Die Agrar- und Verwaltungsgenossenschaft Felgeleben hat am Sonnabend bei Kleinmühlingen das Vereinshüten veranstaltet - und Holger Pilz ins Rennen geschickt. Der Schönebecker meisterte die Prüfung mit Bravour.

Felgeleben/Kleinmühlingen l Ruhig und gelassen holt Holger Pilz die 450 Schafe. Die Altdeutschen Hütehunde Bettie (Haupthund) und Lillie (Beihund) sind da noch etwas aufgeregter. Sie spüren wohl, dass es eine Prüfung zu absolvieren gilt. Doch Schäfer und Hunde sind ein eingespieltes Team. Mit Bravour meistern sie die Aufgabe: Schafe aus der Umzäunung holen (ausferchen), zur Weide, in ein 20x40 Meter großes Gehüt (Hütebereich), über eine fiktive Brücke, in ein 200x200 Meter großes Gehüt treiben, ein Verkehrshindernis initiieren (die Hunde müssen dafür sorgen, dass zwischen Herde und Fahrzeug eine Gasse bleibt) und wieder in die Umzäunung bringen (einferchen). Das, was während der Prüfung innerhalb einer Stunde gezeigt werden musste, passiert sonst im Laufe eines Tages.

Wolfgang Hedel (Walbeck), Reimund Nagel (Domnitz) und Dietmar Festerling (Quedlinburg) verfolgen die Leistung von Holger Pilz mit kritischem Prüfer-Blick. Sie wissen, auf was es ankommt, sind sie doch erfahrene Schäfer. Und auch als Juroren bei solchen Vereinshüten, wie dem vom Verein Harzer Land, das am Sonnabend von der Agrargenossenschaft Felgeleben veranstaltet wird. Vier Vereine gebe es in Sachsen-Anhalt, erklärt Wolfgang Hedel. Jeder Verein absolviert sein Vereinshüten und schickt seine Besten zum Landeshüten, die Ersten qualifizieren sich wiederum fürs Bundeshüten. Die Teilnahme für das Landeshüten hat sich Holger Pilz auf alle Fälle gesichert. Von 118 möglichen Punkten erreicht er 101,5. Ihm folgen Gasthüter Martin Winz (Landgut Krosigk) und Wolfgang Bollmann (Wasserleben).

So zufrieden Wolfgang Hedel auch beim Ablegen der Prüfung zuschaut, so nachdenklich wird er beim Blick in die Zukunft. Der Trend geht zur Haltung auf der Koppel. "In zehn Jahren werden wir dieses Bild wohl nirgends mehr sehen. Aber uns wird dann auffallen, dass die Schafe die Natur gepflegt haben", so Hedel. Sie seien wichtig für die Deichpflege. Nicht umsonst sage man, sie haben goldene Hufe. Hedel betont, dass die Schafe die Erde im Allgemeinen fest- und die Löcher im Speziellen zutreten.

Dem kann Thomas Kathe, Chef der Agrargenossenschaft, nur zustimmen: "Wir waren früher einer der größten Schafbetriebe - 2000 Mutterschafe und 1000 Hammel. Seit der Wende geht es nur noch um die Landschaftspflege. Wir kümmern uns um etwa 180 Hektar Grünland, vor allem Vorflutflächen. Schafe sind die einzige Tierart, die Flächen ordnungsgemäß betreten, also festtreten. Deshalb sind sie zur Deichpflege auch ideal."

Fotos unter www.volksstimme.de/schoenebeck

   

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