Helmut Schulze aus Barby ist kein guter Kunde im Supermarkt, was Südfrüchte betrifft. Kiwi, Zitrone, Passionsfrucht Co. baut er selbst an. Der Supersommer 2014 hilft ihm dabei.

Barby l "Man freut sich zweimal", deutet Helmut Schulze auf die sonnengewärmte Südseite seines Hauses. "Einmal wenn die Blüte offen ist und das zweite Mal, wenn die Früchte geerntet werden." Der 78-Jährige meint seine Passionsfrüchte, die ursprünglich aus Brasilien stammen, die man heute aber auch im Mittelmeerraum findet. Und bei Helmut Schulze in der Karl-Liebknecht-Straße ...

Im Internet wird darauf hingewiesen, dass gekaufte Passionsfrüchte sorgfältig gewaschen werden müssen. Der chemischen Behandlung wegen. Was für Helmut Schulze kein Thema ist. Hier reichen Sonne, Wasser und manchmal ein bisschen Dünger. "Ich muss jeden Tag mehrere Kannen Wasser schleppen, Trockenheit nehmen sie übel", erklärt der fitte Rentner.

"Als wir 1990 zum ersten Mal in Helmstedt waren, habe ich mich über die fein säuberlich sortierten Kartoffeln gewundert, die sie dort anboten."

Die gänseeigroße Frucht ist reich an den Vitaminen A, B und C. Außerdem enthält sie hohe Anteile an Kalium, Eisen, Phosphor, Kalzium und Magnesium. Und: Die Passionsfrucht ist in der Lage, den Blutdruck zu senken und hat eine beruhigende Wirkung. Aus diesem Grund wird sie gerne gegen Schlafstörungen oder nervöse Unruhe eingesetzt.

Schulze, Helmut, schläft deswegen gut - aber auch, weil er sich täglich im Garten tummelt. Der macht glücklich und ausgeglichen. Bio, bio ...

Der aus Calbe stammende Gartenfreund hat in seinem Wundergarten aber noch andere Exoten, bei deren Anbau man sich noch vor 20 Jahren mit dem Finger an die Stirn getippt hätte: Kiwi (gelbe und grüne, männliche und weibliche), Zitrone, Mandarine oder Shiva Kaki, die im Supermarkt schon mal als "göttliche Fruchtsensation" angepriesen wird. Ihnen werden im gesamten asiatischen Raum verschiedene Heilkräfte zugesprochen. So soll sie magenstärkend sein und gegen Durchfall helfen. Unreife, in Containern nachreifende Früchte seien fiebersenkend, wenn sie süß wie Honig sind. Weil im Hause Schulze all diese Früchte nicht nur der mentalen Erbauung angebaut, sondern auch gegessen werden, versteht man die Sache mit der Supermarkt-Ignoranz. Besonders von den Kiwi-Massen lebt Helmut Schulzes Haushalt monatelang.

Da fehlen ihm ja nur noch Bananen, ist man versucht zu witzeln.

"Ja, die hatte ich auch", erklärt der 78-Jährige ernsthaft. Bei einer Wuchshöhe von drei Metern (!) hatte die Staude dann aber keine Lust mehr. Bis dahin bildeten sich sogar kleine Fruchtstände. "Banane mag Wind nicht. Vielleicht lags ja daran, dass es nicht weiter ging." Aus diesem Grund verunstalten auf den Kanaren oder Kreta flächendeckende Kunststoff-Gewächshäuser die Landschaft.

Helmut Schulze hatte noch nicht immer so eine grün-exotische Ader: "Meine Eltern besaßen in Calbe eine Landwirtschaft, da musste ich als Kind immer mit auf den Acker." Damals seien ihm "säen, hacken, ernten" vergällt worden. "Ich habe mich deswegen entschieden, Maler, aber kein Bauer zu werden", lächelt er.

Mit dem Ruhestand traten dann aber doch die schlummernden Gene der Vorfahren zutage. "Als wir 1990 zum ersten Mal in Helmstedt waren, habe ich mich über die fein säuberlich sortierten Kartoffeln gewundert, die dort angeboten wurden." Was freilich keine Erdäpfel, sondern Kiwi waren. Der gelernte DDR-Bürger kannte zwar Bückware wie Banane, Apfelsine und Zitrone, mehr aber auch nicht.

Heute ist das freilich anders. Supersommer wie der diesjährige, vielleicht auch ein bisschen die Klimaerwärmung, helfen dabei, aus einem normalen Kohlrabigarten in der Karl-Liebknecht-Straße einen botanischen zu machen ...

 

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