In Gnadaus evangelischer Zinzendorf-Grundschule können die Kinder jetzt unter freiem Himmel lernen. Gleich neben dem Schulgarten wurde ein "Grünes Klassenzimmer" eingeweiht, das seinem Namen Ehre macht.

Gnadau l "Jetzt beruuuhigt euch alle erstmal", fordert die Lehrerin sanft ihre quirligen Zinzendorfer auf, die ganz aus dem Häuschen sind. Die Sieben- bis Zehnjährigen waren vom "richtigen" in einen etwas anderen Klassenraum gestürmt, um ihn in Besitz zu nehmen.

Wo normalerweise eine gemauerte Wand sein könnte, grenzt Topinambur das "Klassenzimmer" ein. Kennen Sie nicht? Die Kinder schon. Helianthus tuberosus ist eine Pflanze, die zur Gattung der Sonnenblume gehört. Ihre Wurzelknolle ist essbar. Wer an einem der wetterfesten Tische des Open Air-Lernraumes sitzt, guckt in den Schulgarten. Ob er will oder nicht. Wo die selten gewordenen Schmetterlinge über gelben Kapuziner-, Kürbis- oder blauen Borretschblüten gaukeln.

Projektunterstützung

Kurz vor den Sommerferien wird nun das "Grüne Klassenzimmer" seiner Bestimmung übergeben. Schulleiterin Beate Wendel bedankt sich besonders bei den Mitarbeitern des "Rückenwind e.V. Schönebeck" für die Projektunterstützung. Der Verein hatte für die Gnadauer 500 Euro aus dem Bundesprojekt "Toleranz fördern, Kompetenz stärken" locker gemacht. "Auch Eltern und Ortsbürgermeister Dietmar Schrader haben tatkräftig bei der Umsetzung des Projektes geholfen", unterstreicht Beate Wendel. Mit "Fleiß und Liebe" seien auch Hausmeister Helmut Gelze und Ein-Euro-Jobber Jürgen Meier bei der Sache gewesen. Die stehen im Hintergrund und beobachten das Treiben vergnügt.

Das Gartengelände der Zinzendorfschule Gnadau kann nun intensiver in das gesamte Schulleben integriert werden, auch im Hortbereich und während der Ferienzeit, erklärt Wendel. Auf der befestigten Sitz- und Arbeitsfläche können die Schüler nun Experimente durchführen und die Ergebnisse entsprechend dokumentieren.

Neben den Schulgartenbeeten ist auch ein Kräutergarten angelegt. Das Leben der Insekten lasse sich am Insektenhotel und auf der Wiese erforschen, in "Kunst" kann der Nachwuchs die Natur abzeichnen. Doch damit nicht genug: Auch der Lebensraum von Vögeln sowie die Brutgewohnheiten an Nistkästen ist gut einsehbar.

Pädagogisch klingt das so: Das ,,Grüne Klassenzimmer" ist ein besonderer Lernort, wo durch eigenes Erleben und Probieren Wissen vermittelt wird. Toleranz im Umgang mit Leben und Natur, mit Tieren und Pflanzen sowie die Wertschätzung unserer Schöpfung werden praxisnah vermittelt. Die Wichtigkeit der Erhaltung und des Schutzes unserer Umwelt soll den Schülern bewusst werden. Das Individuelle, die eigene Entwicklung und Persönlichkeit eines jeden Schülers als Teil der Schöpfung werden dabei mit einbezogen.

Im kommenden Schuljahr steht das "Grüne Klassenzimmer" 85 Zinzendorfschülern der Klassen 1 bis 4 zur Verfügung.

Doch am Eröffnungstag darf nur erstmal die 4. Klasse Probesitzen. "Weil ihr ja nicht mehr lange hier seid", begründet Beate Wendel. Die "Großen" lassen sich das nicht zweimal sagen. "Frau Kunze muss auch her, Frau Kunze muss auch her ", rufen gleich mehrere Jungen, als sei Chorunterricht angesagt. Klassenleiterin Claudia Kunze nimmt vergnügt lächelnd am Lehrertisch Platz, hinter dem eine Amsel zwitschert.

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