Sind Radfahrer, die erlaubtermaßen auf Fußwegen fahren, immer sicherer unterwegs? Diese Frage stellt sich gerade in Schönebeck im Fall der Eggersdorfer Straße.

Schönebeck l Die guten und die schlechten Dinge liegen oft dicht beieinander. Viele Schönebecker, die gern mit dem Fahrrad unterwegs sind, haben das Graderwerk oder das Kusswäldchen zum Ziel. Die Eggersdorfer Straße führt sie zum Ziel. Doch es gibt keinen Radweg, nur auf der Seite stadteinwärts einen Fußweg, auf dem Passanten den Salzelmer Bahnhof erreichen. "Könnte der nicht für Radfahrer freigegeben werden", fragt eine Volksstimme-Leserin zur Redaktionssprechzeit. "Auf der Straße ist es sehr unsicher zu fahren, denn sie führt stadtauswärts zur Ortsumgehung. Da sind Autos genauso wie Lkw unterwegs." Logisch und leicht wäre es doch, den Fußweg für Radfahrer durch entsprechende Hinweisschilder zu öffnen. Ohnehin würden ihn nur die reisenden nutzen, die zum Bahnhaltepunkt wollen, so die Leserin.

Radler, egal in welche Richtung unterwegs, sollen also auf der gegenüberliegenden Seite des Gradierwerks auf dem Fußweg fahren. Und das sicherer. Klingt plausibel! Aber ist einfach auch gleich gut?

Die Volksstimme hat bei Behörden und Radfahrvertretern nachgefragt. Zum Beispiel bei Thoralf Winkler, neuer Stadtrat in Schönebeck und Mitglied in der Arbeitsgruppe Rad Schönebeck (AG Rad). Diese Gruppe arbeitet eng mit anderen, wie dem Stadtseniorenrat und der Verwaltung zusammen, um in der Elbestadt optimale Bedingungen für Radfahrer zu schaffen. Die Freigabe von Gehwegen für Radler wird sehr unterschiedlich bewertet: "Ich persönlich befürworte in den meisten Fällen das Fahren auf der Fahrbahn, und das aus verschiedenen Gründen", sagt Thoralf Winkler.

Zunächst geht es ihm um die Sicherheit: So ist bewiesen, dass die Unfallgefahr höher ist, wenn Radfahrer auf Fußwegen unterwegs sind. "Besonders an Parkplatzeinfahrten und Einmündungen." Auch der Wechsel zwischen Radwegen, Fahrbahn und Fußwegen bringe Gefährdungspotenzial mit sich. "Aus diesen Gründen ist die Zahl von Rad-Unfällen in Verbindung mit Geh-/Radwegen höher als beim normalen Fahren auf der Fahrbahn", sagt Thoralf Winkler

Stadt hat sich mit dem Landkreis abgestimmt

Für das Mitglied der Rad-AG geht es aber auch um den Fahrkomfort für die Radler: "Die Oberfläche von Radwegen ist oft unebener als die der Fahrbahn - damit hat man einen höheren Fahrwiderstand." Zudem würden auf Fußwegen und Radwegen auch erheblich mehr Scherben liegen, der Verschmutzungsgrat sei höher. Thoralf Winkler zufolge müsste man immer individuell für jede Straße entscheiden und dabei gründlich abwegen, was allen Verkehrsteilnehmern wirklich zum Vorteil gereiche.

"Es kann Ausnahmen geben, wenn beispielsweise der Radverkehr nicht entgegen einer Einbahnstraße geführt werden kann. Und auch wenn neben mit Bruchsteinen gepflasterten Straßen gute Fuß- oder Radwegen führen, dann wird wohl fast jeder Radfahrer auf den Gehweg ausweichen."

Thoralf Winkler kann verstehen, wenn Radfahrer sich auf dem Fußweg sicherer fühlen. Besonders auch im Fall der Eggersdorfer Straße. Seiner Ansicht nach aber gebe es beides: Die, die auf dem Weg fahren, und die auf der Straße fahren - alles ganz selbstverständlich. "Auf der Fahrbahn würden die Radfahrer auch mit dem erforderlichen Sicherheitsabstand überholt, der Verkehr ist dort unproblematisch", schätzt Thoralf Winkler ein.

Bauliche Voraussetzungen würden passen

Die baulichen Gegebenheiten in der Eggersdorfer Straße böten Thoralf Winkler zufolge die Voraussetzung, ein "Fußgänger, Radfahrer frei"-Schild aufzustellen. "Empfehlen würde ich es aus den genannten Gründen aber nicht, noch dazu, weil die angrenzende Fahrbahn asphaltiert und in gutem Zustand ist."

Das alles sind erste persönliche Einschätzungen. Die AG Rad hat noch nicht getagt. Denkbar ist, dass sich die Gruppe anders zu dem Thema positioniert. Anfang September will man sich wieder treffen und dann zum Beispiel um Radwege entgegengesetzt zur Einbahnstraße in der Tischlerstraße, der Salzer Straße und im Salztor auch die Eggersdorfer Straße besprechen. Letzendlich wird die verkehrsrechtliche Anordnung, ob Radfahrer den Gehweg nutzen können, durch die Stadt ausgesprochen.

Im Rathaus sieht man auch noch Beratungsbedarf und führt ähnliche Gründe wie Thoralf Winkler an. Rathaussprecher Hans-Peter Wannewitz: "Der in beide Richtungen befahrbare Radweg wäre laut unserem Sachgebiet Straßenverkehr machbar, man hat das gemeinsam mit dem Salzlandkreis geprüft. Dann müssten die Radfahrer allerdings zweimal die Fahrbahn queren." Wenn das gewünscht sei, so der Stadtsprecher, könne die Stadt die Beschilderung aufstellen. Allerdings gebe es noch kein Signal.

Im September also könnte es eine Entscheidung geben. Ob die einfach ist und dabei doch möglichst vielen gerecht wird, bleibt zu hoffen.

 

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