Schönebeck l Auf den Artikel "Ein Radweg für zwei Richtungen" in der gestrigen Ausgabe gehen viele Volksstimme-Leser in Anrufen in der Redaktion ein. Sie beleuchten das Thema von verschiedenen Seiten und haben verschiedene Ansätze. Hans-Werner Baum zum Beispiel. Fahrradfahrer würden oft genug sowieso machen, was sie wollen, kritisiert er das Verhalten einiger Radler. "Schilder werden ignoriert, es wird auf Gehwegen in beiden Richtungen auch dort gefahren, wo es nicht gestattet ist", ärgert sich der Schönebecker. Er sei selbst Radfahrer, Kraftfahrer und Fußgänger und habe diese Erfahrungen schon mehrfach gemacht. Vor allem ältere Menschen würden sich auffallend oft nicht an die Straßenverkehrsordnung halten. "Dabei müssten doch gerade sie es genau wissen", meint Hans-Werner Baum. Ohne ständige Kontrollen, etwa durch das Ordnungsamt oder die Polizei, würden Vorgaben gleich welcher Art quasi keinen Sinn machen. Ideal wäre eine Art Stadtpolizei, wie es sie in Polen gebe, die sich maßgeblich um den rollenden Verkehr kümmert.

Tempo 30 für den Kurstandort

Simone Meinhard ist Anwohnerin in der Eggersdorfer Straße. Sie räumt am Leser-Telefon ein: "Ich fahre lieber auf dem Gehweg, weil ich auf der Straße einfach Angst habe." Insbesondere die Eggersdorfer Straße werde von Autofahrern als Rennpiste genutzt. Hier sei es wünschenswert, wenn eine 30er-Zone eingerichtet wird. "Das ist auch angemessen. Schließlich handelt es sich um das Kurgebiet", betont Simone Meinhard. In anderen Kurorten Deutschlands sei eine Geschwindigkeitsbegrenzung gang und gäbe. Und dazu ab 18 Uhr ein Fahrverbot für Lastkraftwagen. In punkto Fahrrad fahren auf dem Gehweg in der Eggersdorfer warnt die Anruferin: "Für Personen, die mit ihrem Auto die Ausfahrten der Grundstücke verlassen, sind Radfahrer aber ganz schlecht zu erkennen. Das sei dann eine Gefahrenquelle, die zu Unfällen führen könne.

Diese Gefahr sieht Gabriele Pflanz aus Schönebeck nicht, wenn "alle aufeinander achten und Rücksicht nehmen". Unsere Leserin wohnt am Kunstanger und nutzt die Eggersdorfer Straße als Radfahrerin oft auf dem Weg in die Stadt. "Der Verkehr ist an manchen Tagen wirklich stark. Wenn sich dann zwei Lastkraftwagen begegnen oder die Autos an einem vorbeirasen, wird einem als Radfahrer Angst und Bange." Deshalb ist Gabriele Pflanz dafür, den Fußweg auch für Radfahrer zu öffnen. "Er ist breit genug und es sind nur wenig Menschen unterwegs." Dennoch müssten die Radler, wenn sie dort fahren könnten, genau auf diese Passanten Acht geben, so wie die Autofahrer, wenn die Radler die Straße queren müssen. "Alles muss unter dem Aspekt der gegenseitigen Rücksichtnahme passieren."

Wilfried Kiske aus Plötzky ist nicht der Meinung von Thoralf Winkler von der Arbeitsgruppe Rad Schönebeck, dass Radfahrer ohne Ausnahme auf die Straße gehören und dort sicherer seien. "Es gibt viele ältere Menschen, die Fahrrad gern fahren oder darauf angewiesen sind. Sie sind aber meistens nicht mehr so sicher und brauchen deshalb so etwas wie einen `geschützten Raum`". Der Fußweg, so unser Leser, sollte deshalb für Radler geöffnet werden. Polizei und Stadt müssten Statistiken offen legen, ob dadurch wirklich mehr Unfälle passieren, wie als Argument angeführt. Falsch sei, dass die Fußwege verunreinigt und deshalb für Radfahrer nicht nutzbar seien, meint Wilfried Kiske.

Klare Regelung in der Straßenverkehrsordnung

Ein Anrufer, der seinen Namen nicht nennen wollte, der aber "Vom Fach" sei, sagte, dass es seiner Meinung nach nur eine Aussage in der Straßenverkehrsordnung gebe. "Fahrzeuge aller Art gehören auf die Straße, also auch Radfahrer." Gesetzlich sei das 2012 so veranlasst und festgeschrieben worden, gerade weil es so viele Unfälle auf Fußwegen mit Radfahrern gegeben habe.