Über Mangel an Gästen brauchte sich das Technische Hilfswerk (THW) am Sonnabend beim Glinder Elbebadetag nicht zu beklagen. Bei 30 Grad Luft- und 23 Grad Wassertemperatur wurden dutzende Schwimmer mit dem THW-Boot zum Startpunkt "Pastorbuhne" geschippert.

Glinde l Ein persönlicher Rekord: Walter Görgens aus Bad Salzelmen durchschwamm die Elbe zum 50. Mal. Der 70-Jährige ist regelrechter Fan des Flussschwimmens. Seine Premiere hatte er vor elf Jahren in Schönebeck, als die Zweitauflage des 2002 gegründeten Sport- und Naturerlebnisses stattfand. Neben Schönebeck und Glinde veranstalten auch Sandau oder Rogätz die organisierten Flussquerungen. Damit er selbst nicht die Übersicht verliert und damit man es ihm glaubt, hat Walter Görgens einen Ordner mit Urkunden und Belegen bei sich. Wie Brocken-Benno seine x-fachen Gipfelbesteigungen notiert, führt Elbe-Walter ebenso Buch. "Eine Besonderheit gibt es in Glinde", lächelt der 70-Jährige. "Hier gibt es immer ein kleines Präsent." Nach Mütze, Schreibset, Schlüsselband, Solarrechner oder Flaschenöffner bekamen die wackeren Schwimmer dieses Mal eine Taschenlampe. Darin eingraviert das Ereignis: "13. Elbebadetag Glinde".

Strömung Paroli bieten

"Heute ist es alles optimal", freute sich Ortsbürgermeister Norbert Langoff, der wie aus der Zeit gefallen im getreiften Ganzkörperbadeanzug selbst in die Fluten stieg. Denn im vergangenen Jahr war nach der Hochwasserkatastrophe nicht an derartigen Spaß zu denken. Langoff und sein Pömmelter Amtskollege Thomas Warnecke sind die einzigen "Überlebenden" einer überkommenden Tradition. Bei den ersten Elbebadetagen gab es ein sogenanntes Bürgermeisterschwimmen, an dem schon mal sechs mehr oder weniger dickbäuchige Ortschefs demonstrierten, dass sie nicht mit allen Wassern gewaschen, aber der Elbeströmung Paroli bieten konnten.

"Dabei ist es ein herrliches Gefühl, sich der Strömung hinzugeben", schwärmt der 70-jährige Walter Görgens. Man müsse sich nur treiben lassen, bloß nicht versuchen, falschen Ehrgeiz zu entwickeln und gegen die Strömung anschwimmen zu wollen.

Organisiert wurde das Fest vom Ortschaftsrat und Glinder Vereinen. Dazu zählten auch die Damen des Lichtmess-Museums, die mehrere Sorten leckeren Kuchen anboten. Uwe Sevecke von der männlichen Lichtmess-Fraktion hatte es mehr mit dem Fisch. Er kreierte belegte Fischbrötchen mit Eisbergsalat und selbst eingelegter Salzgurke, sodass nicht nur Besucher Schlange standen, sondern auch die Fischreiher in der Ferne unruhig wurden.

Was für die Ü40-Generation ein Ereignis, ist für den Nachwuchs mittlerweile ein normales Ding. "Wir wurden als Kinder früher von der Elbe fern gehalten, in dem man uns mit dem Nickert drohte", erinnert sich Norbert Langoff (59). Damals galt die Elbe als dreckigster Fluss Europas. Der Giftcocktail aus Quecksilber, Cadmium und tausender anderer Schadstoffe war berüchtigt. Also musste man etwas unpädagogisch die Sagengestalt Nickert bemühen, der angeblich die kleinen Kinder ins Wasser lockte.

Vielleicht haben ja die Elbe abstinenten Bürgermeister doch noch ein bisschen Angst vor dem Unhold ...

   

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