Ein "Runder Tisch" für Wasserwehren fand kürzlich auf Initiative der Kameraden aus Schönebeck in der Elbestadt statt. Neben dem Austausch und einer Technikschau wurde ein wichtiges Ziel ins Auge gefasst: die Gründung eines eigenen Landesverbandes.

Schönebeck l Schmalspur? Schon lange nicht mehr. Dass die Wasserwehren an den Flüssen schon lange keine - um im Bild zu bleiben - nostalgischen Ruderboote sind, sondern wichtige Highspeed-Schiffe wurde beim vergangenen Hochwasser und bei den dauernden Übungen deutlich. Die Mitglieder sind Experten und wollen auch so behandelt werden. Die abwertende Anrede "Deich-Klatscher" hören die Männer und Frauen nicht mehr, die Kameraden werden inzwischen akzeptiert.

Doch Schönebeck, Calbe und Barby ist nicht überall. "Leider nicht", so Dirk Lindner. Entlang der großen Flüsse des Landes haben sich mehr oder weniger starke Wasserwehren gegründet und etabliert. Wie viele es sind, weiß selbst das übergeordnete Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt (MLU) nicht so genau. "Eine konkrete aktuelle Zahl der Wasserwehren im Land sowie deren Mitglieder liegt derzeit nicht vor", schreibt Pressesprecher Detlef Thiel auf Anfrage der Volksstimme.

Technikschau beeindruckt die anderen Kameraden

Die Erfassung aus dem Jahr 2010 weist in jedem Landkreis für die betroffenen Gemeinden entsprechend der Gefährdung funktionsfähige Wasserwehren auf. Herausragend waren damals der Salzlandkreis mit 11 Wehren, der Saalekreis (13) sowie die Stadt Dessau-Roßlau (8). "Es ist davon auszugehen, dass sich die Anzahl der Wasserwehren und deren Mitglieder im Laufe der Jahre - bedingt durch Hochwasserereignisse - weiterentwickelt hat", schaut das verantwortliche Ministerium sinnierend in eine Glaskugel.

So wichtig scheinen die Wasserwehren dann doch nicht zu sein? Geht es nach dem Leiter der Schönebecker Wasserwehr, Dirk Lindner, soll sich das in Zukunft ändern. Er rief vor wenigen Tagen eigenverantwortlich einen "Runden Tisch" für die Wasserwehren des Landes ein, um sich auszutauschen. Sechs Wasserwehren mit insgesamt 17 Teilnehmern kamen in die Elbestadt Schönebeck.

Wohl auch deshalb, weil die Schönebecker Wasserwehren zu den besten der Region gehört: Eigenes Gerätehaus, modernes Boot und entsprechende Technik ließen die Kameraden aus der Umgebung leicht ins Staunen kommen, was eigentlich alles möglich ist. "Bei dieser Technikschau ist schon aufgefallen, dass wir Schönebecker schon sehr weit sind", berichtet Dirk Lindner der Volksstimme. Die Folge: Die Kameraden der anderen Wehren wünschten sich eine Liste mit der Aufstellung der Technik, um in ihren jeweiligen Gemeinde- und Stadtverwaltungen vorzusprechen.

Dirk Lindner machte aber auch deutlich, dass die Wasserwehr Schönebeck diesen Sprung in die Zukunft nicht allein geschafft hat. Es waren auch eine verantwortungsbewusste Stadtverwaltung und vor allem Sponsoren, die der Wehr halfen.

Land kann sich noch keine Meinung bilden

Auch der Schulungsplan der Schönebecker wurde den anderen Kameraden kopiert - warum das Rad zweimal erfinden? "Es ist gut, dass wir das Interesse geweckt haben", so Lindner.

Auch in anderer Hinsicht wollen sich die Wehren mehr Gehör verschaffen - nämlich auf Landesebene. Alle Wasserwehren sollen zukünftig mit einer Stimme sprechen und als starke Vereinigung auftreten. "Darum überlegen wir, ob wir einen eigenen Landesverband gründen oder wir uns einem anderen ähnlich gelagerten Landesverband anschließen", ist ein Resultat aus dem "Runden Tisch" in Schönebeck.

Was sagt das Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt zu dieser Idee? "Der Gedanke, dass sich Wasserwehren zu einem Landesverband zusammenschließen wollen, ist hier noch nicht bekannt. Insofern kann keine Bewertung vorgenommen werden", teilte Sprecher Detlef Thiel der Volksstimme mit.

Grundsätzlich aber kann aus Landessicht jedoch eine gebündelte Kommunikation der Fragen der Wasserwehren von Vorteil sein. Gleichfalls ist damit eine Vereinheitlichung der Tätigkeit der Wasserwehren denkbar. "Zur Fortführung solch einer Idee sollten allerdings die Ziele eines solchen Landesverbandes konkretisiert werden", gibt das Ministerium den engagierten Wasserwehr-Kameraden mit auf den weiteren Weg.

Fragen an Dirk Lindner und den "Runden Tisch" der Wasserwehren: rtwwlsa@web.de