Der geplante Bau einer Hähnchenmast bei Stemmern (Sülzetal) sorgt auch im östlich angrenzenden Welsleben für Unmut. Das Landesverwaltungsamt versteht die Protestaktionen beim Erörterungstermin in Eggersdorf nicht.

Eggersdorf l 1624 - so viele Einwendungen galt es beim Erörterungstermin zum Planfeststellungsverfahren für den Bau einer Hähnchenmast in Stemmern zu besprechen. Doch aus Protest gegen das Vorhaben verließen fast alle Teilnehmer geschlossen die Bördelandhalle Eggersdorf (wir berichteten).

"Ich finde das Vorhaben katastrophal", sagt Annegret Brauckmann. "Das Schlimmste sind die multiresistenten Keime, gerade für Kleinkinder, die noch kein starkes Immunsystem haben", so die Welsleberin. Verärgert zeigt sich Josef Härt aus Welsleben: "Unsere Landesregierung hat es nicht geschafft, den Boden im Land, bei unseren Genossenschaften zu lassen." Auch Hans-Jürgen Korn versteht die Welt nicht mehr. Unter anderem, weil "das beauftragte Planungsbüro die Landgesellschaft Sachsen-Anhalt ist und das Land mit 94,5 Prozent Gesellschafter". Es sei schwer zu verstehen, dass das Land solche Bauprojekte mit seiner Gesellschaft plane. "Soll hier die Entscheidung zur Genehmigung leichter gemacht werden, wenn ein beauftragtes Planungsbüro des Landes dies einreicht?", fragt der Welsleber provokant.

Denise Vopel, Sprecherin des Landesverwaltungsamtes, versteht die Aufregung nur teilweise: "Wir machen solche Verfahren seit über 20 Jahren. Sie sind immer konfliktbelastet. Der eine will das Vorhaben, der andere nicht." Es gab in diesem Fall 1624 Einwendungen. Um der Anzahl von Einwendern gerecht werden zu können, habe man einen großen Saal gesucht. Deshalb der Wechsel von Altenweddingen nach Eggersdorf, entgegnete sie dem Vorwurf der Protestler, absichtlich die Erörterung weit weg zu verlegen. "Wären wir in dem kleinen Saal geblieben, hätte man uns unterstellt, das sei Absicht." Zur Wahl des Planungsbüros sagt Denise Vopel, dass der Antragsteller freie Wahl habe. "Ob gebaut wird oder nicht, hängt nicht davon ab, welches Büro beauftragt ist."

Die Sprecherin erklärt, dass das Landesverwaltungsamt Interesse daran habe, den Einwendern die Möglichkeit zu geben, ihre Bedenken bei einem Erörterungstermin vorzubringen. "Wenn Herr Wendenkampf (Landesgeschäftsführer Bund für Umwelt und Naturschutz, Anm. der Redaktion) auffordert, den Saal zu verlassen, ist das kontraproduktiv." Dieser Erörterungstermin sei über zwei Tage gegangen. Nun erfolge die Auswertung, dann erst beginne das eigentliche Verfahren. Sie weist jedoch darauf hin, dass es sich bei dem geplanten Bau um ein gebundenes Genehmigungsverfahren handelt. Sprich: Wenn die Anlage den gesetzlichen Voraussetzungen entspricht, dann muss der Antrag genehmigt werden. Ihr sei bewusst, dass die Behörde den Anwohnern die Sorge nicht nehmen könne, deshalb prüfe man ganz genau.