Der Salzlandkreis hat mehrere Standorte im Berufsbildenden Bereich. An welchen Schulen und Außenstellen die Auszubildenden lernen, hängt von vielen Kriterien ab.

Schönebeck/Staßfurt l Eckhard Henschel führt ein gleichnamiges Metallbauunternehmen in Tornitz. Hier arbeiten fast 80 Mitarbeiter, auch Lehrlinge in allen Ausbildungsjahren. Ihre Praxis lernen die jungen Menschen im Betrieb. Für die theoretische Wissensaneignung müssen sie in die Berufsbildende Schule "Wema" Aschersleben-Staßfurt nach Aschersleben fahren. Hier lernen die Metallbauer in den Anfangsjahren die Grundfächer, später die Berufsspezifika.

Eckhard Henschel wundert sich darüber, weil doch in Schönebeck ebenfalls ein großer Berufsschulstandort existiert - viel näher am Unternehmen als die Harzvorstadt. "Für die Lehrlinge wäre es günstiger, wenn sie in Schönebeck lernen könnten." Die Wege jetzt erforderten einen hohen Zeitaufwand, so der Firmenchef. Dazu kämen Fahrkosten, die das Unternehmen stemmen müsse, sagt Eckhard Henschel. Die Fahrt nach Schönebeck könnte man dagegen im Betrieb organisieren. "Warum ist es nicht möglich, dass die Berufsschüler zumindest in den ersten Lehrjahren zusammen Mathematik oder Deutsch haben?", fragt Henschel.

Der Salzlandkreis ist Träger der Berufsschulen und ordnet mit der Schulentwicklungsplanung auch die Beschulung an den einzelnen Standorten. Dabei muss er in gewisserweise einen Spagat leisten: "Ziel ist erstens die wohnortnahe Beschulung der jungen Menschen, zumindest für einige Lehrjahre, und zweitens aber auch die Etablierung bestandsfähiger Klassen an den Berufsschulen", sagt Bildungsfachbereichsleiterin Petra Czuratis. Und das vor dem Hintergrund zurückgehender Schülerzahlen. Berufsschulhauptstandorte im Salzlandkreis sind Schönebeck und Aschersleben. Zur Harzvorstadt gehört Staßfurt als Außenstelle, Bernburg ist Schönebeck als Nebenstelle zugeordnet.

Konzentration und Mischklassen

Der Kreis bedient sich zweier Mittel, um die bestmögliche Berufschulbildung zu garantieren: Konzentration und Weite. Was zunächst wie ein Gegensatz klingt, ist im Prinzip die individuelle Ausrichtung auf jeden einzelnen Berufszweig.

Die Schwerpunktsetzung ist ein Weg. Die aktuelle Schulentwicklungsplanung für Berufsschulen im Salzland von 2010 sieht die Profilierung einzelner Standorte für bestimmte Ausbildungsberufe vor - zum Beispiel Metallbau in der Wema Aschersleben. Ein Prozess. Denn war es früher noch möglich, gleiche Ausbildungsberufe an mehreren Berufsschulen zu etablieren - wie vor der Kreisgebietsreform - erfolgt mit Rückgang der Schülerzahlen so die vermehrte Festlegung einzelner Berufsschulstandorte für bestimmte Berufe. Dezernentin Petra Czuratis: "Es ist möglich, dass es sonst bei einigen Berufen von den Schülerzahlen her für keinen Standort mehr gereicht hätte." 18 Lehrlinge müssen für die Eröffnung einer Klasse da sein. Vorteil der standortbezogenen Berufschulausbildung ist auch, dass eine hohe Fachlichkeit der Beschulung gesetzt ist, wie sie nicht zuletzt das Land fordert.

Das Land ermöglicht aber auch mit bestimmten Erlassen, dass Mischklassen - als anderer Weg - gebildet werden können. Die Vorgaben aus Magdeburg sagen differenziert aus, in welchen Berufsjahren und bei welchen Berufen das möglich ist und von den Schulträgern betrachtet werden könne. Hinzu kommt, dass Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen Kooperationen zu möglichen länderübergreifenden Beschulungen abgeschlossen haben für die Bereiche, wo es sinnvoll ist.

Mindeststärke der Klasse liegt bei 18 Lehrlingen

Petra Czuratis sagt, dass die Erlasse dafür dienlich seien, dass in einigen Schulen die nicht erreichte Mindestklassenstärke einzelner Berufe aufgefangen werden könnte, mit dem Vorteil, dass sie nicht geschlossen werden müssten. Andererseits sei die Auflösung der Mischklassen und die Zuordnung der Schüler für die nachfolgenden Lehrjahre auch sehr kompliziert.