Seit August 2008 wird man am Bahnübergang Gnadau mit einem nervenden Kuriosum konfrontiert: Parallel zum Schließen der Schranke sperren Mitarbeiter der Deutschen Bahn den Übergang mit rot-weißen Kunststoffbändern ab. Demnächst ist damit Schluss. Es wird eine Vollschranke gebaut.

Gnadau/Schönebeck-Felgeleben l Die sechsjährige Girlandenzeit wird demnächst ein Ende haben. Die Arbeiten am Bahnübergang Gnadau sind nahezu abgeschlossen. Von Montag, 7 Uhr, bis voraussichtlich 22. August wird der Übergang infolge Umbau- und Asphaltierungsarbeiten voll gesperrt sein. Die Umleitung führt über Pömmelte.

Doch bis zur völligen Fertigstellung neuer Vollschranken in Gnadau wie auch in Felgeleben werden noch einige Wochen ins Land gehen.

Inbetriebnahme ist für Ende Oktober geplant

Wie die Bahn auf Volksstimme-Anfrage mitteilt, wurden in einem ersten Schritt die alten Halbschranken der Bahnübergänge außer Betrieb genommen und die neuen Anlagen gegenwärtig in den Schalthäusern montiert. Bis Ende Oktober sollen die Straßenanlagen im Bereich der Bahnübergänge an die neuen Bedingungen angepasst, in Schönebeck-Felgeleben wird der Geh- und Radweg verändert und neue Schranken montiert.

"Am Wochenende vom 25. zum 26. Oktober ist die Inbetriebnahme der neuen Schranken geplant", teilt Bahn-Pressesprecherin Erika Poschke-Frost mit. Dazu werde die Bahnstrecke nachts einige Stunden total gesperrt - in dieser Zeit werden Signale versetzt und die Software des Stellwerks an die neuen Schranken angepasst.

"Die volle Funktionstüchtigkeit der neuen Schranken wird dann im Nachlauf noch einige Zeit durch die Schrankenposten überwacht. Spätestens Anfang November sollen die Schranken voll automatisch laufen und die Posten endgültig abgezogen werden", so Erika Poschke-Frost.

Seit August 2008 werden "Girlanden" gespannt

Seit August 2008 spannen Mitarbeiter des Bahndienstleisters DB-Service "Girlanden" über die Straße, bevor die automatische Halbschranke schließt. Am Anfang hielten sich die Posten zwischen den einzelnen Arbeitsgängen in einem Pkw auf, später dann in einem beheizten Container.

Offenbar hatte sich die Bahn schon bei Einführung dieses Kuriosums auf einen längeren Zeitraum eingestellt.

Die Sicherheitsdienstleister versehen rund um die Uhr ihren Dienst. Und das seit rund 2200 Tagen. Rollt ein Zug an, egal ob aus Richtung Schönebeck oder Calbe, klingelt das Funktelefon. Sekunden später haben sie die Absperrbänder in der Hand, spannen sie über die Straße. Es dauert noch einige Zeit, bis ein Intervallton das Schließen der Schranke ankündigt, die sich kurz darauf senkt. Nachdem der Personenzug vorbei gerauscht ist, bleibt der rot-weiße Schrankenbaum unten, weil jetzt aus Richtung Schönebeck ein Güterzug anrollt.

Und genau das ist der Punkt, warum die Frauen und Männer in ihren orangen Warnwesten gelassen stehen bleiben und ihre Absperrbänder nicht entfernen. "Damit wegen der langen Schließzeiten die Verkehrsteilnehmer nicht auf die Idee kommen, die geschlossene Halbschranke zu umfahren", erklären die Absperrer immer wieder.

Die Pressestelle der Deutschen Bahn bestätigt das. Man handele nach einer Auflage des Eisenbahnbundesamtes. "Wir wollen verhindern, dass bei längeren Schließzeiten sich Verkehrsteilnehmer aufgefordert fühlen, sie zu umfahren", sagt eine Bahnsprecherin. Man mache das bei Übergängen, wo zuvor "ungeduldige Verkehrsteilnehmer" beobachtet wurden.

Aber im November ist ja nach sechs Jahren damit Schluss.

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