Der Leerstand im Kleingärtnerverein Otto Kresse ist mit 60 unbewirtschafteten von insgesamt 190 Parzellen enorm. Doch es ist Licht am Ende des Tunnels zu sehen: 25 junge Familien gehören zu den Mitgliedern. Zwei stellen wir in der Gemeinschaftsaktion von Volksstimme und Gartenverband vor.

Schönebeck l "Mama kann Marmelade kochen", sagt Melina frei heraus. Die Elfjährige meint ihren Satz nicht als Anweisung, vielmehr freut sich die junge Schönebeckerin über das Hobby der Familie, nämlich die Gartenarbeit. Und dass das, was im Kleingarten angebaut wird, auch verarbeitet wird, ist doch klar, meint sie. Dem kann die Mama - Ramona Millinghausen - nur zustimmen. "Ohne unseren Kleingarten wollen wir nicht mehr sein", sagt die 34-Jährige, die mit ihrem Lebensgefährten seit sieben Jahren Mitglied im Kleingärtnerverein Otto Kresse 5 ist.

"Wir wollten, dass sich unsere Kinder austoben können."

"Der Garten ist für uns ein Rückzugsort, den wir nicht mehr missen wollen", sagt die Schönebeckerin. Dabei war der Grund für die Gartenanschaffung vor sieben Jahren mehr oder weniger ein anderer. "Wir wollten, dass sich unsere Kinder austoben können", sagt Ramona Millinghausen und meint damit Timon (3), Miriam (5) und Melina (11).

Fast täglich ist die fünfköpfige Familie in ihrem Garten zu finden. Während sich die Kleinen mit Schaukel und Co. vergnügen, kümmern sich Ramona Millinghausen und ihr Partner Mario Philipp (39) um die Beete. Da werden Tomaten, Kartoffeln, Möhren - eben alles, was in solch einen Garten gehört - angebaut und mit Liebe groß gezogen. "Und wenn wir einmal Fragen haben, dann richten wir uns an unsere Gartennachbarn", sagt die Schönebeckerin und macht gleichwohl deutlich, dass das Gefüge in "Otto Kresse 5" gut ist.

Insgesamt gehören zu dem Kleingärtnerverein Otto Kresse in Felgeleben, der sich in fünf Untergruppen aufteilt, 190 Parzellen. 60 sind frei, 25 Kleingärten werden von jungen Familien bewirtschaftet, informiert Vereinsvorsitzender Manfred Peters. Der Leerstand seines Vereins ist auf den ersten Blick groß, jedoch darf die enorme Gartenanzahl nicht vernachlässigt werden. Nichtsdestotrotz freut sich Peters über jedes neue Mitglied. Zum Beispiel über Denis und Sebastian Schüßler. Die beiden gehören seit Januar zum Verein. Ihren Garten haben sie in dem Gang, der zu Gruppe 3 des Vereins gehört. Gemeinsam mit ihrer Tochter Lucy (7) legen sie fleißig an den Beeten und an der Laube Hand an.

"Eine ruhige Ecke, in der wir noch lange bleiben wollen."

"Wir wollten schon lange einen Garten", erzählt die 33-Jährige. In Pretzien hatten sie bisher einen Bungalow, "doch auf dem Boden dort wächst kaum etwas", weiß sie aus Erfahrung. Und auch das Töchterchen spielt eine Rolle. "Hier kann sie spielen und machen und lassen, was sie will", sagt die junge Mama. Deshalb freut sie sich sehr, dass sie im Verein Otto Kresse schnell einen Garten gefunden hat.

Ob nun Wochenende oder unter der Woche, die kleine Familie kümmert sich fast täglich um ihr Kleinod. Eines der ersten Projekte war der Bau eines eigenen Hauses für Lucy. Stolz wie Bolle zeigt sie das Holzhaus, das auf Stelzen steht. Danach galt das Augenmerk der Laube, nebenher wurden die Beete bestellt. Rund 300 Quadratmeter bilden die Oase der Familie - eine Oase, "die für uns eine ruhige Ecke ist, in der wir noch lange bleiben wollen".

Solche Aussagen freuen den Vereinschef Manfred Peters. So wie er hoffen auch die Mitglieder des Verbandes der Gartenfreunde, dass diese jungen Familien Werbung für das Hobby Kleingärtnern machen. Sonst wäre der Leerstand in den Vereinen irgendwann nicht mehr händelbar.

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