Pretzien l "Fete de la Musique" - unter dieses Motto haben Joachim Schäfer und die Mitglieder seines Ensembles ihre Sommerkonzerttour und ihren Auftritt beim Pretziener Musiksommer gestellt. "Fete, nein das klingt zu salopp, Musikfest ist dann doch wieder ein bisschen zu bieder", Joachim Schäfer sucht, befragt nach der bestmöglichen Übersetzung in seinem Sinne, nach einer passenden Variante. Er lacht und grübelt über Worte. Die er eigentlich gar nicht braucht. Denn als Musiker hat er längst seine Auffassung einer "Fete de la Musique" zum besten gegeben. Ein abwechslungsreiches Programm erlebten die Konzertbesucher, barocke Pracht, galante Kunstinnigkeit und virtuose Romantik. Joachim Schäfer wurde von der Geigerin MinJung Kang, dem Cellisten Uwe Hirth-Schmidt und Judit Izsák an der Orgel begleitet. Das Kammerensemble trat in den einzelnen Stücken in verschiedenen Formationen auf, so dass die dritte Kirchenmusik des 40. Jubiläum-Musiksommers schon deshalb klangliche Vielfalt bot.

Höhepunkt des Konzertes waren Jean Baptiste Arbans Variationen über den Karneval von Venedig für Trompete, Violine und Violoncello. Hier und da schimmerte die Melodie des Liedes "Mein Hut, der hat drei Ecken" durch. Die Trompete führte diese Melodie in schwindelnde Höhen, erreicht durch wirbelnde Koloraturen. Darunter legten Cello und geige ein bezaubernd-pointiertes Klangbett, immer mit einem Augenzwingern, mal gezupft, mal derb gestrichen, mal zart "besaitet". Joachim Schäfer fand in diesem Stück zu Hochformen, spielte einfach nur brillant. Seine Begleiter folgten ihm nicht minder ambitioniert. Und das bei drückender Wärme in der Kirche. "Das ist wirklich anstrengend, man muss seine Kräfte genau einteilen", sagt der Musiker.

"Das ist ein Heimspiel für mich, ein Stück Heimat."

Trotzdem klang alles wunderbar. Zunächst ein Concerto mit Sätzen aus verschiedenen Bachwerken. Dann eine Bearbeitung mit Vivaldis Jahreszeitenmusik, ein Konzert von Telemann oder ein Duett von Luigi Borghi. "Bei der Werkauswahl suchen wir uns Stücke, die nicht alle spielen", sagt Joachim Schäfer. Die Musik werde zum Teil für die Tourneebesetzung arrangiert. "Unser Cellist Uwe Hirth-Schmidt übernimmt das für die Streicher-Stücke, mein Bruder und ich bei einem Teil der Trompetenmusik." Anspruchsvoll aber auch sommerlich-leicht solle das Konzert sein. Die Programmidee zündete beim Pretziener Publikum, dass nach dem fast zweistündigen Konzert mit Pause trotz der Gewächshausatmosphäre eine Zugabe erklatschte.

Die Musiker gaben sie gern. Joachim Schäfer ist zum wiederholten Mal Gast in den romanischen Mauern von St. Thomas. Die Sommertournee habe es in sich, verrät der Musiker. Das Reisen sei oft mit Anstrengung verbunden, man müsse sich immer wieder neu an die Bedingungen der Konzertorte gewöhnen, sich mit ihnen arrangieren. Um so lieber komme der Trompeter nach Pretzien, wo man sich kenne, wo alles perfekt organisiert sei, wo man echten Herzens aufgenommen werde. "Deshalb kann ich sagen: Das ist ein Heimspiel für mich, ein Stück Heimat." Und die genießt Joachim Schäfer noch. Nach dem Konzert werden zwar die Noten zusammengeräumt. Aber in das Tourauto geht es noch nicht sofort. Die Musiker sind Gast bei Anna-Maria und Rüdiger Meussling. "Grillen und gemütlich zusammensitzen, die wunderbare Natur hier genießen, auch das ist der Pretziener Musiksommer für mich."

Nächste Kirchenmusik in St. Thomas Pretzien mit Pianistin Sovja Gülbadamova, Sonnabend, 16. August, 17 Uhr