Glöthe l Stadtrat Johann Hauser (FDP) hat gestern Landrat Markus Bauer (SPD) an den Ruscheschacht in Glöthe geholt. "Es muss sich hier dringend etwas tun", meinte Hauser zuvor und hatte auch Vertreter der Stadt Staßfurt, der Agrargenossenschaft Calbe und betroffene Bürger zusammengetrommelt.

Markus Bauer wollte sich mit dem großen Vernässungsproblem in Glöthe vor Ort genauer vertaut machen. Von Wolfgang Kaufmann, Fachbereichsleiter der Verwaltung, ließ er sich auf den aktuellen Stand bringen: Ein Ingenieurbüro erstellt zur Zeit ein hydrogeologisches Gutachten und führt regelmäßige Pegelmessungen durch. "Wir haben bereits Fördermittel beantragt. Am Ende des Gutachtens wird ein Maßnahmekatalog erstellt, der den Ausbau des Marbegrabens, Pumpen, aber auch ganz andere Maßnahmen enthalten kann", erklärte Kaufmann.

Dass die Anwohner sehr viel Hoffnung auf den Probepumpbetrieb setzen und viele Emotionen daran hängen, erkannte Bauer. Die viel besprochene wasserrechtliche Genehmigung durch die Untere Wasserbehörde des Salzlandkreises ist immer noch nicht erteilt. "Wir müssen noch entscheiden, welche Pumpe mit welcher Leistung wir nehmen", erklärte Kaufmann. "Dann kommt die Genehmigung ganz sicher."

Das Probepumpen soll ab September ein Jahr lang andauern. Über den gesamten Verlauf wird das Ingenieurbüro die Pegelstände messen und dann auswerten, ob das eine sinnvolle Maßnahme ist.

Hauser machte vor dem Landrat noch mal deutlich, dass das Probepumpen für die Stadt völlig risikofrei ist. "Wir werden die Pumpe und den Strom bezahlen, nur den Betrieb der Pumpe muss die Stadt übernehmen", bestätigte Hansjoachim Gerber, Chef der Agrargenossenschaft Calbe.

Zwar könne die Durchlässigkeit des Marbegrabens verbessert werden, indem Hindernisse wie alte Durchlassbauwerke langfristig behoben werden, sagte Kaufmann, allerdings deutete seine Mitarbeiterin Doreen Jüngst Probleme bei der Grabenpflege an. Hansjoachim Gerber: "Der Graben ist total verschlammt. Was nützt das Pumpen, wenn kein Wasser abfließen kann?" Doreen Jüngst entgegnete, der für den Graben zuständige Unterhaltungsverband "Untere Bode" habe sehr viel zu tun und die Kosten für Maßnahmen am Graben müsse die Stadt tragen.

Im nächsten Jahr wird die Pflege der Gräben aber neu ausgeschrieben und neu definiert. Dabei soll endlich auch festgelegt werden, dass abgemähtes Schilf oder Gras nicht mehr neben den Gräben liegen gelassen wird - und dann wieder in den Graben fällt -, sondern weggeräumt wird. Auf jeden Fall versicherte Doreen Jüngst: "Wir sind dran an dem Thema."

Landrat Markus Bauer bedankte sich bei Stadtverwaltung und Agrargenossenschaft für ihre Bemühungen und versprach: "Wir packen das jetzt an und sehen zu, dass wir so schnell wie möglich die (wasserrechtliche) Genehmigung erteilen." Die Untere Naturschutzbehörde ist Teil der Kreisverwaltung, also ihm als Landrat direkt unterstellt. Bauer regte außerdem kurze Wege an. Kurze Telefonate zwischen Stadtverwaltung und Kreisverwaltung, also zwischen ihm und Wolfgang Kaufmann, sollen beide Seite immer auf dem aktuellesten Stand halten und das Vorhaben vorantreiben.