Polizisten zum Anfassen. Das sollen die Regionalbereichsbeamten sein, die in diesen Tagen und Wochen in Sachsen-Anhalt ihre Arbeit aufnehmen. Mit Anfassen ist natürlich der direkte Draht gemeint, den die Ordnungshüter zum Bürger haben sollen - und umgekehrt. In der Stadt Schönebeck arbeiten sich derzeit Brigitte Horn, Petra Peters und Marion Schulz in ihre neue Rolle ein.

Schönebeck l "Cop wird K o b geschrieben." Petra Peters flüstert es dem Zeitungsmenschen leise in den Block beim Blick auf die von ihm vorgenommene englische Schreibweise. So etwas kommt dann wohl vom Gucken diverser amerikanischer Polizeiserien. Auch Deutschland hat Cops. Kobs eben. Die drei Buchstaben stehen für Kontaktbeamter. Das sind bislang jene Polizisten, die den direkten Draht zum Bürger haben sollen: ansprechbar, zugewandt, irgendwie immer vor Ort. "Ich bin seit elf Jahren Kob in Schönebeck", sagt Brigitte Horn im Gespräch mit der Volksstimme.

Weniger Polizei, aber dennoch mehr Präsenz

Und nun wird irgendwie alles anders. Und bleibt doch ähnlich. Es soll sogar noch besser werden. So ist das, wenn sich die da oben, die im Innenministerium eine Polizeistrukturreform ausdenken. Die Neuerung lässt sich auf eine einfache Formel bringen: weniger Polizei und doch mehr Polizeipräsenz auf den Straßen. Das soll wohl möglich sein. Schließlich kann ein Mensch ja auch zunehmen, obwohl er weniger isst. Es kommt auf das Was an. Für das Innenministerium geht es um das Wie. Vom Kontaktbeamten, vom Kob also, sollten sich die Sachsen-Anhalter mal schnell verabschieden, der nämlich ist ein Auslaufmodell. In Zukunft gibt es RBBs. Lässt sich leider nicht so gut abkürzen und heißt ausgeschrieben Regionalbereichsbeamte. Die ersten von ihnen sind bereits eingesetzt, auch im Salzlandkreis (Volksstimme berichtete). Brigitte Horn gehört dazu, sie ist jetzt RBB in Schönebeck. Eine Aufgabe, die sie sich mit Petra Peters und Marion Schulz teilt. Denn laut Innenministerium soll auf 10000 Einwohner ein RBB kommen. Schönebeck hat knapp 33000 Einwohner, da reicht es also für drei Regionalbereichsbeamte.

Aber was ist denn jetzt konkret das Neue? "Wir haben mehr Befugnisse und sind eigenständiger", erklärt Brigitte Horn. Sie fügt hinzu: "Während Kontaktbeamte auf Weisung auch für andere polizeiliche Aufgaben eingesetzt werden konnten - was bei uns zeitweilig auch geschehen ist -unterstehen Regionalbereichsbeamte nur dem Revierleiter."

Sie und ihre beiden Kolleginnen richten sich momentan in einem Raum des Polizeigebäudes in der Schönebecker Nikolaistraße so häuslich ein, wie es geht. Ihr Einsatzgebiet sind die Straßen Schönebecks, inklusive der ostelbischen Ortsteile. "Wir sitzen schon im Boot", umschreibt Brigitte Horn den Punkt Null, an dem alles ein bisschen anders neu begann. Nun gelte es, sich überall vorzustellen: beim Oberbürgermeister, beim Ordnungsamt, bei Kitas, Schulen, Jugendclubs, Vereinen, kurz und gut bei allen Institutionen der Stadt, die Teil des gesellschaftlichen Lebens sind. Brigitte Horn ist hier freilich längst bekannt wie ein bunter Hund. Jetzt kommen noch Petra Peters und Marion Schulz hinzu.

"Prävention, Prävention, Prävention."

"Wir werden natürlich nichts stets und ständig zu dritt auf der Straße sein", wehrt Brigitte Horn eine Vermutung ab. Je nach Art der Aufgabe wollen sich die drei Damen die Arbeit aufteilen. Alle sind sie gleichrangig, wenngleich Brigitte Horn im Gespräch das Wort führt. Auf die Frage nach der Hauptaufgabe sagt sie: "Prävention, Prävention, Prävention." Keine Verkehrsüberwachungen mehr, keine anderen repressiven Maßnahmen - beziehungsweise nur noch im absoluten Notfall. "Wir wollen die Stadt dadurch sicherer machen, indem wir zum Beispiel darüber aufklären, wie Einbrüche in Häuser am besten verhindert werden können. Wir wollen auch in Schulen über Drogenkriminalität informieren, wenn man uns einlädt", erklärt Marion Schulz.

Den drei Beamtinnen stehen Computer (keinesfalls selbstverständlich für einen Polizisten) und Dienstfahrzeuge zur Verfügung. "Wir sind einsatzbereit", versichert Petra Peters. Die 47-Jährige hat eine erwachsene Tochter und lebt in Biere, bei der Polizei ist sie seit 1989.

Marion Schulz lebt seit 1980 in Schönebeck, im selben Jahr begann auch ihre Laufbahn bei der Polizei. Die 56-Jährige ist Mutter von drei erwachsenen Kindern.

Brigitte Horn kam 1983 zur Polizei, seit 1999 lebt und arbeitet sie in Schönebeck, sie hat einen erwachsenen Sohn.

Auf die Frage, was den Reiz der Polizeiarbeit ausmacht, antworten die Drei übereinstimmend: "Jeder Tag bringt etwas Neues." Aber ist es nicht auf Dauer belastend, oft, all` zu oft mit Gaunern und Ganoven zu tun zu haben? Brigitte Horn reagiert gelassen: "Das ist unser Job, das ist nun einmal Polizeialltag. Aber ich kann versichern, dass wir unsere Pappenheimer kennen und in der Regel wissen, wie wir mit ihnen umgehen müssen." Wirklich schwierige Situationen, belastende Erlebnisse etwa, verarbeiten die drei Frauen, "indem wir darüber reden", wie Petra Peters sagt.

Das Schlusswort liegt dann wieder bei Brigitte Horn: "Wir freuen uns auf die neue Aufgabe. Positiv ist, dass es keinen Druck von oben mehr gibt und dass wir flexibel arbeiten können. Wir werden alles das machen, was die Kobs bisher gemacht haben - und noch mehr."

Der Innenminister wird es gerne hören.