"Wochenendglück" - in einer Barbyer Kleingartenanlage ist der Name Programm. Auf 145 Parzellen finden Jung und Alt aus nah und fern nicht nur am Wochenende ihr Glück.

Barby l Lothar Gundlach ist 72 Jahre alt und passionierter Kleingärtner. Hätten Verband und Volksstimme vor Jahren, ja Jahrzehnten junge Gärtner in den Anlagen besucht, wäre auch bei ihm ein Zwischenstopp gewesen. Denn er hat seit 35 Jahren eine Parzelle am Ortsrand von Barby. "Wie es halt zu dieser Zeit so war ...", sagt er, als sei es das Selbstverständlichste gewesen. War es zur damaligen Zeit wohl auch. Lothar Gundlach erzählt von seinen Anstrengungen, einen Garten zu bekommen, von den Wartelisten und von dem großen Interesse, selbst Obst und Gemüse zu ernten und zu verarbeiten. Ein zusätzlicher Plus-Punkt: der nahe Kiessee.

Jetzt zählt Lothar Gundlach eher zu den älteren, langjährigen Kleingärtnern. Seit acht Jahren hat er den Vorsitz des Vereins inne. Der Vorstand organisiere und kümmere sich. "Das Vereinsleben läuft recht ordentlich", sagt er zufrieden.

Zufrieden auch, weil auf die 145 Parzellen mindestens 15 junge Familien kommen. Eine davon ist Familie Richter: Mario (43), Michelle (32) und Jasmin (11).

Seit 1999 ist die Parzelle, die einst ihren Großeltern gehörte, in ihren Händen. "Ich habe schon im Kleingarten geholfen und mitgearbeitet, als er meiner Oma gehörte", hat Michelle Richter noch gute Erinnerungen an diese Zeit. Deshalb habe sie auch nicht lange überlegen müssen, als das Angebot da war, dieses Kleinod zu übernehmen. Ein weiterer guter Grund: Auch ihre Eltern und ihre Schwester haben im "Wochenendglück" einen Kleingarten. Voller Begeisterung und aus innerer Überzeugung kann sie sagen: "Hier finden wir unsere Ruhe. Hier können wir entspannen." Ans Abgeben der Parzelle oder Aufhören haben sie noch nie gedacht, betont Michelle Richter.

Warum auch? Ihr Kleingärtnern ist bislang von Erfolg gekrönt. Ob gängiges Gemüse wie Mohrrüben oder Bohnen oder exotisches Obst wie Wassermelone - im Garten der Richters wächst und gedeiht es. Und die Größe ihrer Parzelle - etwa 400 Quadratmeter - sei ideal, sagt Mario Richter.

Er ist zwar nicht mit einem Kleingarten groß geworden, dafür aber auf dem Land, und seine Eltern hatten am Haus auch einen großen Garten. Deshalb sieht er die Tätigkeiten in der grünen Oase wohl auch eher als Erholung und Entspannung denn als reine Arbeit.

Im Garten sind die Richters eigentlich täglich anzutreffen. "Schon allein wegen der Hasen", meint Mario Richter, der einige Langohren dort hält. "Im abgestimmten kleinen Maßstab ist das möglich", betont Lothar Gundlach.

Und während Mama und Papa alles hegen und pflegen, genießt Tochter Jasmin die Zeit mit ihren Freundinnen. Bei hochsommerlichen Temperaturen sind sie vor allem an einem Ort anzutreffen: im Pool.

"Ich finde es hier toll", sagt die Elfjährige. Im Garten könne sie nicht nur gut spielen, da es in der Anlage noch viele Kinder in ihrem Alter gibt. Hier kann sie auch viel besser schlafen als zuhause, schwärmt sie. Gelegentlich würde die Familie auch mal im Garten übernachten.

Auch Vanessa Kunert betont, dass sie hier in der Anlage all ihre Freunde habe. Somit genießt die Zehnjährige auch jede freie Minute im "Wochenendglück". Verständlich, antwortet sie doch auf die Frage, ob sie denn Unkrautzupfen müsse: "Nein, nur wenn ich es möchte."

Ferien bei Oma Bärbel Rudolph, das bedeutet für Elaine Metzner Urlaub in der Barbyer Kleingartenanlage. Die zehnjährige Berlinerin hilft ihrer Oma gern bei der Gartenarbeit. "Das macht doch Spaß", sagt sie. Doch am liebsten ist sie natürlich mit den Mädels unterwegs ... Wie an diesem Tag im Pool von Familie Richter.

 

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