Friedrich Harwig (Die Linke) ist Vorsitzender des neu gewählten Schönebecker Stadtrates. Der Pretziener löst Markus Baudisch (CDU) ab. Nach zwei Wahlgängen mit gleichen Stimmen für beide Kandidaten musste das Los entscheiden.

Schönebeck l Eine spannende Wahl bei der ersten Sitzung des neuen Schönebecker Stadtrates Montagabend im Tolberg-Saal. Die Mitglieder aller Fraktionen wollten per Abstimmung festlegen, wer das Stadtparlament künftig als Vorsitzender leitet. Das Rennen machte Friedrich Harwig (Die Linke) und nahm damit den Platz von Markus Baudisch (CDU) ein.

"Bürger erwarten, dass wir uns ihrer Probleme annehmen."

Zweimal musste jeder Rat an die Wahlurne treten, zuvor hatten sich alle auf die geheime Abstimmung geeinigt. Immer wieder fiel das Ergebnis gleich aus: 18 Stimmen für Baudisch und 18 für Harwig. Die Gemeindegesetzgebung sieht als Ausweg aus der Patt-Situation eine Auslosung vor. Die nahm pikanterweise Oberbürgermeister Bert Knoblauch, selbst CDU-Mann, vor. Und zog den Kandidaten der Partei Die Linke.

Jubel in den Reihen der Fraktion Friedrich Harwigs, lange Gesichter dagegen bei der CDU und ein sichtlich enttäuschter Markus Baudisch. Denn als stärkste Fraktion hätten die Christdemokraten einem ungeschriebenen Gesetz zufolge Vortrittsrecht für den Posten des Stadtratschefs. Die Fraktion Die Linke aber schlug, so Sabine Dirlich, "erstmals einen eigenen Kandidaten" vor.

Friedrich Harwig konnte somit am Abend gleich Platz behalten. Denn als ältestes Mitglied des Rates oblag dem 74-Jährigen die Sitzungsleitung bis zur Wahl des Stadtratsvorstandes. Friedrich Harwig wandte sich hier bereits mit Worten an seine Kollegen. Er konstatierte, dass die Beteiligung bei der Kommunalwahl im Mai im Bereich der Kernstadt gegenüber der Wahl dafür ganz leicht zugenommen habe. Noch deutlicher sei dieser Trend in den Ortschaften zu erkennen. "Machen wir etwas daraus!", forderte Friedrich Harwig seine Ratskollegen auf. Die Bürger hätten jedem gewählten Mitglied großes Vertrauen entgegengebracht. "Sie erwarten nun zurecht auch, dass wir uns ihrer Probleme annehmen." Wie die Verwaltung auch müsste sich der Stadtrat als Dienstleister am Menschen verstehen. Damit der Rat zu guten Entscheidungen finde, wünschte Friedrich Harwig allen stets faire Zusammenarbeit, Tatkraft und eine glückliche Hand.

Der neue Stadtratschef zeigte sich erfreut darüber, dass die Verwaltung bereits einen Haushalt vorgelegt und der bisherige Stadtrat dem Etatplan auch zugestimmt hat. "Das war früher als bisher und es macht uns handlungsfähig in unseren begrenzten Mitteln." Friedrich Harwig fordert, dass man diesen Weg weiter gehen und verbessern müsse. Das sei auch Hauptaufgabe des jetzt amtierenden Rates. "Die Bürger werden das zu schätzen wissen."

Gleichzeitig müsse man, so der Politiker der Partei die Linke, auf die Ungerechtigkeit des Finanzausgleiches in Richtung Land hinweisen. Falsch sei es, Städten und Gemeinden Zuweisungen zu streichen, wenn sie ausgeglichene Haushalte vorlegen könnten. Denn die Kommunen müssten so immer mehr freiwillige Aufgaben zusammenstreichen, dadurch aber ihre Substanz, ihre Vielfältigkeit verlieren. "Es muss Verwaltung und Politik gelingen, wirklich zu sparen." Das sei auch eine Aufgabe, der sich der Rat stellen müsste.

Nicht nur der Vorsitzende des Gremiums, auch die Stellvertreter wurden gewählt. Es sind - ganz bewusst zwei Frauen als Kandidaten - Petra Grimm-Benne (SPD) und Marlis Ekrutt (CDU) sind Stadtratsvorsitz-Vizen.