Für die Augenoperation der Ukrainerin Maryna Jaishko wurden 5134 Euro gespendet. Ein überwältigendes Ergebnis, über das nicht nur die 23-Jährige und ihre Mutter sprachlos sind. Beide waren nach dem Klinikaufenthalt kurz in Barby, um sich zu bedanken. Die Aktion wurde von den Mirgorod-Initiatoren Prof. Manfred Rühmland und Bürgermeister Jens Strube initiiert, von Pfarrer Thomas Lütgert und der Volksstimme hilfreich begleitet.

Barby. Es ist eine Szene, die die oft proklamierte Zunahme zwischenmenschlicher Kälte in Frage stellt. Mitten in der Gesprächsrunde steht die Barbyer Geschäftsfrau Renate Seidel leise auf, geht zu der frisch Operierten und sagt:

"Darf ich Maryna mal noch eine kleine Freude machen?"

"Darf ich Maryna mal noch eine kleine Freude machen?" Ohne die Antwort abzuwarten bindet sie ihr eine Kette um den Hals, an der ein silberner Schutzengel auf einer Perle thront.

Es ist ein sehr emotionaler Augenblick, der alle Beteiligten plötzlich schweigen lässt. Nicht nur aus Ehrfurcht vor diesem Moment, sondern weil ein Kloß im Hals sitzt. Maryna, die momentan nur hell und dunkel unterscheiden kann, bis das Augenlicht nach vier Wochen langsam zurückkehrt, tastet vorsichtig nach dem Medaillon. Zum ersten Mal zuckt ein leises Lächeln über ihr Gesicht. Bis dahin hatte sie beinahe teilnahmslos im fremden Land, zwischen fremden Menschen, die eine fremde Sprache sprechen, gesessen.

Renate Seidel zählt zu den vielen Spendern. Sie hatte vor vier Jahren selbst eine komplizierte Augen-Operation über sich ergehen lassen müssen. Was hier zwar unangenehm, aber finanziell und fachlich abgesichert ist, bedeutet in der Ukraine eine Unwägbarkeit. Bei einem Eingriff vor vier Jahren verlor Maryna ein Augenlicht für den Rest ihres jungen Lebens, weil die OP dort missglückte.

"Mir standen bei meinem letzten Besuch in der Ukraine Tränen in den Augen", gesteht der sonst so quirlige Bürgermeister. Zusammen mit dem Mediziner Prof. Kristian Kothe und Manfred Rühmland hielt sich der Barbyer im Mai 2010 bei den "Mirgorod-Kindern" auf, die heute über 20 sind. Sie alle sind Voll- oder Halbwaisen und an Diabetes erkrankt.

Beim Besuch der deutschen Helfer bedankten sich die Jugendlichen fröhlich, von denen einige nicht mehr am Leben wären, hätte es die deutsche Hilfe nicht gegeben. "Mir fiel ein Mädchen auf, das verhaltener wirkte. Wenig später wusste ich dann auch, warum", erinnert sich Strube. Sie hatte eine Augenoperation hinter sich, die fehl geschlagen war. Ein Auge war verloren, dass andere angegriffen. "Wenn Maryna nicht innerhalb eines halben Jahres operiert wird, verliert sie ihr Augenlicht ganz", übersetzte Mirgorod-Begründer Manfred Rühmland die Aussage der Ärzte vor Ort. "Das Risiko ist in der Ukraine zu hoch. Deshalb suchten wir eine Klinik in Deutschland", so Rühmland.

Die deutschen Ärzte sind sicher, dass Marynas Augenlicht nach ein paar Wochen zurück kehrt. Bis dahin muss ein operativ bedingtes "Öl" aus dem Augenhintergrund entfernt werden. "Ich glaube, das lassen wir lieber wieder in Deutschland machen", gab Rühmland zu bedenken. Wobei erneut Kosten anfallen würden.

Und wieder war es eine spontane Reaktion, die die Anwesenden anrührte: Sponsor Albrecht Laube, Chef einer Verkehrssicherungsfirma, signalisierte, sich in diesem Fall zu beteiligen.

Wie schicksalsergeben Kranke in einem der ärmsten Länder Europas sind, machte Manfred Rühmland deutlich: "Diabetiker in der Ukraine haben ein Ziel: Invalidisiert zu werden", sprach er aus Erfahrung. Wer den höchsten Grad der Krankheit nachweisen kann, hätte Anspruch auf eine Rente in Höhe von umgerechnet 60 Euro. Um entsprechend schlechte Werte zu erreichen, lebe man danach. "Das hat einen hohen Preis. Da sind Gesundheitskomplikationen vorprogrammiert." Maryna denkt anders. Sie hat ein Deutschland voller Herzenswärme und Zuwendung erlebt.