Die Grundwassersituation im überfluteten Schönebecker Stadtteil Felgeleben stand gestern im Mittelpunkt von Landespolitikern. Im Schnelldurchauf ließen sie sich Gräben, Pumpen und überflutete Keller zeigen.

Felgeleben. Dass die Nerven in Felgeleben blank liegen, bekam Wulf Gallert, Fraktionsvorsitzender der Partei Die Linke, schon zu Beginn zu spüren. Kaum war er aus seinem Auto ausgestiegen, legte Dieter Berge von der Bürgerinitiative Felgeleben los und kippte Gallert seinen Frust ab. "Seit 16 Jahren haben wir Wasser im Keller. Seit 16 Jahren hat sich niemand richtig darum gekümmert. Und jetzt vor der Wahl kommen die Politiker durch Felgeleben gereist", schäumte Berge auf. Wulf Gallert parierte den verbalen Angriff gekonnt. Er machte Berge klar, dass das Problem bekannt sei. "Wir haben uns kontinuierlich darum gekümmert. Aber jetzt hat die Grundwassersituation im Land eine neue Dimension bekommen, viel mehr Leute sind betroffen: Und vielleicht bekommen wir jetzt einmal eine Mehrheit im Landtag", so der Fraktionsvorsitzende, der sich gemeinsam mit Sabine Dirlich, Landtagsabgeordnete, die Situation in Felgeleben ansah.

Der kleinen Delegation blieben jedoch nur 45 Minuten, um sich die Pumpe an der Ecke Gnadauer- und Joachimstraße anzuschauen, bei Familie Voß in den vom Wasser überfluteten Keller zu blicken und von Werner Grundmann, ebenfalls von der Bürgerinitiative, erklärt zu bekommen, woher die Anwohner des Angers das Wasser im Haus haben. Betroffen zeigte sich Wulf Gallert auf dem Grundstück der Familie Voß. Dort wurde den Besuchern der mit Wasser vollgelaufene Keller gezeigt.

Wie immer wurden von der Bürgerinitiative mehrere Lösungsansätze vorgestellt. Am Ende aber fordern die Betroffenen ein koordiniertes Handeln: ein Grabensystem südlich von Schönebeck und Schöpfwerke, die das Wasser in Richtung Elbe pumpen.

Dass Pumpen auf Dauer Wirkung zeigen, veranschaulicht das laufende System in der Gnadauer Straße. "Die Anwohner merken etwas", versichert Werner Grundmann gegenüber der Volksstimme. Gleiches beobachten die Anwohner der Hermann-Kasten-Straße, als diese im vergangenen Jahr ausgebaut wurde. Damals ist der Grundwasserspiegel ebenfalls mit Pumpen künstlich gesenkt worden. Auch das wirkte sich positiv auf die Keller in der Umgebung aus. Doch wie viele Pumpen am Ende eingesetzt werden müssen, wie wirksam sie sind und wer schließlich für die Kosten aufkommt, diese Fragen kann bisher niemand beantworten.

Wenngleich die Bürger über die dauernden Politikerbesuche aufgebracht sind, knüpfen sie trotzdem Hoffnung an jeden einzelnen. Das weiß auch Sabine Dirlich: "Ich habe die Angst, wenn das Wasser wieder zurückgeht, dass dann auch das Problem des Grundwassers wieder in Vergessenheit gerät."