Ein beeindruckendes Konzert am Flügel hat Sofja Gülbadamova in Pretzien gegeben. Ihren Schwerpunkt hat die Pianistin am Sonnabend auf Humoresken gelegt und damit ihre Zuhörer förmlich von den Stühlen gerissen.

Pretzien l "Für mich ist es ein nach Hause kommen", sagt Sofja Gülbadamova. Kein Wunder also, dass die beeindruckende Ausnahmekünstlerin am Sonnabend zum elften Mal zu Gast beim Pretziener Musiksommer war. Seit 15 Jahren kennt sie nun schon Maria und Rüdiger Meussling, die die Konzertveranstaltung vor 40 Jahren aus der Taufe gehoben haben. Inzwischen möchte sie die Konzerte in St. Thomas nicht mehr missen. "Wenn ich darf, komme ich nächstes Jahr sehr gern wieder", sagt die bescheidene Pianistin.

Wenn es nach dem Publikum geht, das am Sonnabend die komplette Kirche füllte - sowohl auf der Treppe hinter der Orgel, als auch im Altarraum - dann könnte die Pianistin weitaus öfter in Pretzien auftreten. Denn ihr Spiel am Flügel beeindruckt. Dieses Mal ziehen sich die Humoresken wie ein roter Faden durch das Programm. "Sie sind im 19. Jahrhundert ein populäres Genre geworden", erzählt Sofja Gülbadamova zu Beginn. Humoresken seien vergleichbar mit musikalischen Kurzgeschichten.

Mit ihrer zarten Stimme berichtet die Musikerin nicht nur über die Stücke, die sie zu einem wundervollen, abwechslungsreichen Programm zusammengestellt hat. Sie bietet Hintergrundwissen zur Entstehung genauso wie sie die Komponisten vorstellt. Durch ihre kurzen Ausführungen kommt die Musikerin den Zuhörern näher. Man lernt sie nicht nur als Pianistin kennen, sondern erfährt auch ihre Liebe zur Musik. Die ist der gebürtigen Russin sowieso anzusehen - ein Lächeln, das jeden in seinen Bann zieht, hat sie stets auf den Lippen. Und ihr Körpereinsatz beim Spielen zeigt zusätzlich die Emotionen, die von der Musik ausgelöst werden.

So ist die Humoreske op. 20 von Robert Schumann "unglaublich interessant" und dem Benehmen der Künstlerin nach "sehr melancholisch". Einfach, hastig, einfach und zart, innig, sehr lebhaft, mit einigem Pomp, zum Beschluss sind die einzelnen Teile überschrieben. "Das sind hier mehrere Stücke, die ineinander übergehen", erklärt Sofja Gülbadamova. Nahezu 30 Minuten lang ziehen diese Humoreske und die Künstlerin die Zuhörer in ihren Bann.

Manchmal scheint es, als würden nicht nur die Gäste in eine musikalische Welt mitgenommen. Auch auf die Pianistin wirkt die Musik. Sofja Gülbadamova gerät beispielsweise ins Schwärmen, als sie dem Publikum Ernst von Dohnanyi vorstellt. "Mein Herz schlägt schon lange für ihn", sagt sie. Und: "Es ist eine Wonne, seine Werke zu spielen."

Bei solchen liebevollen Worten, geäußert von der Fachfrau, kann die Humoreske op. 17 ,Nr. 3 schließlich nur ein Hörgenuss werden - die Erwartungen der Gäste wurden in St. Thomas übertroffen. Das zeigten sie mit stehenden Ovationen.

Das nächste und für dieses Jahr letzte Musiksommerkonzert wird am Sonnabend, 13. September, von der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie gespielt. Beginn ist um 17 Uhr.