Hans-Joachim Scholz ist stolz. Und das zu Recht. Der Vorsitzende des Kleingartenvereins Erholung Calbe kann über Nachwuchs nicht klagen. 69 der insgesamt 73 Parzellen sind verpachtet, unter den Hobbygärtnern sind acht junge Familien.

Calbe l Wenn Hans-Joachim Scholz von seinem Verein spricht, gerät er ins Schwärmen: Die Anlage ist von der Größe her überschaubar. Die einzelnen Parzellen sind mit durchschnittlich 400 Quadratmetern optimal. Es gibt eine gute Versorgung mit Wasser und Strom. Kinder können sich auf einem Spielplatz austoben. Diese Vorteile kennen und schätzen auch die jungen Familien, die sich in der Anlage Erholung eine kleine Oase geschaffen haben.

Zum Beispiel Maria Richter und Mathias Wannewitz mit ihrer zehn Monate alten Mia sowie Hund Emma. Seit Herbst vergangenen Jahres sind sie Kleingärtner. "In Calbe gibt es nicht viel, was man mit kleinen Kindern machen kann. Und jemand aus unserem Bekanntenkreis hat erzählt, dass es hier so toll ist", erklärt Maria Richter, wie sie auf die Idee gekommen sind, sich in der Anlage eine Parzelle zu nehmen. "Uns ist es wichtig, dass die Kleine rauskommt. Wir wohnen in einem Wohnblock, da brauchen wir die Möglichkeit, einfach mal im eigenen Kleinod entspannen zu können." Als sie den Garten übernommen haben, sei er in einem katastrophalen Zustand gewesen. Das Dach des Bungalows sei undicht gewesen, überall habe das Unkraut gewuchert. Davon ist jetzt nichts mehr zu sehen. Überall grünt und blüht es, der Garten zeigt sich gepflegt. Doch Maria Richter ist mit dem Erreichten noch nicht zufrieden. Ja, sie seien schon glücklich mit dem, was sie bereits geschafft haben, aber es gebe schon noch einiges zu tun. Doch darauf freut sie sich. "Meine Mutter hatte einen Garten, ich weiß also, was auf mich zukommt", sagt sie schmunzelnd.

Auch Peggy und Michael Quenstedt sind über Bekannte in die Anlage gekommen. Sie haben bei den Feierlichkeiten zum 95-jährigen Bestehen der Anlage mitgeholfen und einen Rundgang absolviert. Da fiel ein Garten ihnen besonders auf. Ihnen war klar: Das musste ihrer werden. Gesagt, getan. Seit zwei Jahren sind die beiden stolze Laubenpieper - und mittlerweile auch zu dritt. Ben ist nun ein Jahr alt. "Wir haben hier auch schon mal Weihnachten gefeiert. Der Weihnachtsbaum stand auf einem Tisch in der Laube. Das war gemütlich", erinnert sich Peggy Quenstedt. Was für sie der Kleingarten bedeutet? "Die Anlage ist schön, hier kann ich gut vom Alltag abschalten. Ich treffe mich mit anderen, die auch Kinder haben. Die Chemie stimmt einfach", erzählt sie. Und obgleich die Quenstedts durch einen Brand erst ihre Laube verloren haben (wir berichteten), blicken sie positiv in die Zukunft. "Wir haben das Hochwasser überstanden, dann schaffen wir das jetzt auch", sagt Peggy Quenstedt entschlossen. Und Michael Quenstedt merkt an: "Für mich ist das mein Wochenend-Domizil. Deshalb baue ich es auch wieder auf." Beide sind begeistert von der enormen Hilfsbereitschaft, die sie durch die Kleingärtner erfahren haben. Viele hätten gefragt, ob sie zur Hand gehen können und ihre Unterstützung angeboten.

Aus der Wohnung raus und an die frische Luft - das war der Grund, warum sich Christian Illner in der Calbenser "Erholung" eine Parzelle gesucht hat. Seit nunmehr sechs Jahren sorgt er dafür, dass es in seinem Garten wächst und gedeiht. Seine siebenjährige Tochter Amalia Annemarie findet es toll, Zeit in der grünen Oase verbringen zu können. Für Christian Illner ist der Garten ideal: Er braucht nur fünf Minuten vom Verlassen der Wohnung bis zur Einkehr in seine Idylle. Und wenn man immer am Ball bleibe, würden auch wenige Stunden in der Woche genügen, um alles in Ordnung zu halten.

Hans-Joachim Scholz hört gern, was die jungen Leute beim Rundgang erzählen. Und wie auf Bestellung kommt beim Verlassen des Gartens von Christian Illner eine Frau auf ihn zu und fragt, ob es noch freie Parzellen gibt. Da wäre eine junge Frau mit Kind, die Interesse hat ...

 

Bilder