Wie man den Begriff Ganztagsschule ganz einfach mit Leben erfüllt, hat die Sekundarschule Am Lerchenfeld am Sonnabend gezeigt. Beim Tag der offenen Tür präsentierten Schüler und Lehrer das Spektrum der Arbeitsgemeinschaften und stellten die Schulräume vor.

Schönebeck. Etwas wackelig schaut es aus, als Lisa, Melanie, Yasmin und Jessika mit ihren Einrädern die erste Runde starten. Dann recht schnell kehrt Sicherheit zurück. Sie formieren sich zur Mühle und Kutsche. Mit Freude sind sie dabei, auch in ihrer Freizeit. Lehrerin Ellen Kursawa lächelt zufrieden. Sie leitet seit drei Jahren die Einradgruppe, die hier an der Ganztagsschule Am Lerchenfeld einen ähnlich guten Zuspruch hat wie die Rhönradgruppe. "Manchmal verliere ich leider einige Schüler an die Rhönräder", gibt sie augenzwinkernd einen Seitenhieb ihrem Kollegen Thomas Bombach. Er nimmt es mit Humor. Zum Tag der offenen Tür am Sonnabend konkurrieren nunmal beide Gruppen zusammen in der Turnhalle um die Gunst der Zuschauer.

Nicht nur in der Turnhalle wird gesportelt. Im Schulgebäude gibts auch viel Bewegung. In der Aula zeigen kleine und große Tanzmäuse moderne Popformationen und Line-Dance. Eine Etage höher zieht ein süßer Geruch in die Nase. Im Französischraum werden Waffeln gebacken. Der Versuch mit den hauchdünnen Crepés wurde am Morgen schnell aufgegeben – sie waren wohl etwas zu dunkel geworden, verrät Thomas Bombach.

Gleich gegenüber befindet sich der Kunstraum, das Reich von Dagmar Hartung. Wer sich am Sonnabend kreativ zeigen will, kann eine Tonfigur herstellen. Der 17-jährige Kilian Drawe nutzt diese Chance. Vorsichtig formt er Kugeln, die später die Augen eines handgroßen Igels sein werden. Die 14-jährige Francyn Barge hilft ihm. Ungeniert fragt derweil Thomas Bombach: "Ist das deine Freundin?" Etwas schüchtern nicken die Jugendlichen. Thomas Bombach hakt nicht weiter nach. Die Runde durch das bunte Schulhaus geht weiter.

Nächstes Ziel ist der Stand der "Lerchenfeld News". Für den Tag der offenen Tür haben die acht Schüler der Arbeitsgemeinschaft ein Extra-Blatt herausgebracht. Es geht gut von der Hand. 40 der 60 Exemplare haben hier bereits nach einer Stunde den Besitzer gewechselt. "Die Schüler berichten nicht nur über die Schulereignisse, sie suchen sich gezielt eigene Themen", lobt Bombach. So haben die jungen Reporter unter anderem in einem Beitrag kritisiert, dass Unbekannte den beliebten Getränkeautomaten in der Turnhalle zerstört haben.

Insgesamt zwölf Arbeitsgemeinschaften (AG) werden in der Lerchenfeld-Sekundarschule angeboten. "Kleine Köche", "Handballer", "Zirkus" oder "Geschickte Hände", es ist die Vielfalt, durch die jeder der 250 Schüler seine AG für sich findet, sich kreativ oder sportlich ausleben und -probieren kann. Und für die 27 Lehrer, die hinter den Angeboten stehen, damit das Konzept der Ganztagsschule überhaupt funktioniert, ist es immerzu eine Möglichkeit, ihre Schüler außerhalb des Unterrichts kennenzulernen. Das vertrauensvolle Lehrer-Schüler-Verhältniss ist ein Zeugnis dessen und wird am Tag der offenen Tür bewiesen.

So ist es für die Schüler am Kuchenbasar zum Beispiel auch von vornherein klar, dass ihr Umsatz nicht etwa für die Klassenfahrt genutzt wird. Die rund 42 Euro, die im Vergleich zu den Vorjahren eine Rekordsumme sind, werden für "Wir schaffen ein Lächeln" genutzt. Die Aktion wurde von dem schuleigenen Förderverein initiiert. Egal wann und wo, gefüttert wird der Aktions-Spendentopf durch Sponsoren und eben solche Schulaktionen. Unterstützung erfährt dadurch in diesem Jahr der Jugendclub Future. "Viele unserer Schüler und Kinder mit Behinderung nutzen den Club", begründet Bombach die Wahl. Und auch die Alzheimer-Gesellschaft in Frohse sowie der Allgemeine Behindertenverband werden in ihrem Engagement unterstützt.