Fast vier Kilogramm Marihuana und ein Kilo Amphetamin wurden im Keller eines Schönebecker Wohnhauses im April sichergestellt und zwei Männer vorläufig festgenommen. Ihnen wird vorgeworfen, mit Messern bewaffnet, Drogenhandel betrieben zu haben. Jetzt steht das Urteil bevor.

Magdeburg/Schönebeck l Vier Jahre Haft fordert der Magdeburger Staatsanwalt für den 26-jährigen Danny G. Sein 42-jähriger Komplize Jens L. soll sogar für vier Jahre und sechs Monate hinter Gitter. Kaum spricht der Staatsanwalt am Donnerstag vor dem Magdeburger Landgericht diese Forderung aus, bricht die Lebensgefährtin von Jens L. in Tränen aus. Betroffenheit im Zuschauerraum. Kopfschütteln auf der Anklagebank. Rechtsanwalt Thorsten Bornholdt ist der Verteidiger von Jens L.: "Diese Strafmaßvorschläge müssen wir erstmal sacken lassen."

Die beiden Verteidiger fordern Bewährungsstrafen - die Höhe liege im Ermessen der Richter, dürfte in diesem Fall aber zwei Jahre nicht überschreiten. Ihre Begründung: Ein Großteil des im Keller versteckten Marihuanas sollte nicht in den Verkehr gebracht werden. Danny G. räumt in der Beweisaufnahme am Mittwoch ein, sich die knapp vier Kilogramm von einem Bekannten beschafft zu haben - um es zu verkaufen. Doch "die bräunliche Farbe und der starke Geruch nach Heu" hätten ihn davon abgehalten.

Hoher Wirkstoffgehalt im Marihuana

Die Sachverständige des Landeskriminalamtes kann das nicht bestätigen. "Wären die Pflanzen verschimmelt gewesen, hätten wir gar keine Tests durchführen können." Doch die gab es. Das Ergebnis: Ein Wirkstoffgehalt von mehr als den durchschnittlichen zehn Prozent. Dass die Angeklagten sich über Qualität und Wert der Drogen im 10 000-Euro-Bereich bewusst waren, davon geht der Staatsanwalt aus. "Beide gaben zu, Betäubungsmittel zu konsumieren."

Mitarbeiter des Landeskriminalamtes überprüfen noch die Spuren an der zehn Zentimeter langen Klinge vom Messer des Angeklagten Jens L. Unter anderem entdecken sie dabei Spuren von Koks. Auch Danny G. trug ein Messer bei sich, als die Männer am 7. April von der Polizei verfolgt und vor der Haustür festgenommen wurden. Seitdem sitzen sie in Untersuchungshaft.

Telefonüberwachung bringt Polizei auf die Spur

Am selben Tag fanden noch Hausdurchsuchungen statt. Im alten Kinderzimmer von Danny G. fanden die Beamten ein Buch mit dem Titel "Marihuana-Anbau leicht gemacht". Auf dem Grundstück seiner Schwester seien Reste von Cannabis-Pflanzen sowie eine demontierte Anlage - wie man sie zum Anbau von Marihuana nutzt - aufgetaucht. Im Haus von Jens L. gab es keinerlei Hinweise auf Betäubungsmittel.

Was die Beamten noch kontrolliert haben, sind die Telefone der beiden Angeklagten. In den Kurznachrichten wurde regelmäßig von "Klamotten, Sporttaschen, großen Braunen und Holz" gesprochen. "Alles typische Synonyme für Betäubungsmittel", erklärt der leitende Ermittler vom Landeskriminalamt. Kein Beweis für die Verteidigung. Jens L. gehöre zum Rockerclub der Bandidos und wisse, dass sein Telefon kontrolliert wird. Die Sicherheitsbedingungen im Prozess waren hoch, Abzeichen von Rockergruppen verboten, Personalausweise von Besuchern wurden kopiert. Und die Angeklagten mussten Fussfesseln tragen.

Eine Zeit lang sei laut eigener Aussage auch Danny G. Anwärter auf die Bandidos-Mitgliedschaft gewesen, ein sogenannter Prospect. Doch nach einem Streit mit anderen Mitgliedern ist er vor einem Jahr dort ausgestiegen, bestätigt sein Verteidiger.

Die Beamten haben fünf Treffen der beiden Angeklagten mit einem polizeibekannten Drogenhändler observiert. Videoaufnahmen beweisen, wie Danny G. eine gefüllte Tüte entgegen nimmt. "Was darin war, kann nur spekuliert werden", sagt Verteidiger Thomas Ferwerda. Über das Strafmaß müssen jetzt die Richter entscheiden. Das Urteil wird nächsten Mittwoch gesprochen.