Seit vier Jahren schon sitzt die neunjährige Hanna Lenz fest im Sattel. Bei Juliane Biermordt lernt sie auf der Koppel am Rand von Kleinmühlingen, worauf es ankommt beim Umgang mit den Pferden.

Kleinmühlingen l Timmiti ist ein genügsames Pferd. Geduldig lässt sich der 26-Jährige über den Übungsplatz führen, schaut in Richtung Kamera als es klickt und bekommt als Dankeschön einen liebevollen Klaps an seinen Hals. Hanna Lenz sitzt obenauf. Die Neunjährige ist gut halb so groß wie Timmiti und nur einen Bruchteil so schwer. Trotzdem harmonieren die beiden sehr gut, was sicherlich nicht selbstverständlich ist. "Die Chemie zwischen Pferd und Reiter muss einfach stimmen", erklärt Juliane Biermordt, die Hanna und einige andere Kinder in den Umgang mit den Pferden einführt. "Sie sind sehr feinfühlig", beschreibt sie das Wesen der Tiere, "ein Pferd merkt sehr genau, wer zum Beispiel angespannt oder ängstlich ist."

"Am Anfang habe ich mich nicht getraut, die Zügel loszulassen."

Natürlich hatte Hanna zu Beginn großen Respekt, doch Juliane führte sie langsam heran. Über die Pflege kam ein gewisser Kontakt, später das gegenseitige Zutrauen zwischen Tier und Reiterin. "Am Anfang habe ich mich nicht getraut, die Zügel loszulassen", gesteht die Kleinmühlingerin, nachdem sie kleine Aufwärmübungen auf dem Pferd gemacht hat. Fahne, Mühle und Knien, die Einstiegsübungen des Voltigierens, da muss auch Hanna durch, denn am Ende hängt vieles an der Körperspannung und der richtigen Körpersprache. Juliane erklärt, worauf es ankommt: "Schulter, Ellenbogen und Hacken sollten eine Linie bilden, die Daumen liegen auf den Zügeln, der Kopf bleibt oben", zeigt sie. Und bei Hanna sieht das schon gar nicht so schlecht aus, während sie an der Longe zunächst im Schritt, später im Trab über den Platz reitet.

Das Pferd zu führen, es hänge weniger an den Zügeln, sondern sei in erster Linie eine Frage des Feingefühls und vor allem Po- und Beinarbeit, beschreibt die Reitlehrerin. Für die zarte Grundschülerin sicher gar nicht so einfach, gesteht sie auf den skeptischen Blick des Reporters hin. Hanna ist in der Zwischenzeit wieder vom Pferd gestiegen und antwortet auf die Frage nach der Motivation für ihr Hobby: "Es macht mir einfach Spaß, und ich liebe Pferde", sagt sie mit leuchtenden Augen.

"Es ist toll, den Kindern alles zu vermitteln und zu sehen, wenn man Erfolg hat."

Ihre ersten Erfolge hat sie indes auch schon gesammelt und zwar in der Führzügelklasse. Fünf Schleifen zieren die Wände in ihrem Zimmer, eine sogar für den zweite Platz. Der Wettbewerb, er passt zu Hanna, die sich für das Springen nicht so richtig begeistern kann. Aber das muss sie ja auch nicht, schließlich gibt es genug andere Möglichkeiten. Obwohl ihr Timmiti mit seinem ruhigen Gemüt am liebsten ist, reitet sie zu den Wettbewerben auf der jüngeren Zelina. Der "alte Herr" im Stall von Familie Biermordt ist für den Turnierstress mittlerweile doch zu alt geworden. Im Training aber genießt er die Bewegung mit den jungen Reiterinnen, die am Ende doch immer eine kleine Belohnung für ihn haben.

Juliane kam eher zufällig zu ihrer Aufgabe als Reitlehrerin, hat dabei aber eine Menge Spaß. "Es ist toll, das den Kindern zu vermitteln", sagt sie, "und natürlich ist es schön, wenn man sieht, dass sie auch Erfolg haben." Ganz wichtig ist ihr aber, dass es passt, dass Reiterin und Pferde harmonieren. Bei Hanna ist das so und schon jetzt freut sie sich auf den nächsten Wettkampf: Führzügel in Gnadau. In ein paar Jahren, wenn Hanna etwas älter und vor allem größer ist, nimmt sie Juliane gewiss mit in die Feldmark hinaus, gemeinsam mit den Pferden in die Natur - was gibt es für einen Reiter schließlich Schöneres.