Eine Gruppe fiel beim Operettensommer am Donnerstag sofort auf: Zehnjährige saßen auf den Bänken. Die Schönebecker Freie Montessori Schule wagte sich an ein ambitioniertes Projekt.

Schönebeck l An ein durchaus mutiges Unterfangen hat sich die Freie Montessori Schule Schönebeck gewagt. Im Rahmen eines Schulprojektes besuchte die 4. Klasse eine Aufführung des Schönebecker Operettensommers auf dem Bierer Berg. Vorhersagbar war das Ergebnis nicht. Zehnjährige mit klassischer Musik zu konfrontieren, ist keineswegs etwas Alltägliches. Aber die Lehrerinnen führten die Schüler langsam an den Stoff heran und siehe da, die "Maske in Blau" fand ungeteiltes Gefallen.

Schulleiterin Kathrin Steuer spielte ihren Schützlingen zwei Tage vor dem Besuch im Klassenzimmer Ausschnitte aus dem Werk von Fred Raymond vor. Die Aufnahmen aus den 1930er Jahren hatten Grammophon-Ton-Charme, etwas kratzig, verstaubt. Doch an der Musik wurde schnell deutlich: so alt können diese beschwingten Klänge nicht sein (die Uraufführung war 1937 in Berlin).

Victoria las ihren Klassenkameraden die Handlung vor. Die wirkt recht verwirrend. Auf jeden Fall geht es um Liebe, um viel Hin und Her, um Enttäuschung, Missverständnisse. Die Zehnjährigen brachten ihre ersten Eindrücke malend zu Papier. Die Ergebnisse - nun ja, eine Prinzessin hier, ein Liebespaar dort, viel weiße Fläche insgesamt.

Der Clou beim Besuch der Aufführung am Donnerstag war, dass die Schüler hinter die Kulissen blicken konnten. Auch Katharina Kutil empfing die Gruppe und prophezeite: "Wenn ich nachher aus der Maske komme, werdet ihr mich nicht mehr erkennen." Diese Wette ging verloren. Die Darstellerin wurde auf den ersten Blick erkannt.

Auffallend waren die Reaktionen des im Durchschnitt älteren Publikums. Mehrere Gäste äußerten ihre Freude darüber, in einer Operette Kinder auf dem Bankreihen zu sehen. "Sie sind alle gespannt auf die Musik", sagte Lehrerin Kathrin Steuer kurz vor der Aufführung. Und dann die Wirkung:

Nach einer halben Stunde fingen die ersten Jungs an, leicht unruhig zu werden. "Wann ist Pause", flüsterten einige in Richtung Lehrerin. Die meisten Mädchen hingegen verfolgten mit leuchtenden Augen und hochkonzentriert die Handlung. Nach der Pause drehte das Geschehen auf der Bühne auf, es gab sogar eine Prügelszene. Jetzt waren auch die Jungs wieder aufmerksam. Mehr noch: am Ende begeistert.

Gestern, einen Tag danach, gingen bei der Frage, wer wieder in eine Operette gehen würde, alle Finger hoch. Zum Abschluss des Projektes malten die Kinder wiederum Bilder. Die fielen üppig und bunt gestaltet aus, mit Bühnenszenen und tollen Kostümen. Befragt danach, ob die Schule ein solches Projekt wiederholen würde, sagte Kathrin Steuer: "Gerne. Es kommt halt auf die Klasse an. Mit unserer 4. war es ein reines Vergnügen."

   

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