Starker Regen lässt regelmäßig Teile der Calbenser Bahnhofsstraße und Soolbrunnenstraße regelrecht versinken. Tagelang kann das Wasser nicht richtig abfließen. Schuld daran sind große Kastanien am Straßenrand. Sie haben ein dichtes Wurzelwerk an den Ablaufleitungen gebildet.

Calbe l Wenn Petrus die Himmelsschleusen weit öffnet, dann schauen viele Anwohner der Soolbrunnen- und Bahnhofsstraße gespannt aus ihren Fenstern und stellen sich die Frage: Kann das Wasser dieses Mal richtig abfließen?

"Bei einer Kanalbefahrung haben wir dichtes Wurzelgeflecht der alten Kastanienbäume festgestellt."

Siegfried Zajicek, Abwasserzweckverband Saalemündung

In diesem Sommer schüttete es bereits mehrere Male kräftig vom Himmel. "Eine trübe Wassermasse bleibt vor allem im Kreuzungsbereich Bahnhofsstraße/Soolbrunnenstraße mehrere Zentimeter hoch stehen", sagt Anwohner Herbert Kuntze gegenüber der Volksstimme, der auf das Problem aufmerksam machen möchte.

Es dauere mehrere Tage, bis das Wasser ganz langsam in den Regeneinläufen versickere. "Man traut sich gar nicht durchzufahren. Das kann kein Dauerzustand sein", meint der Calbenser.

Eine Nachfrage bei Siegfried Zajicek, technischer Leiter des Abwasserzweckverbandes (AZV) Saalemündung, bestätigt die Problematik. So habe sich der Vorfall zuletzt am 9. Juli im Bereich der Bahnhofstraße durch einen Starkregen zugetragen. "Unser Bereitschaftsdienst hat versucht, die Straßeneinläufe frei zu machen", erklärt Zajicek. Rund 40 Kubikmeter Wasser seien abgepumpt worden. Daraufhin habe man durch eine Kanalbefahrung einen starken Wurzeleinwuchs in den Ablaufleitungen festgestellt, nennt Zajicek den Grund. In dem dichten Wurzelgeflecht setze sich Laub und Schmutz fest und sorge für einen Wasserstau.

Doch der AZV agiert lediglich als beauftragter Dienstleister. Die Straßeneinläufe werden nur mit einer entsprechenden Auftragsvergabe des Baulastträgers gereinigt.

Dieser ist die Stadt Calbe, die dafür zuständig ist. Siegfried Zajicek informierte darauhin die Bauverwaltung im Rathaus II darüber, dass die Ablaufleitungen an dieser Stelle dringend repariert werden müssten.

"Diese Stelle gehört bei starken Regenfällen zu den kritischsten im gesamten Stadtgebiet", kennt Edwin Matzke, zuständiger Mitarbeiter für die Entwässerung von städtischen Straßen und Plätzen, das Problem der Bahnhofsstraße. "Hier muss grundsätzlich dringend etwas passieren", meint Matzke.

Der Grund: Der dortige Mischwasserkanal sei nach dem Anschluss von zusätzlichen Grundstücken - sowohl in der Bahnhofsstraße als auch in der Großen Mühlenbreite -für derartige Regenereignisse längst nicht mehr ausgelegt. "Eine neue Leitung mit größerem Durchmesser müsste verlegt werden", sagt Matzke. Diese Maßnahme habe bereits im vordringlichen Investitionsprogramm der Stadt gestanden, sei aber wegen anderer Maßnahmen wie dem Ausbau der Ritterstraße zeitlich nach hinten verschoben worden.

Das Thema, das vom AZV und der Stadt in einer gemeinsamen Aktion in Angriff genommen werden muss, sollte also wieder oben auf die Agenda gesetzt werden.