Der Erörterungstermin im Planfeststellungsverfahren zum Bau einer Hähnchenmastanlage in Stemmern (Sülzetal) ist gestern auf reges Interesse gestoßen. Um ihren Unmut auszudrücken, war den Mastgegnern auch der Weg nach Eggersdorf nicht zu weit.

Eggersdorf l Marita Rienecke vom Landesverwaltungsamt ging den Erörterungstermin sachlich an. In der Bördelandhalle Eggersdorf schilderte sie gestern zu Beginn nüchtern die Fakten zum geplanten Neubau einer Hähnchenmastanlage in Stemmern: 350 000 Mastplätze, 7 Stallgebäude, Nebenanlagen, 16 Futtersilos ... Insgesamt habe es auf die öffentliche Auslegung hin 1624 Einwendungen gegeben, 33 seien nicht fristgerecht eingetroffen und 132 hätten nicht den formellen Ansprüchen genügt.

Die Referentin zeigte sich erfreut, dass so viele Einwender nach Eggersdorf gekommen waren. "Das lässt auf eine interessante Diskussion hoffen", gab sie in die Runde. Ziel des Erörterungstermines sei es, dass jeder seine Einwände noch einmal persönlich und ausführlicher vorbringen könne. Der Antragsteller Gerrit Tonkens - vertreten durch das Ingenieurbüro Landgesellschaft Sachsen-Anhalt mbH Magdeburg - hätte dann die Gelegenheit, sich dazu zu äußern. Eine endgültige Entscheidung über das Vorhaben - zustimmend, einschränkend zustimmend oder ablehnend - werde es dieser Tage nicht geben. Eher sollen alle Einwendungen gewissenhaft geprüft werden. Mit einem Ergebnis rechnet sie voraussichtlich bis zum Ende des Jahres.

Doch die Zuversicht von Marita Rienecke ob einer lebhaften Diskussion wich schnell. Denn Oliver Wendenkampf vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) nutzte die ihm eingeräumte Möglichkeit, eine Erklärung abzugeben. "Wir als BUND werden nicht weiter an diesem Erörterungstermin teilnehmen", kündigte er an und zählte auf, warum:

- Weil es Fehler bei der öffentlichen Auslegung gegeben habe - die Unterlagen seien in der Verwaltung von Sülzetal nur wenige Stunden und nicht an allen Wochentagen einsehbar gewesen.

- Weil der Erörterungstermin in den Ferien ist - viele, die gern ihre Einwendungen vorbringen wollen, können nicht vor Ort sein.

- Weil der Termin von Altenweddingen nach Eggersdorf verlegt worden ist - viele direkt Betroffene aus Sülzetal können den Termin aufgrund der Entfernung nicht wahrnehmen.

- Weil bei der Auflistung der Einwendungen einige Punkte fehlen - Beispiel: Untersuchung Feldhamster. "Wenn Sie der Anlage zustimmen, werden wir auf dem Klageweg gegen die Anlage vorgehen", betonte Wendenkampf.

Dann drehte er sich zu den Anwesenden und sagte: "Wer meine Einschätzung teilt, kommt jetzt mit. Wir werden draußen mehr Spaß haben als hier." Und prompt standen fast alle auf und gingen hinaus. Zurück blieben die Vertreter des Landesverwaltungsamtes, des Ingenieurbüros und eine Handvoll Zuhörer.

Während im Saal der Bördelandhalle jede einzelne Einwendung verlesen und erläutert wurde, ging es vor der Halle protestreich weiter. Mit reichlich Informationen und Aktionen.

   

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